03.09.2010 · Der Berliner Verleger Michael Hahn ist mit seinem Versuch gescheitert, eine tägliche Sportzeitung in Deutschland zu etablieren. Die hinter dem „Sport-Tag“ stehende SIM-Verlagsgesellschaft hat beim Amtsgericht Saarbrücken Insolvenzantrag gestellt.
Von Bernd FreytagDas Verfahren läuft seit Anfang Juli. Nach Recherchen des Mediendienstes Kress verweigerten Mitinvestoren Geld, nachdem die geplante bundesweite Verbreitung der Sportzeitung nicht funktioniert. Insolvenzverwalterin Dominica Wolff sagte auf Anfrage, ein Investor habe nie Geld in die Gesellschaft eingezahlt, die Gesellschaftsanteile der GmbH gehören vollständig Michaels Hahns Mutter. Der Geschäftsbetrieb wird nach Wolffs Worten nicht wiederaufgenommen.
Hahn scheiterte offenkundig an Druck- und Logistikproblemen, zudem sei die unterbesetzte Redaktion in Berlin chaotisch organisiert gewesen. Dienstleister und die nach Wolffs Worten ausschließlich freien Mitarbeiter warten noch immer auf ihr Geld. Die erste Ausgabe habe Hahn noch bezahlt, "auf den Kosten für die zweite sitzen wir noch", zitiert Kress den Geschäftsführer der BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH.
Ähnlich wie "L'Equipe" in Frankreich oder "Gazzetta dello Sport" in Italien wollte Hahn in Deutschland eine tägliche Sportzeitung etablieren. Der Kleinverleger hatte zuvor unter anderem die Billigprogrammillustrierte "nurTV" erfolgreich gegründet und an die WAZ-Gruppe verkauft. Den "Sport-Tag" startete Hahn von Berlin aus im März dieses Jahres mit einer Auflage von 150 000 Exemplaren. Die deutschlandweite Expansion geriet allerdings schnell ins Stocken. Anfang Mai stellte er auf wöchentliches Erscheinen um. Am 16. September treffen sich die Gläubiger in Saarbrücken, um über das verbliebene Vermögen zu befinden.
Bernd Freytag Jahrgang 1967, Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.
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