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Im ZDF: „Die Tote im Moorwald“ : Ganz allein unter Käuzen

  • -Aktualisiert am

Sesam öffne dich: Josefine (Maria Simon) pirscht sich vorsichtig an Bild: ZDF

Aus Versehen surreal: Regisseur Hans Horn überlässt in seinem Film „Die Tote im Moorwald“ so gut wie alles dem Zufall. So nimmt denn eine Dorfposse ihren ungefähren Lauf.

          Schon in den ersten Sekunden tut das Moor seine Schuldigkeit und frisst - junge Frauen. Das tun Moore zwar äußerst selten, aber so viel sei der Mythologie zugestanden. Die Frage ist denn auch vielmehr, vor wem die Dirndl-Dame auf der Flucht war. Man durfte einiges erwarten bei dieser ZDF-Produktion: Der Regisseur, Hans Horn, hat vor sechs Jahren mit „Open Water 2“ einen gnadenlos realistischen Thriller vorgelegt, in dem sich quasi in Zeitlupe inmitten einer paradiesischen Szenerie - ein Badeausflug einer Gruppe von Freunden aufs offene Meer - eine Katastrophe entwickelte.

          Diesmal allerdings überlässt Horn alles dem Zufall, und es ist eindeutig zu viel Zufall: „Die Tote im Moorwald“ wirkt derart brachial konstruiert, dass man es fast mit einer Persiflage zu tun zu haben glaubt. An den Haaren herbeigezogen ist schon die stumpf bebilderte Ausgangslage: Josefine (Maria Simon), eine junge Münchner Künstlerin, hat soeben ihre Mutter verloren (steht vor der Urne). In einem Brief an die Tote (aus dem Off verlesen) kündigt sie an, an den Ort zurückzukehren, den die Mutter kurz vor ihrer Geburt schlagartig verlassen hat. Sie müsse endlich herausfinden, wer ihr Vater sei.

          Ewig blubbert das Moor

          Dieser Ort liegt allerdings um die Ecke, ist mit dem Bus erreichbar: Offenbar kam die junge Dame in den vergangenen Jahrzehnten nie auf die Idee, ihn aufzusuchen. Nun aber mietet sie sich gleich im düstersten Winkel ein, einer verlassenen Molkerei, in der ansonsten nur noch der dubiose alte Kamrad haust, schön zwielichtig gespielt von Franz Xaver Kroetz.

          Eine Dorfposse nimmt ihren Lauf: Nichts als Käuze, und alle haben ihr Geheimnis. Dazu gibt es viel Stöckchenknacken im Dunkeln und horrorfilmisches Gerenne durch den Wald. Das Unheimliche nämlich hat diesen Ort im Griff: Kurz vor Josefines Ankunft ist Jessica verschwunden, einige Jahre zuvor schon eine andere junge Frau. Und ewig blubbert das Moor. Die Besucherin und der schrullige Einsiedler Kamrad nähern sich bald einander an, zumal Josefine genau jetzt ihre Zukunftspläne mit dem Arzt Simon (niedlich wie immer: Felix Klare) begraben muss.

          Zuletzt nimmt der Film dann zwar einiges an Fahrt auf, aber das auf Kosten der letzten Reste inhaltlicher Stringenz. Figuren wechseln schlagartig ihre Persönlichkeit, andere wissen plötzlich, was sie zuvor nicht wussten, und mit einem Gläschen Schnaps lässt sich in Sekunden ein Haus in Flammen setzen: ein einziger Effekte-Budenzauber. Schnell ins Moor versenkt, diesen Film. „Er hat es nicht anders verdient“, wie einer der letzten Sätze heißt.

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