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Im Fernsehen: „Laconia“ : Ein großer Film wird weichgezeichnet

September 1942: Zweihundert Mann Besatzung vermutete der deutsche U-Boot-Kommandant Werner Hartenstein an Bord der „Laconia“, es waren aber 2700 Menschen Bild: ARD Degeto/SWR/Teamworx/rise fx

In Großbritannien war der Fernsehzweiteiler über den Untergang der „Laconia“ ein großer Triumph. Die deutsche Fassung, die das Erste nun zeigt, kann da nicht mithalten. Sie ist so zäh wie didaktisch.

          Dass die unglaubliche Geschichte vom Untergang der „Laconia“ nach sieben Jahrzehnten des Aufgrundliegens nun endlich von englischen und deutschen Produzenten filmisch geborgen wurde, ist ein Glück für den Fernsehzuschauer. Die Engländer waren nach der Ausstrahlung des Zweiteilers im Januar geradezu euphorisch. Der Kritiker der „Times“ fand den Film „besser als ,Titanic’“, der „Independent“ ihn „wirklich ergreifend“, alle priesen die eigens für diese Produktion ins Fernsehgeschäft zurückgekehrte Drehbuchlegende Alan Bleasdale, und die „Sunday Times“ wusste plötzlich wieder, wofür Fernsehgebühren gut sind.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Wer sich darüber hinaus bei den Dreharbeiten in Südafrika ein Bild von der glänzenden Stimmung der internationalen Crew unter der Regie von Uwe Janson hatte machen und das vielversprechende englische Drehbuch hatte studieren können, erwartete nicht weniger als ein Fernsehereignis. Wie würde sich Ken Duken in seiner ersten großen internationalen Hauptrolle als U-Boot-Kommandant Werner Hartenstein behaupten, wie Franka Potente bei einem ihrer seltenen Fernsehauftritte ausnehmen? Welchen Ausgleich würde die von deutsch-englischen Gegensätzen, aber auch von einer verbindenden Humanität geprägte Handlung finden?

          Geschichtslektion im weichgezeichneten Degeto-Stil

          Doch die Vorfreude weicht beim Anschauen der deutschen Filmfassung schnell der Ernüchterung. Bleasdales kunstvoller Beginn mit einer Bestattung auf offener See, welche die kommende Handlung meisterhaft grundiert, ist nach hinten verschoben. In der Einstiegsszene werden wir nicht von Werner Hartenstein, sondern von Hilda Smith (Franka Potente) in Empfang genommen, einer von den Nazis verfolgten Deutschen. Mit falschen Dokumenten gedenkt sie auf dem Transportschiff „Laconia“ über Ägypten und Kapstadt nach England zu fliehen und hebt beim Verbrennen ihres deutschen Reisepasses zu einem inneren Monolog an, in dem alles, was sich später ohnehin noch zeigen wird, vorwegnehmend erklärt wird. Wir wissen jetzt genau, wer sie ist, was sie vorhat und wo Rommels Armee gerade steht. Dafür ist aber auch das Geheimnis der Figur verschwunden, die Potente durch ihr wortloses Spiel eigentlich gekonnt in der Schwebe hält.

          U-Boot-Kommandant Werner Hartenstein (Ken Duken) wird nicht schlau aus der angeblichen Britin Hilda Smith (Franke Potente) Bilderstrecke

          Zu allem Überfluss ist in die Anfangsszene auch noch eine milchig leuchtende Rückblicksequenz eingearbeitet worden, in der Hilda eine Gestapo-Verhaftung auf offener Straße mit ansehen muss - eine Geschichtslektion im weichgezeichneten Stil der einschlägigen ARD-Degeto-Schmonzetten. Dann erst kommt die Seebestattung an die Reihe, in der sich Hartenstein aber nicht mit der lakonischen Bemerkung „Keine Worte“ begnügt, sondern seinerseits zu einem wortreichen inneren Monolog anhebt: „An diesem kalten Sommermorgen ...“

          Die Verstimmung vergrößert sich durch die kaum nachvollziehbar schlechte Synchronisation, die oft blechern klingt und gehörig asynchron ist, und zwar nicht nur in den englischsprachigen, sondern auch in den offenbar zumindest teilweise nachbearbeiteten deutschen Passagen, was sonderbarerweise dazu führt, dass Nikolai Kinski in einer Nebenrolle mit der Stimme eines viel älteren Mannes, jedenfalls nicht mit seiner eigenen, zu vernehmen ist. Diese Produktion hat 13 Millionen Euro gekostet - und es war nicht möglich, eine Nebenrolle ordentlich zu synchronisieren. Immerhin erweist sich die historische Handlung als im Kern unverwüstlich. Die beiden so unterschiedlichen Wasser-Gefährten „Laconia“ und das U-Boot 156 kommen sich unausweichlich näher, bald wird es zum Zusammenstoß vor der westafrikanischen Küste kommen.

          Die Puzzle-Teile passen nicht

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