Home
http://www.faz.net/-gsb-74afb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Im ZDF: „Die Tote im Moorwald“ Ganz allein unter Käuzen

Aus Versehen surreal: Regisseur Hans Horn überlässt in seinem Film „Die Tote im Moorwald“ so gut wie alles dem Zufall. So nimmt denn eine Dorfposse ihren ungefähren Lauf.

© ZDF Vergrößern Sesam öffne dich: Josefine (Maria Simon) pirscht sich vorsichtig an

Schon in den ersten Sekunden tut das Moor seine Schuldigkeit und frisst - junge Frauen. Das tun Moore zwar äußerst selten, aber so viel sei der Mythologie zugestanden. Die Frage ist denn auch vielmehr, vor wem die Dirndl-Dame auf der Flucht war. Man durfte einiges erwarten bei dieser ZDF-Produktion: Der Regisseur, Hans Horn, hat vor sechs Jahren mit „Open Water 2“ einen gnadenlos realistischen Thriller vorgelegt, in dem sich quasi in Zeitlupe inmitten einer paradiesischen Szenerie - ein Badeausflug einer Gruppe von Freunden aufs offene Meer - eine Katastrophe entwickelte.

Diesmal allerdings überlässt Horn alles dem Zufall, und es ist eindeutig zu viel Zufall: „Die Tote im Moorwald“ wirkt derart brachial konstruiert, dass man es fast mit einer Persiflage zu tun zu haben glaubt. An den Haaren herbeigezogen ist schon die stumpf bebilderte Ausgangslage: Josefine (Maria Simon), eine junge Münchner Künstlerin, hat soeben ihre Mutter verloren (steht vor der Urne). In einem Brief an die Tote (aus dem Off verlesen) kündigt sie an, an den Ort zurückzukehren, den die Mutter kurz vor ihrer Geburt schlagartig verlassen hat. Sie müsse endlich herausfinden, wer ihr Vater sei.

Ewig blubbert das Moor

Dieser Ort liegt allerdings um die Ecke, ist mit dem Bus erreichbar: Offenbar kam die junge Dame in den vergangenen Jahrzehnten nie auf die Idee, ihn aufzusuchen. Nun aber mietet sie sich gleich im düstersten Winkel ein, einer verlassenen Molkerei, in der ansonsten nur noch der dubiose alte Kamrad haust, schön zwielichtig gespielt von Franz Xaver Kroetz.

Eine Dorfposse nimmt ihren Lauf: Nichts als Käuze, und alle haben ihr Geheimnis. Dazu gibt es viel Stöckchenknacken im Dunkeln und horrorfilmisches Gerenne durch den Wald. Das Unheimliche nämlich hat diesen Ort im Griff: Kurz vor Josefines Ankunft ist Jessica verschwunden, einige Jahre zuvor schon eine andere junge Frau. Und ewig blubbert das Moor. Die Besucherin und der schrullige Einsiedler Kamrad nähern sich bald einander an, zumal Josefine genau jetzt ihre Zukunftspläne mit dem Arzt Simon (niedlich wie immer: Felix Klare) begraben muss.

Mehr zum Thema

Zuletzt nimmt der Film dann zwar einiges an Fahrt auf, aber das auf Kosten der letzten Reste inhaltlicher Stringenz. Figuren wechseln schlagartig ihre Persönlichkeit, andere wissen plötzlich, was sie zuvor nicht wussten, und mit einem Gläschen Schnaps lässt sich in Sekunden ein Haus in Flammen setzen: ein einziger Effekte-Budenzauber. Schnell ins Moor versenkt, diesen Film. „Er hat es nicht anders verdient“, wie einer der letzten Sätze heißt.

Die Tote im Moorwald läuft am Montag, 12. November, um 20.15 im ZDF.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ang Lee zum Sechzigsten Die Zerbrechlichkeit der Welt

In Taiwan gilt er als Chinese, in China als Amerikaner. Doch zuhause ist er im Kino. Der fremde Blick, der eigene Ton, vermutlich haben sie damit zu tun. Der Filmregisseur Ang Lee wird sechzig. Mehr Von Andreas Kilb

23.10.2014, 07:10 Uhr | Feuilleton
Die Nacht ist mit mir

Rapper Marteria ist bei Germanisten beliebt und hat Texte für die Toten Hosen geschrieben. Ein Gespräch über die junge Generation, Drogen, Diebstahl und Deutsche im Ausland. Mehr

25.07.2014, 09:03 Uhr | Gesellschaft
Kinofilm Northmen Warum wir die Barbaren lieben

Thule ist das neue Athen: Ob Game of Thrones oder Northmen - A Viking Saga - im Film holt der Norden auf. Das Barbarengenre verbindet Hordenwesen mit Edelmut, manchmal auf rührende Weise. Mehr Von Bert Rebhandl

23.10.2014, 10:36 Uhr | Feuilleton
Toter Jugendlicher in amerikanischem Transportflugzeug

Der junge Mann wurde am Sonntag entdeckt. Er hatte sich in einem Fahrwerksschacht der Maschine versteckt, die in Afrika gestartet war. Nun laufen die Ermittlungen Mehr

30.07.2014, 14:24 Uhr | Gesellschaft
Hessischer Filmpreis Törtchen und Trophäen

Festlich, ohne steif zu sein: Zum 25. Mal wird der Hessische Film- und Kinopreis verliehen. Dabei war nicht immer alles so glamourös wie heute in der Frankfurter Alten Oper. Mehr Von Eva-Maria Magel, Frankfurt

12.10.2014, 19:55 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.11.2012, 18:33 Uhr

Notnagel für leere Kassen

Von Andreas Rossmann

In einer Aktuellen Viertelstunde diskutiert der NRW-Kulturausschuss über den Verkauf der Warhol-Bilder. Schon in der Eingangshalle des Landtags wird dem Besucher angst und bange - denn da hängt ja Kunst! Mehr 2