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Im Gespräch: Pro-Sieben-Geschäftsführer Thilo Proff Heidi Klum gehört unbedingt dazu

04.06.2010 ·  Pro Sieben ist der Sender, der für die ARD Kärrnerarbeit beim Grand Prix geleistet hat. Was hat der Sender davon? Macht Stefan Raab, was er will? Und wieso ist Heidi Klums Modelshow wichtig? Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer Thilo Proff.

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Herr Proff, langsam legt sich das Lena-Fieber, das spätestens seit dem Finale des Eurovision Song Contest herrschte. Hat davon etwas auf Pro Sieben abgestrahlt? Man konnte meinen, Stefan Raab sei inzwischen bei der ARD.

Thilo Proff: Ich sehe das eher als Dreigestirn: Stefan Raab, das Erste und Pro Sieben. Die Idee zu unserer Zusammenarbeit ist vor über einem Jahr entstanden, und wir haben sie gemeinsam verfolgt. Es ist kein Geheimnis, dass die Musik Stefan Raabs Domäne ist. Was „Unser Star für Oslo“ angeht, hat er in der gesamten kreativen Entwicklung und der Begleitung im Marketing und in der PR die hundertprozentige Unterstützung von Pro Sieben - und der ARD - gehabt. Der Grand Prix strahlt auf alle drei Marken ab. Aus der von Stefan sehr ernsthaft ausgerufenen nationalen Aufgabe ist eine nationale Begeisterung geworden, an der wir alle unseren Anteil haben.

Sie fühlen sich nicht als Steigbügelhalter der ARD? Sie hatten die Vorrunde, das Erste das Finale mit einem Marktanteil von fast fünfzig Prozent. Da hat niemand Pro Sieben geguckt.

Über mangelnde Aufmerksamkeit können wir uns nicht beklagen. Lena wird sehr stark mit der Marke Pro Sieben assoziiert. Dass das Finale im Ersten läuft, das wussten wir vorher. Sie müssen berücksichtigen, dass die Senderechte am Eurovision Song Contest dem Ersten gehören.

Wie soll es mit der Sache weitergehen? Soll Lena Meyer-Landrut wirklich ihren Titel verteidigen? Fänden Sie es nicht bedauerlich, wenn es eine Vorauswahl wie in diesem Jahr nicht gäbe?

Es ist richtig, mit einer neuen Idee an den Start zu gehen. Stefan Raab setzt genau auf die richtige Herangehensweise. Ich habe keine Zweifel an seiner Idee. Denken Sie nur an die Unkenrufe, die es gab, als wir mit „Unser Star für Oslo“ begonnen haben. Und wenn es beim nächsten Mal um Lena und das Lied geht, das sie 2011 vorträgt, heißt das ja nicht, dass wir darauf nicht wieder einen Casting-Wettbewerb abrufen können.

Stichwort Casting: Nächste Woche ist das Finale ihrer anderen Auswahlshow, „Germany's next Topmodel“ mit Heidi Klum. Was diese dort mit jungen Frauen treibt, ist nicht nur bei Kritikern umstritten. Sie zählt für Sie aber offenbar zum festen Repertoire wie Raab.

Absolut. „Germany's next Topmodel - by Heidi Klum“ ist eine von mehreren sehr wichtigen Marken von Pro Sieben. Da haben wir Stefan Raab mit seinen Ideen und Events, Heidi Klum, da sind die „Popstars“, da ist die Pro-Sieben-Comedy, da ist „Galileo“, und da sind die amerikanischen Serien und Blockbuster. Auf diesen Stützen ruht die Marke Pro Sieben, Heidi Klum gehört unbedingt dazu.

Ich bin erstaunt, dass es immer noch junge Frauen gibt, die sich von Heidi Klum umherscheuchen lassen. Denn wer von den Elevinnen wird „Topmodel“? Da erfüllen sich keine Träume.

Das sehe ich anders. Dass es ein Traum junger Mädchen ist, als schön wahrgenommen und bewundert zu werden, steht außer Frage. Und wenn ich mir ansehe, wie die Mädchen an der Verwirklichung ihres Traums arbeiten, habe ich den Eindruck, dass es funktioniert. Die Siegerinnen von „Topmodel“ sind seither sehr gut beschäftigt.

Würden Sie Ihrer eigenen Tochter oder meinethalben Nichte raten, an Heidi Klums Show teilzunehmen?

