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Im Fernsehen: „Suits“ Wofür hat man sonst Jura studiert?

 ·  So muss der moderne Anwalt sein: Die Serie „Suits“ zeigt fiese Schnösel in feinem Zwirn. Hier ist das Büroleben alles und die Arbeit nur Nebensache.

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© Fox Vergrößern Kanzleigrößen: Gabriel Macht und Patrick J. Adams sind in „Suits“ ein Team

Das waren noch Zeiten, als Anwälte für das Recht ihrer Klienten und die Gerechtigkeit im Allgemeinen kämpften. Inzwischen wirken Juristen mit edleren Motiven vorgestrig. Heute nennen sie sich „Closer“, Geschäftsabschließer, und gebärden sich wie die Finanzhaie von der Wall Street: smart, megacool, supersexy und geltungssüchtig. So einer ist Harvey Specter (Gabriel Macht) aus „Suits“: ein arroganter Zocker und gewiefter Machtmensch, der ein gläsernes Penthouse über der Skyline von New York bewohnt und sich für den attraktivsten Anwalt der Stadt hält.

Weshalb ihm auch ganz schlecht wird, als er durch die Tür die Anwärter für den Assistenzposten beäugt: lauter Langweiler von der Uni. Aber dann kreuzt doch noch ein interessanter Kandidat auf: Mike Ross (Patrick J. Adams), ein liebenswerter junger Schwerenöter mit fotografischem Gedächtnis, der für andere Leute Prüfungen besteht, seit er aus dem Jurastudium flog. In Harveys Büro landet er zufällig - auf der Flucht vor Drogendealern, mit deren Geld er die Pflege seiner Großmutter finanzieren will. Und auch wenn Mike hiermit allzu plakativ als guter Kerl mit ehrlichen Motiven eingeführt wird, kommt so ein Team für eine clevere Serie zusammen, die geschickt auf einem schmalen Grat zwischen Drama und Komödie balanciert.

„Suits“ ist nicht nur interessant, weil Mike fortan zu beweisen sucht, dass Harvey gar nicht der kaltschnäuzige Kerl ist, als den er sich ausgibt, sondern weil der Fall der Woche Hintergrundmusik bleibt. Stattdessen geht es um die komplizierten Beziehungen zwischen den Mitarbeitern der Kanzlei. Harvey ist von Mikes Fähigkeiten derart beeindruckt, dass er dessen mangelnde juristische Qualifikation schlicht unterschlägt und damit seine eigene Anwaltszulassung riskiert.

Harveys Chefin und Mentorin Jessica (Gina Torres), deren Protektion für seine Karriere so maßgeblich ist wie sein Talent, ahnt, dass Harvey undurchsichtige Spielchen betreibt und droht, ihm die Unterstützung zu entziehen. Der eifersüchtige Juniorpartner in der Kanzlei, Louis Litt (Rick Hoffman als süffisantes Ekel), intrigiert hauptberuflich gegen Harvey, von dem er sich ausgebootet fühlt, und sucht auch Mike nach allen Regeln der Kunst einzuschüchtern. Und Mike muss Harvey das Versprechen geben, alle Kontakte in die Welt der Betrügereien zu kappen und sich zum Zeichen seines neuen Lebenswandels einen teuren, maßgeschneiderten Anzug zuzulegen.

„Suits“ steht ironisch für den edlen Zwirn, mit dem die Figuren ihren Status im Dominanzgerangel behaupten. Freilich ist der Begriff auch ein Pejorativ für Wichtigtuer aus den oberen Etagen, und dass sich die von Aaron Korsh (er schrieb unter anderem für „Alle lieben Raymond“) konzipierte Serie selbst nicht allzu ernst nimmt, ist ein großes Plus. Harveys eingebildetes Joker-Grinsen steht im amüsanten Kontrast zu Mikes unerschütterlichem Glauben an das Gute im Menschen, und dass sie beide gewiefte Trickser sind, erlaubt der Serie abstruse Schlenker. Amüsant ist sie in jedem Fall.

Suits läuft montags, 21 Uhr, beim Abokanal Fox.

Quelle: F.A.Z.
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