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Im Fernsehen: „Tatort. Das schwarze Haus“ : Da liegt der Hund begraben

Ist der Jäger wirklich immer der Mörder? Das fragen sich Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel). Bild: SWR/Stephanie Schweigert

Eva Mattes beherrscht als Klara Blum den „Tatort“ vom Bodensee. Doch in der jüngsten Folge ist ihre Herrschaft nur eine sanfte Diktatur - zum Glück.

          Im Halbdunkel liefern sich ein älterer Mann und eine junge Frau ein Handgemenge. Es wird dunkel, der Mann geht mit einer Taschenlampe suchen, über den Hof, bis er die herausgedrehte Sicherung findet. Er schraubt sie ein und – fliegt in die Luft.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          „Frau Blum!“ ruft der Adlatus Perlmann, der längst Hauptkommissar ist, als er ganz selbstverständlich durch das Haus seiner Chefin geht. Ihr sind seine Anrufe entgangen, weil sie draußen am Ufer des Bodensee von ihrem Boot aus angelt. Als die Kommissare am Ort der Tat anlangen, liegt abseits der Leiche ein toter Hund. Dass der Hund mit zur Obduktion kommt, ordnet Klara Blum an, einfach so. Kein Hahn wird später nach dem Hund krähen. Dass der Hund immer irgendwo begraben liegt, bedeutet das nur; es entspricht Klara Blums Methode.

          Ein feines künstlerisches Zentrum, die „Kulturfabrik e.V.“, hat sich am Bodensee angesiedelt. Der Tote, ein Maler, gehörte zum Vorstand. Als Klara Blum klingelt, in Anglermontur, wird sie vom Vereinsmitglied Patrick Jeschke (Michael Kausch) für die neue Küchenhilfe gehalten. Das ist eine Pointe von hohem Witz, die sich Eva Mattes in in ihrer Rolle glatt selbst ausgedacht haben könnte. Nun treten vor ihr im Kulturcafé, wie auf einer Bühne, einige der dramatis personae auf, und die Misskennung ihrer Person lässt Klara Blum erste Witterung aufnehmen. Die spröde schöne Susanne Gauss (Annika Blendl), die im Café arbeitet, erweckt ihr Interesse. Wie herrisch die Galeristin Simone von Sallari mit dem offenbar heruntergekommenen Komponisten Thomas Backhausen (Stephan Kampwirth) umspringt, fällt Klara Blum auf. Endlich sagt sie, wer sie ist.

          Der Killer ist ein Serienmörder

          Mit dem hochfahrenden Erfolgsautor Ruben Rath (Hannes Jaenicke), der den ermordeten Maler fand, hat Klara Blum ein weiteres Vorstandsmitglied im Visier. Rath denkt sich für seine Krimis feinsinnige Mordmethoden aus. Schon bevor Simone von Sallari von einem angesägten Hochsitz in die starrenden Zinken einer Egge stürzt, ahnt Klara Blum das Muster: Der Killer benutzt Ruben Raths Bücher als Vorlage. Es wird wohl ein Serientäter sein. Bleibt zu klären: Wer ist das nächste Opfer und warum? Abgearbeitet sind inzwischen die Titel „Unter Strom“ und „Auf Messers Schneide“, noch offen sind „Himmelwärts“ und das Methode aus dem Buch, an dem Rath gerade schreibt.

          „Das schwarze Haus“ ist ein „Tatort“ von konservativem Whodunnit-Zuschnitt. Seelenruhig laufen die Ermittlungen trotzdem nicht. In den Nebensträngen spiegeln und brechen sich die Charaktere aller Beteiligten. So wirft Ruben Raths Sohn Ferry, der unter dem Asperger-Syndrom leidet, ein bezeichnendes Licht auf seinen Vater zwischen Fürsorge und gekränkter Eigenliebe. Dass Ferry (Jonathan Müller) der heimliche Freund der attraktiven Susanne Gauss ist, lädt die Geschichte zusätzlich auf – und führt zu einer der besten Szenen, wenn die Kommissarin Susanne regelrecht droht, auf dass diese ihr Geheimnis der ersten Mordnacht preisgebe. Susanne bleibt bei ihrer Weigerung, und Klara Blum sagt nur:„Das muss ja ein Klassemann sein.“

          Die Ermittler bitten zum Paartänzchen

          Sie selbst hat zum Flirten diesmal wenig Chancen; denn selbst sie, auch darin durchaus ein Profi, kann kaum Spannung aufbauen zwischen sich und dem maskenhaften Ruben Rath. Es ist Ferry, der seinem Vater die entscheidende Frage stellt, erstaunlich genug aus der Perspektive seiner autistisch beschränkten Gefühlswelt: „Wer bringt all diese Menschen um? Wem hat man so weh getan, dass er so ausrastet?“ Das klingt arg gut gemeint vom Drehbuch und Regisseur (beides: Thomas Bohn), ist aber auch wirklich gar nicht so schlecht gedacht, wie sich zeigen wird.

          Die „Tatort“-Krimis sind von den Paartänzen ihrer Ermittler geprägt. Auch das Duo am Bodensee hat seine Rituale gefunden. Kai Perlmann (einfach klasse: Sebastian Bezzel) sagt immer noch „Sie“ zu Klara Blum, die ihn ihrerseits duzt. Nähe zwischen den beiden stellt sich nicht auf der Sprachoberfläche her, die Verständnisebene liegt tiefer. Im aktuellen Film „Das schwarze Haus“ Fall wird das in einem entscheidenden Moment klar: Klara Blum spricht Ruben Rath gegenüber, nicht ohne Schärfe, das Wort „angeordnet“ aus. Da neigt sich Kai Perlmann schon dem zwielichtigen Autor als ihr Alter Ego gleichsam zu und erläutert, was das heißt – Gefahr im Verzug. Wie recht er damit hat, wird sich dann zeigen. Und einmal mehr ist Eva Mattes als Klara Blum das Herzstück am See. Aus ihrem sanft diktatorischen Kraftfeld gibt es kein Entrinnen.

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