Ich habe zwar keine eigenen Töchter, aber ich könnte ihnen versichern, dass die Teilnehmerinnen dieser Casting-Show gerecht behandelt werden. Wenn es also der Wunsch einer - nicht vorhandenen - Tochter wäre, sich für Heidi Klums Show zu bewerben, dann würde ich das nicht verhindern.

Und wie ist es mit dem Thema Magersucht? Junge Mädchen, die Heidi Klum nacheifern, können durchaus auf die Idee kommen, das Essen einzustellen. Das ist in Familien und an Schulen ein großes Thema.

Wir achten bei der Produktion sehr deutlich darauf, dass das Thema Ernährung ernst genommen wird. Unsere Teilnehmerinnen werden von einem Arzt untersucht und betreut, Heidi Klum weist immer wieder auf richtige Ernährung hin. Eine schlanke Figur zu haben entspricht aber natürlich dem herrschenden Schönheitsideal. Wir achten darauf, dass es ein Ideal und kein Wahn ist. Ich kann nicht ausschließen, dass es in der einen oder anderen Familie zu Auswüchsen kommt, das liegt aber natürlich nicht nur in der Verantwortung des Fernsehens, sondern auch und vor allem in der Verantwortung der Eltern, ihre Kinder entsprechend zu beeinflussen. Im Übrigen habe ich noch eine Anmerkung zu diesem Thema: Viele Modelagenturen werfen uns vor, dass unsere Mädchen für den internationalen Catwalk nicht die von Designern geforderten Idealmaße haben.

Ich nehme an, mit „Germany's next Topmodel“ geht es also weiter.

Auf jeden Fall. Wir haben den Vertrag mit Heidi Klum um mehrere Jahre verlängert. Wir freuen uns auf viele weitere Staffeln von „Germany's next Topmodel - by Heidi Klum“.

Wie viele Jahre sind das?

Einige. Die nächste Staffel kommt im Jahr 2011.

Wie steht es um die amerikanischen Serien, auf die Pro Sieben seit Jahr und Tag setzt? Ist da Neues in Aussicht?

Wir haben drei erfolgreiche Abende mit amerikanischen Serien, Montag, Dienstag, Mittwoch. Wir werden punktuelle neue Serien und Serienstarts haben. Im Herbst kommt eine neue Staffel von „Vampire Diaries“ im Huckepack mit „Desperate Housewives“. Montags wird in der neuen Saison die Serie „Human Target“ laufen, es gibt eine neue Staffel von „Eureka“ im Sommer. Die großen Erfolgsserien aus Amerika sind meines Erachtens auch bei uns nach wie vor hitverdächtig. „Desperate Housewives“, „Grey's Anatomy“ oder „Fringe“ zum Beispiel. Und die Menge der Erfolgsserien nimmt nicht ab. Inhaltlich treten die Konzept-Serien in den Hintergrund und rücken die Serien, die auf einzelne Charaktere setzen, traditionell erzählen und episodenhaft angelegt sind, wieder vor.

Nochmals zu Stefan Raab: Wie läuft das eigentlich bei seinen Shows? Hat er die Ideen und setzt sie um, und Sie senden, egal was da kommt?

Der Maschinenraum der Ideen liegt schon eindeutig bei Stefan Raab mit den Redaktionen der Produktionsfirma Brainpool - vor allem bei der Crew seiner täglichen Sendung „TV Total“. Über die Ideen, die dort entstehen, wird mit den zuständigen Leuten im Sender diskutiert, das sind bei uns im Haus vor allem Daisy Rosemeyer und Jobst Benthues. Und das funktioniert bestens. Mir fällt ehrlich gesagt kein einziger Flop ein, der aus dieser Zusammenarbeit hervorgegangen wäre. Ein- bis zweimal im Jahr treffen wir uns darüber hinaus mit Stefan Raab - ganz zurückgezogen - zu einem grundsätzlichen Brainstorming. Das ist harte Arbeit, aus der viele gute Ideen entstehen.

Was sagt uns, dass die öffentlich-rechtliche ARD mit einem Programm Monsterquoten macht, das auf der Vorarbeit des Privatsenders Pro Sieben beruht?

Erst einmal, dass es eine sehr gute Zusammenarbeit war. Aber ich glaube nicht, dass eine Zusammenarbeit wie bei „Unser Star für Oslo“ zum Standardmodell wird.

Die Fragen stellte Michael Hanfeld.

Quelle: F.A.Z.
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