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Im Gespräch: NDR-Unterhaltungschef Wir starten von Hannover aus nach Malmö

 ·  Der nächste Vorentscheid zum Eurovision Song Contest kommt aus Hannover: im Februar, vor elftausend Zuschauern, im Ersten, doch ohne Pro Sieben. Auch ohne Lena und Stefan Raab? NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber blickt voraus.

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© Kretzer, Michael Vergrößern Reverenz an Lena: die nächste Vorentscheidungsrunde findet in Hannover statt

Sie bereiten gerade den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest im nächsten Jahr vor. Wie sieht der aus? Es wird jetzt alles anders. Pro Sieben ist weg. Es gibt nur noch einen Sender. Und nur noch eine Show?

Thomas Schreiber: Es gibt eine Show, am 14. Februar 2013 um 20.15 Uhr, und die im Ersten.

Dabei war die Zusammenarbeit mit Pro Sieben doch eigentlich ganz gut.

Die Zusammenarbeit war exzellent, und ich hätte sie gern fortgesetzt. Es stimmt aber auch, dass das Konzept von „Unser Star für Baku“ in der Sache richtig war und den besten Kandidaten hervorgebracht hat, wir aber zu viele Sendungen hatten, die dann zu wenige Zuschauer ansprachen. 2010 war die Zusammenarbeit für Pro Sieben sicher sinnvoll, weil sie Stefan Raab für ein größeres Publikum neu positioniert hat. Er ist nun in der Champions League der deutschen Fernsehunterhaltung angekommen, wo er meiner Meinung nach auch hingehört. Eine Sichtweise könnte auch sein, dass Pro Sieben in Shows investiert hat, deren Finale dann im Ersten lief. Es gilt festzuhalten: Wir haben die Zusammenarbeit nicht beendet, wir haben sie für ein Jahr ausgesetzt. Die neue Show aus Hannover wird dasselbe Team von NDR und Brainpool produzieren, das beim internationalen Finale in Düsseldorf zusammengearbeitet hat. Dass Pro Sieben nicht dabei ist, bedeutet nicht, dass wir nicht mehr mit der Produktionsfirma Brainpool und Stefan Raab zusammenarbeiten.

Sie könnten aber doch nun ganz allein einen Vorlauf mit mehreren Runden machen.

Wir machen ja keine Talentsuche mehr, sondern haben ein neues Konzept. Wir wollen raus aus dem Studio und keine LED-Schlachten mehr schlagen. Es geht um die Musik. Und mit der erreicht man die Menschen am besten dort, wo sie Musik hören - in der Konzertarena. Wir orientieren uns ein bisschen am „Musikfestivalen“ in Schweden. Dafür müssen wir Musiker finden, die sich dem Wettbewerb vor großem Live-Publikum stellen und - die entsprechende Halle.

In einer solchen findet Ihre Show statt.

Ja, in der TUI-Arena in Hannover, also in der Heimatstadt von Lena Meyer-Landrut. Wir sind nach Lenas Sieg in Oslo nach Hannover geflogen. Und jetzt wollen wir von Hannover aus nach Malmö starten. Und abgesehen davon, gibt es in Hannover ein besonders musikbegeistertes Publikum.

Die Hannoveraner als „Feier-Biester“, um Louis van Gaal zu zitieren? Das glaubt kein Mensch.

Fragen Sie doch mal Musiker, Manager oder Konzertveranstalter: Hannover ist ein gutes Pflaster.

Aber ist die Halle nicht ein bisschen groß? Da passen meines Wissens elftausend Leute rein.

Ich finde, das ist eine gute Größe für eine gute Show. Der Kartenvorverkauf beginnt übrigens heute.

Und wer wird sich den elftausend in der Halle und den Millionen vor dem Bildschirm stellen?

 Die Musiker ermitteln wir in einem Verfahren, das sich beim „Echo“ bewährt hat. Wir machen mehrere sogenannte „Line-Up-Meetings“. In dieser Runde sitzen fünf Vertreter von Plattenverlagen - vier von den großen, Universal, Sony, Warner und EMI, und einer für die Independents -, außerdem Jörg Grabosch von Brainpool und ich für den NDR. Unsere Kriterien sind relativ klar: Die Sprache der Songs ist nicht festgelegt, es muss nicht Englisch sein. Und wir wollen das ganze Spektrum zeitgenössischer deutscher Popmusik abbilden. Wir freuen uns auf ein paar namhafte Bands, setzen aber auch auf Newcomer, die die Senkrechtstarter des Jahres 2013 sein können. Insgesamt werden acht bis zwölf Kandidaten teilnehmen, die Namen nennen wir im Dezember.

Klingt nach einer Industrie-Auswahl, bei der Neulinge keine Chance haben.

Da kennen Sie die Vertreter der Labels schlecht. Denen geht es nicht um Hauspolitik, sondern darum, den Song zu finden, mit dem wir den Eurovision Song Contest gewinnen können.

Wie steht es um die Jury und die Moderation des Vorentscheids? Kommt da wieder Stefan Raab ins Spiel?

Die Moderation kann ich noch nicht nennen und die Juroren leider auch noch nicht. Es werden aber fünf sein. Ich würde mich aber auf jeden Fall freuen, wenn Lena - nicht als Kandidatin und nicht nur als Sängerin - am 14. Februar bei unserer Show in ihrer Heimatstadt auch auf der Bühne steht.

Wie wird denn abgestimmt?

Entscheiden werden unsere Hörer, Fernsehzuschauer und die Jury. Wir arbeiten mit neun Hörfunkprogrammen der ARD zusammen, mit den Pop-Wellen Bayern 3, Bremen Vier, 1LIVE, Fritz, HR 3, MDR Jump, NDR 2, SWR3 und SR1 Europawelle. Die spielen in der Woche vor der Show die ausgewählten Songs, und man kann bei ihnen online abstimmen. Hinzu kommen die Stimmen der Fernsehzuschauer und der Jury am 14. Februar. So wird das Votum gedrittelt. In der Show schalten wir zuerst zur Punktevergabe zu den Hörfunksendern und hören dann das Votum der Jury und der Zuschauer.

Und Sie denken, dass Sie mit dem neuen Verfahren wirklich eine Bestenauswahl hinbekommen?

Unbedingt. Der Eurovision Song Contest hat in den letzten Jahren, speziell mit dem Erfolg von Lena, stark an Glaubwürdigkeit gewonnen. Er bringt den Künstlern etwas. Das ist ein Wettbewerb, bei dem mitzumachen sich in jedem Fall lohnt. Mein Vorbild ist, wie gesagt, das über mehrere Runden laufende „Musikfestivalen“ in Schweden. Da ist jeder Song ein Gewinner. Auf dem Weg dahin fangen wir jetzt mit einer Show an, mit „Eurovision Song Contest 2013 - Unser Star für Malmö“.

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