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Digitale Staatsbürgerschaft : Algorithmen verleihen jetzt die Staatsbürgerschaft

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Zu wie viel Prozent haben Sie die deutsche Staatsbürgerschaft? Das Kunstprojekt „Citizen Ex“ verrät es Ihnen mithilfe von Algorithmen. Bild: dpa

Das Kunstprojekt „Citizen Ex“ spielt durch, was geschieht, wenn unsere Internetnutzung bestimmt, zu welchem Land wir gehören. Bringt der Algorithmus einen Rückfall ins Klassensystem?

          Wie wäre es, wenn nicht mehr der Staat, sondern ein Algorithmus Menschen ihre Staatsbürgerschaft verleihen würde? Genau das tut die Website Citizen-Ex.com, ein Projekt des britischen Künstlers James Bridle. Normalerweise ist die Staatsangehörigkeit an den Geburtsort einer Person (ius soli) oder ihre Abstammung (ius sanguinis) geknüpft, oder ihr geht eine Einbürgerung voraus. Diesem Konzept setzt Bridle eine „algorithmische Bürgerschaft“ entgegen. Sie gründet allein auf den Datenspuren, die Menschen im Netz hinterlassen.

          „Wie jeder computerisierte Prozess kann das in Lichtgeschwindigkeit geschehen, und es kann immer wieder geschehen“, heißt es auf der Website. Staatsbürgerschaft ist demzufolge kein bleibendes Recht mehr, sondern wird unentwegt neu berechnet. Sie ist nicht mehr statisch, sondern dynamisch. „Citizen Ex“, heißt es, kalkuliere „die algorithmische Bürgerschaft auf der Grundlage dessen, wohin sich jemand online begibt. Jede Seite, die Sie besuchen, wird als Beweis Ihrer Zugehörigkeit zu einen bestimmten Ort gezählt und kontinuierlich auf Ihre algorithmische Bürgerschaft angerechnet. Weil das Internet überall ist, kann man überall hingehen. Und weil das Internet real ist, hat das auch Konsequenzen.“

          Die digitale Staatsbürgerschaft

          Bridle hat ein Plug-in für Browser entwickelt, das die besuchten Websites der Nutzer festhält und nach den jeweiligen Hosting-Ländern – dem Staat, in dem die Domain registriert ist – eine digitale Staatsbürgerschaft errechnet. Man ist also zum Beispiel zu fünfzig Prozent Deutscher, zu dreißig Prozent Amerikaner und zu zwanzig Prozent Ire. Ein echter Kosmopolit. Denn dort, wo unsere Daten sind, sind auch wir. Und je länger wir im Internet unterwegs sind, desto mehr werden wir zu algorithmischen Bürgern.

          Im Internet verliert der Nationalstaat als Identitätsstifter an Kraft. Wir teilen Inhalte rund um den Globus, schließen uns in Clouds zusammen und versammeln uns unter der Flagge Facebooks. Cyber-Cracks camouflieren ihre Identität oder surfen mit falscher IP-Adresse durch das Netz. Das Herkunftslandprinzip gilt nicht mehr.

          Citizen Ex ist nur ein Kunstprojekt, das die Internationalität unserer digitalen Identität illustrieren will. Wir mögen uns zwar deutsch fühlen, doch ein Großteil unserer Existenz ist amerikanisch oder irisch, weil dort die Daten aus sozialen Netzwerken wie Facebook oder Google durchgeleitet und gelagert werden. Diese Fiktion gestückelter Nationalität mag kurios wirken, doch lädt sie dazu ein, Bürgerrechte auszuhöhlen. Hat, wer vierzig Prozent Amerikaner ist, auch vierzig Prozent Rechte? „Die Risiken einer algorithmischen Bürgerschaft sind vielfältig“, sagt James Bridle. „Das vielleicht bedeutendste Risiko ist, dass der Prozess der Verleihung opak ist: Man hat als Individuum kaum eine Vorstellung davon, wann, wo und wie die Berechnung durchgeführt wird, und man hat auch kein Recht auf Anfechtung.“

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