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Im Fernsehen: „Tahrir 2011“ : Gut und Böse und die Politik

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Wo alles seinen Anfang nahm: Schon ist der Tahrir-Platz ein Gegenstand für Dokumentarfilmer Bild: WDR

Der WDR zeigt die Dokumentation „Tahrir 2011“ vom Beginn des Aufstands. Sie schildert den Freiheitskampf aus der Perspektive der Demonstranten - und der Sicherheitskräfte.

          Es ist wohl die bekannteste Szene der arabischen Revolution: Mutige Ägypter besetzen einen gepanzerten Wagen der Staatssicherheit, schwenken Landesflaggen und fahren jubelnd durch die Menge. Eine andere Einstellung zeigt einen entschlossen wirkenden Mann, der eine Patrone aus einem Gewehr der Sicherheitskräfte in die Kamera hält. „Wir sind ihnen hinterhergerannt. Da haben sie die Waffen weggeworfen und haben sich davongemacht wie die Straßenköter“, erzählt er wütend. „Seit dreißig Jahren werden wir von einem Tyrannen beherrscht. Es ist an der Zeit, dass Husni Mubarak abtritt.“

          Es sind Begebenheiten vom Tahrir-Platz in Kairo, welche die Dokumentation von Tamer Ezzat, Ayten Amin und Amr Salama zusammenfasst. Die Autoren waren selbst am Aufstand beteiligt. Sie kombinieren Amateurvideos mit Augenzeugenberichten, lassen Sicherheitskräfte zu Wort kommen wie Berater des gestürzten Husni Mubarak. Dabei scheint den Filmemachern wichtiger gewesen zu sein, die Revolution zu dokumentieren als die Hintergründe zu analysieren.

          Im selbstgebastelten Schutzanzug

          Der Film gliedert sich in drei Teile, die plakativ mit „die Guten“, „die Bösen“ und „der Politiker“ überschrieben sind. Das erste Drittel des Films ist am packendsten. Die Filmemacher vereinen Handy-Aufnahmen mit Augenzeugenberichten und stellen den in wenigen Tagen entstandenen Mikrokosmos der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz dar. Ein Aktivist der Muslimbruderschaft, eine Ärztin, ein Fotojournalist erzählen. Anfangs demonstrieren sie unorganisiert, doch dann geht es um den Sturz Mubaraks. Es entsteht eine Gemeinschaft, in der jeder beiträgt, was er kann. Bald gibt es Notlazarette. Andere besorgen Lebensmittel. Ein Paar heiratet sogar auf dem Platz und wird zum Symbol der Hoffnung.

          Doch der Film zeigt auch die exzessive Gewalt, mit der Sicherheitskräfte auf Demonstranten losgehen. Verwackelte Amateurvideos lassen den Zuschauer die Gefahr unmittelbar nachfühlen. Doch die Ägypter wussten sich auch zu schützen. Ein junger Mann erzählt, wie er sich einen Schutzanzug bastelte, der ihm das Leben rettete. Die Sicherheitskräfte kommen im zweiten Teil der Dokumentation zu Wort. Offen sprechen sie über Befehle, friedliche Demonstranten auseinanderzutreiben, und die beim Geheimdienst gängigen Methoden, Menschen zu foltern oder verschwinden zu lassen.

          Der letzte Abschnitt des Films zeigt etwas unpassend-satirisch, wie Mubarak zum Diktator wurde: Er passte die Gesetze zu seinen Gunsten an, manipulierte die Medien, erschuf einen Kult um seine Person. Leider gliedert der Film diese Ereignisse nicht. Es bleibt bei den unmittelbar wirkenden Bildern vom Beginn des arabischen Aufstands, von dem man inzwischen nicht mehr weiß, was von ihm bleiben wird.

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