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Internet-Videoportale Wo Hitler um Michael Jackson trauert

Im Internet haben sich die Fans die Deutungshoheit über die Popkultur erkämpft: Videoportale wie Youtube verzeichnen den Trend zur parodistischen Neu-Synchronisation von bekannten Filmen und Serien - mit zum Teil urkomischen Resultaten.

Captain Jean-Luc Picard vom Föderationsraumschiff Enterprise hat es wahrlich nicht leicht. Geplagt mit einer Crew, die ihn mit ihren bizarren intellektuellen Aussetzern fast minütlich zur Weißglut treibt, steht dem geplagten Kommandanten nun auch noch familiärer Ärger ins Haus: Unangemeldet kommt sein resoluter Siegerländer Vater zu Besuch, um ihn zu einem waghalsigen Moped-Rennen zu überreden. Der einstige Jugendstolz des Sohnes, die „alte Hercules“, steht noch immer funktionstüchtig im heimischen Keller, nur an Benzin fehlt es noch. Das muss aber dringend beschafft werden, denn kurzerhand hat Picard senior seine komplette Rente als Wetteinsatz aufs Spiel gesetzt. Die Parole an den widerwilligen Sohn ist somit klar: „Du musst das Rennen gewinnen“. Denn: Ein Schiff wie die Enterprise könne schließlich jeder fliegen, aber Mopedfahren, das könne nur er gut.

Wenige Stunden später ist der Alte tot, umgekommen bei einem Angriff auf sein Shuttle – und der Captain sieht sich der Pflicht, seinem letzten Wunsch nachzukommen. Gestärkt von einer Extra-Portion „dunkel-schwarzem, kochend-heißem, echt leckerem, extrem schwarzem Kaffee“ nimmt er den Moped-Kampf gegen die extraterrestrische Konkurrenz auf und triumphiert siegreich – nicht zuletzt dank einer eilends entwickelten Spezialformel für synthetisches Benzin. Am Ende nimmt Picard die Glückwünsche seiner Mannschaft entgegen und betrachtet danach gedankenverloren eine alte Spielzeugskulptur, mit deren Bestandteilen er als Kind gerne seine Kameraden bewarf. Unter wehmütiger Folkmusik setzt der Abspann ein.

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Popkulturelle Zweitverwertung

Was sich anhört, als hätten sich Drehbuchautoren des Science-Fiction-Evergreens „Star Trek“ einen heftigen Rausch angetrunken und dann im Delirium zur Feder gegriffen, genießt in Fan-Kreisen längst ähnliche Popularität wie das legendäre Original: „Sinnlos im Weltraum“, Mitte der neunziger Jahre von einigen Siegerländer Amateuren produziert und in der Pionierzeit des neuen Mediums über Tauschbörsen im Internet zu Popularität gelangt, gilt hierzulande als gelungenes Gründungsdokument einer skurrilen Form popkultureller Zweitverwertung - Szenen des Serien-Originals werden neuvertont, die Handlung somit umgeschrieben und durch bizarre Dialoge ins Lächerliche verfremdet.

Fan-Synchros © AP Vergrößern Zauberer Albus Dumbledore (Michael Gambon) lässt es krachen

Innerhalb der letzten zehn Jahre ist ein ganzes Genre des Fandoms aus dieser Trendbewegung entstanden, dem Videoportale, allen voran der Marktführer Youtube, einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Inhalte und Klicks verdanken. Zu fast allen großen Film- und Serienklassikern lassen sich mittlerweile nachsynchronisierte Comedy-Versionen finden, wobei dem Einfallsreichtum der Macher kaum Grenzen gesetzt scheinen. Der neunminütige Clip „Lord of the Weed“ zeigt einen dauerbekifften (Gabber-)Gandalf, der mit den Hobbits zu Techno-Musik abtanzt, „Star Wank“ folgt Darth Vadder (!) auf seiner intergalaktischen Jagd nach einem ominösen Rhabarberkuchen-Rezept und Zauberlehrling Harry Potter muss sich mit geheimen Erotik-Etablissements und Plastikpokalen herumschlagen.

Der Impuls einer zugeneigten Hommage

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