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Internetkonferenz Republica : Die Netzgemeinde lernt, dass es sie nicht gibt

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Dennoch gilt jetzt noch mehr als in den Anfangsjahren, dass die Republica eine Internetkonferenz ist. Sie vermittelt bei 7000 Teilnehmern zumindest dieses Gefühl: Diejenigen, die angereist sind, verpassten vieles von dem, was sie sehen wollten; bekamen häufig überhaupt erst im Nachhinein mit, was um sie herum passiert ist. In jeder Minute lockten Ablenkungen, großen Erwartungen folgten zuweilen noch größere Enttäuschungen. Mit Überraschungen war ständig zu rechnen. Und zum Glück für alle, gerade die Anwesenden, wird nichts vergessen. Jeder Vortrag lässt sich im Nachhinein anschauen oder zumindest anhören.
Darunter waren auch am dritten Tag etliche Perlen, beispielsweise Laura Dornheims Appell, in den Affektstürmen des Internets das eigene Verhalten genau zu prüfen und bei anderen die Kritik am Verhalten sorgfältig von der Kritik an der Person zu trennen - und überhaupt dosiert mit Kritik umzugehen. Das klingt banal, hätte der Piratenpartei aber den Untergang ersparen können.

Apparate ohne Ethik

Die Ökonomin Sarah Spiekermann warf die Frage auf, weshalb allein die Hersteller über Gestaltung und Funktionsumfang der technischen Geräte bestimmen dürften, obwohl sie das Leben aller mitbestimmen. Man wisse doch, dass in Technologien Werte stets mit einprogrammiert werden. Nur warum schlagen sich darin allein die Kalküle der Unternehmen nieder und nicht auch eine allgemeine Ethik? Der Podcaster Tim Pritlove sprach über die Fortschritte der Entwicklung des Publizierens von Audioinhalten im Internet. Aber eigentlich ging es schon um die Grundlagen eines künftigen Audiowebs.

Der Journalist Moritz Metz sprach über die Orte, an denen das Netz lebt. Derartiges vermisste man in den Weiten der „Station“, wo die Republica veranstaltet wurde. Hof und Halle des riesigen Geländes wurden zum Herumlungern genutzt. Das ist gut so, steht aber in deutlichem Kontrast zu vielem, von dem die Anwesenden sagen, dass es nicht reicht, nur darüber zu reden. Am Ende stand der Blogger Felix Schwenzel auf der Bühne, der mit feiner Ironie darüber sprach, wie er gelernt habe, die Überwachung zu lieben. Diese sei gar kein Problem, sondern eine Normalität des Internets. Wer leide denn? Und worauf verweise überhaupt die Frage, ob wir das alles akzeptieren können? Schwenzel schlug einen Vergleich des Kampfes gegen Überwachung mit dem Kampf gegen Diskriminierung vor fünfzig Jahren in Amerika vor.

Die daraus abgeleiteten, völlig haltlosen Thesen waren sinnbildhaft für den Rahmen, in dem sie aufgestellt wurden. Was die Netzgemeinde für sich in Anspruch nimmt, gilt für die Republica ganz besonders: Es gibt sie eigentlich gar nicht. Es treffen sich nur unzählige Netzmenschen, von denen jeder nachträglich etwas anderes darüber erzählt.

Aber gerade Felix Schwenzel hat den lange fehlenden roten Faden noch gesponnen: Es geht nicht darum, ein Internet zu haben, sondern darum, sich die Freiheit nicht nehmen zu lassen. Dass nun ausgerechnet der auf grenzenlose Unauffälligkeit bedachte Schwenzel die größte Portion Pathos mit zur Republica brachte, zeigte, wie viel Humor und Konstruktivität in Versammlungen wie dieser stecken könnten, wenn nicht die Mehrheit der Besucher allein damit zufrieden wäre, drei nette Tage in Berlin zu verbringen.

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