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Insolvente „Abendzeitung“ : Diese Zeitung gehört zu München

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In München hat man Erfahrung mit arbeitslosen Journalisten

In Münchner Medienkreisen wird allerdings kolportiert, der Verleger Dirk Ippen habe sich einen Lebenstraum erfüllen und sich die AZ einverleiben wollen, doch Geschäftsleute aus seinem Umfeld hätten ihn bearbeitet, es nicht zu tun. Zu riskant sei das Boulevardgeschäft. Zumal auch in der Ippen-Gruppe die Dinge nicht alle rund laufen. Bei einer Betriebsversammlung des „Münchner Merkur“ sei unlängst das Wort „betriebsbedingte Kündigungen“ gefallen, heißt es, was Geschäftsführer Schöningh nicht bestätigen will. Es sei nur eine „Abteilungsversammlung“ des „Merkur“ gewesen, um nach den ersten Tagen der seit Januar amtierenden neuen Chefredakteurin Bettina Bäumlisberger eine Zwischenbilanz zu ziehen, sagt er. „Dabei ist nur gesagt worden, dass die Erträge zurückgehen und wir in Zukunft mit weniger Leuten den gleichen Arbeitsumfang leisten müssen.“ Aus der Redaktion des „Merkur“ ist zu hören, das Wort von der betriebsbedingten Kündigung sei sehr wohl gefallen. „Nicht direkt fürs nächste halbe Jahr, aber doch als verschwommene Aussicht am Horizont und so, dass hier jetzt Unruhe herrscht.“

Nun sind nicht mehr so viele Szenarien denkbar. Man nutzt den Juni, den die AZ-Besitzer über das im Mai auslaufende Insolvenzgeld hinaus ihrer Belegschaft spendiert haben, um kartellrechtliche Bedenken aus dem Weg zu räumen und mit der tz zu verhandeln, aus deren Belegschaft zu hören ist, dass man den viel besseren AZ-Online-Auftritt fürs eigene Haus brauchen könnte. Daniel Schöningh redet die Rechtefrage am AZ-Namen im Übrigen klein: „Die halte ich nicht für bedeutsam.“

Die wenigsten der verbliebenen Redakteure hoffen auf ein Wunder. „Wer schlau war, hat sich etwas zurückgelegt“, sagt einer.

Die AZ-Leser würden potentiellen Anzeigenkunden erhalten bleiben, „denn unserem Wissen nach werden die AZ-Leser nicht zur tz greifen, die verflüchtigen sich einfach, wenn die AZ verschwindet“. Ulrich Buser, der ehemalige Geschäftsführer, der angeblich über ein überzeugendes Konzept verfügt, lässt auf Nachfrage ausrichten, er wolle sich zum Thema AZ nicht äußern. Der Insolvenzverwalter lässt derweil wissen, dass mit einer Entscheidung im Mai nicht zu rechnen sei. Und dass sich weitere Interessenten ins Spiel gebracht hätten.

Für die verbliebenen Redakteure, die sich beinahe ohne freie Mitarbeiter und Fotoredaktion durchschlagen müssen, ist das so gut wie einerlei. Die wenigsten hoffen auf ein Wunder. Ihre Jobs hängen am seidenen Faden. „Wer schlau war, hat sich etwas zurückgelegt“, sagt jemand. Dabei machten die Personalkosten bei der AZ nicht einmal zehn Prozent der Gesamtkosten aus. Und die Druckkosten konnte der Insolvenzverwalter Axel Bierbach senken.

Das Münchner Arbeitsamt indes hat Erfahrung mit arbeitslos werdenden Journalisten. Die Räume von Gruner & Jahr im Münchner Osten, wo auch die SZ ihren Sitz hat, stehen schon gespenstisch leer. Die Reste der „Neon“- und „Nido“-Redaktionen folgen in diesen Tagen den Häuflein von PM und „Eltern“ nach Hamburg. Am 1. August werden acht Blätter der Funke-Gruppe (darunter „TV Piccolino“ und „die 2“), die an die Klambt-Gruppe in Baden-Baden gehen, aufgelöst. Wie es heißt, wechselt nur ein einziger Redakteur in den Südwesten, an mehr sei Klambt nicht interessiert gewesen.

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