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Internet-Plattform MyVideo : Jünger, wilder und auf Wunsch im Original

  • -Aktualisiert am

Fernsehen auf Abruf, im Internet, und das ganz legal: Bei MyVideo laufen manche Serien, die Pro Sieben Sat.1 in petto hat, zuerst. Klassiker ergänzen das Angebot. Bild: Schader

Pro Sieben Sat.1 ist auf der Höhe der Zeit: Die Tochterfirma MyVideo macht Youtube harte Konkurrenz und wird zum Online-Sender. Erstausstrahlungen sollen für neue Zuschauer sorgen.

          Als Pro Sieben im Frühjahr die amerikanische Gladiatorenserie „Spartacus: Blood and Sand“ zeigte, entpuppte die sich am späten Freitagabend als Publikumshit. Ende Juni folgt der Ableger „Gods of the Arena“ auf demselben Sendeplatz. Wer nicht so lange warten will, kann die neuen „Spartacus“-Folgen schon jetzt ansehen - ohne sich dafür in illegalen Tauschbörsen bedienen zu müssen. Seit Anfang des Monats zeigt MyVideo jede Woche eine neue Episode in voller Länge, wahlweise in der deutschen Synchronfassung oder im englischen Original.

          Vor sechs Jahren als deutsche Youtube-Konkurrenz gegründet, gehört MyVideo seit 2007 zu Pro Sieben Sat.1 und hat seitdem einen erstaunlichen Wandel durchgemacht. Aus der Clip-Plattform, bei der Nutzer ihre eigenen Videos hochladen können, ist eine Art Online-Fernsehen geworden, bei dem sich inzwischen auch mehr als 25.000 Stunden Serien, Filme und Musikvideos abrufen lassen, die mit Werbung finanziert werden.

          Erstausstrahlungen wie „Spartacus“ sollen für neue Zuschauer sorgen. Schon die erste Staffel lief zuerst bei MyVideo, bevor sie zu Pro Sieben kam. Natürlich sei im Haus diskutiert worden, ob man damit der Ausstrahlung im Fernsehen schade, sagt Markan Karajica, Geschäftsführer bei Pro Sieben Sat.1 Digital. „Aber die Erkenntnis aus den bisherigen Versuchen zeigt, dass sich die beiden Wege gegenseitig befeuern.“ Rund fünfzehn Millionen Mal wurden die Folgen der ersten „Spartacus“-Staffel bei MyVideo angesehen, die Quoten bei Pro Sieben waren ebenfalls gut. Karajica sagt: „Offensichtlich sprechen wir da unterschiedliche Nutzergruppen an.“

          Resteverwertung oder Fernsehmuseum?

          Damit reagiert Pro Sieben Sat.1 auf die veränderten Sehgewohnheiten jüngerer Zuschauer, die sich vor allem im Netz unterhalten lassen. Zugleich steckt hinter dem Versuch die Erkenntnis, dass manche Zuschauer mit dem Mainstream-Programm der großen Sender nicht mehr viel anfangen können. „Beim Fernsehen gibt es immer eine Hürde: der durchschnittliche Marktanteil des Senders“, sagt Karajica. „Eine neue Serie muss mindestens diesen Schnitt schaffen, sonst ist sie nicht mehr so interessant für die Ausstrahlung. Das heißt aber ja nicht, dass sie schlecht ist, sondern nur, dass sie eher ein Nischenpublikum anspricht.“ Genau diese Zuschauer kann MyVideo einsammeln - so wie mit der Rockerserie „Sons of Anarchy“, mit der Anfang des Jahres der „Online First“-Test begann.

          Publikumshit: „Spartacus: Blood and Sand“
          Publikumshit: „Spartacus: Blood and Sand“ : Bild: Schader

          Für das laufende Jahr seien drei weitere Premieren geplant, sagt Karajica. Als Nächstes folgt die Serie „American Horror Story“, für welche die Schauspielerin Jessica Lange mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde. Karajica kündigt an: „Bestenfalls haben wir fünf oder sogar sieben Erstausstrahlungen im Jahr auf der Plattform - solange es refinanzierbar bleibt.“ Vor den Videos laufen Werbespots, zwischendrin auch, fast wie im normalen Fernsehen.

          Die meisten Inhalte kommen freilich aus dem Archiv der Sender: „Galileo“ und „Germany’s Next Topmodel“, jede Menge Sat.1-Komödien, aktuelle Folgen von Serien wie „Vampire Diaries“ und „Touch“ im Sieben-Tage-Abruf, aber auch Soap-Klassiker wie „Verliebt in Berlin“. Manche Reihen feiern auf der Seite ihre Wiederauferstehung, so wie die ARD-Vorabendserie „Sophie - Braut wider Willen“ mit Yvonne Catterfeld oder die Pro-Sieben-Seifenoper „Mallorca“. Dazu wurden Klassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Bezaubernde Jeannie“ eingekauft. Die kuriose Mischung lässt sich wahlweise als Resteverwertung sehen - oder als Fernsehmuseum, in dem Sendungen wiederauftauchen, die andernfalls für immer im Keller verschwunden wären.

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