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Neue ZDF-Serie „Professor T.“ : Mit ganz spitzen Fingern

  • -Aktualisiert am

Bald hat er neben der Vorlesung jede Menge praktische Übungen am Hals: Professor T. (Matthias Matschke) Bild: ZDF und Martin Valentin Menke

Ohne Psychologen kommt kein Krimi mehr aus. Beim ZDF wird nun Matthias Matschke als „Professor T.“ eingestellt. Er soll der Polizei in Köln auf die Sprünge helfen. Ob davon auch der Sender etwas hat?

          Es gibt Kollegen, die mehr verdienen, die auf mehr Dienstjahre kommen und mehr von sich hermachen. Über mehr Kompetenz verfügen sie freilich unter Umständen nicht. Eventuell haben sie sogar gar keine. Das ist der Grund, aus dem die junge Kommissarin Anneliese Decker gemeinsam mit ihrem Kollegen Daniel Winter die Kölner Universität besucht. Sie hat es auf Know-how abgesehen, an dem es im Büro mangelt. Mit ihrem Teamleiter, Hauptkommissar Rabe, scheint sich kein Fall mehr lösen zu lassen. Er ist müde, aufbrausend, desinteressiert, ungepflegt und trinkt wie ein Loch.

          Die neue ZDF-Serie „Professor T.“ fackelt nicht lange, um uns die Personenkonstellation der Kriminalinspektion I in Köln zu erklären. Hat Rabe eine Kaffeetasse in der Hand, ist Wodka drin. Anneliese Decker und Daniel Winter gehen miteinander ins Bett. Studiert hat Decker einst bei Jasper Thalheim, Professor für psychologische Kriminologie, den sie nun anheuert. Beim gleichnamigen belgischen Original, welches das ZDF adaptiert hat, heißt der Professor Jasper Teerlinck, die Kommissarin Annelies Donckers.

          Der Professor ist wunderlich

          Dieser Professor ist ein wunderlicher Mann, wie Professoren es in der Fernsehfiktion oft sein müssen. Er hat einen Hygienefimmel, trägt blaue Plastikhandschuhe. Ihn packt die Panik, wenn jemand niesen muss. Im Umgang ist er weder besonders sensibel noch sozialverträglich. Mit anderen Worten: Er ist eine Wiedergänger-Variation des Serienhelden Adrian Monk, mit dem Tony Shalhoub von 2002 bis 2009 einen liebenswert verschrobenen Charakter prägte, der viele Nachahmer fand.

          Die Kommissarin fängt Thalheim nach einer didaktisch raffiniert gestalteten Vorlesung zum Thema „Täter-Identifikation“ ab: Die Studenten rätseln über die Beschreibung eines Täters, der zu Beginn in den Saal stürmt, Thalheims Tasche stibitzt und verschwindet. Zum Fall passt das wie der Holzhammer auf den Pfosten: Decker sucht nach einem Vergewaltiger, den trotz einer Party niemand in das Studentenwohnheim eindringen sah und das Opfer nicht zu beschreiben vermag.

          Weisen sich aus: Die Kommissare Daniel Winter (Andreas Helgi Schmid) und Anneliese Deckert (Lucie Heinze).

          Der Handschuhträger, dem Matthias Matschke komödiantische Züge gibt (die Rolle scheint ihm eher zu liegen als die des Kommissars im Magdeburger „Polizeiruf“), während Lucie Heinze ihre Kommissarin nonchalant anlegt, ziert sich ein wenig, nimmt sich des Falls dann aber an. Seine Skepsis weicht, während er Deckers alte Uni-Arbeit zum Thema „Täteridentifikation bei Sexualdelikten“ studiert, meditativ kniend und von Techno-Bässen umdröhnt.

          Dem Stil und der Figurenaufstellung nach ist „Professor T.“, wie gesagt, an Serien wie „Dr. House“, „Monk“ oder auch „Sherlock“ angelehnt. Bis wir wissen, ob die Reihe solche Qualitäten erreicht, wird es jedoch mehr als die vier Fälle brauchen, die das ZDF im Februar zeigt, und das gilt auch für den Vergleich mit dem erfolgreichen belgischen Vorbild, das inzwischen auf mehr als zwanzig Fälle kommt.

          Schocktherapie: Professor T. (Matthias Matschke) drängt das Opfer Diana Herzog (Marleen Maxeiner), sich an die Tat zu erinnern.

          Der Auftakt jedenfalls wirkt deutlich wie eine Aufwärmübung. Bei der freilich deuten Lucie Heinze und Matthias Matschke schon an, dass sie das Zeug haben, für das ZDF zu werden, was die „Tatort“-Helden aus Münster für die ARD sind: Identifikationsfiguren mit Humorpotential.

          Aber warum hat das ZDF eigentlich nicht einfach das in Antwerpen spielende belgische Original eingekauft? Die schwer ins Programmschema einzupassende Episodenlänge von 52 Minuten habe dagegen gesprochen, heißt es beim ZDF, und die Vorstellung, dass hiesige Figuren in selbstgemachten Serien zur besten Sendezeit am Samstagabend am besten laufen. Wir werden sehen.

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