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Im Fernsehen: „Injustice“ : Gegensätze sind aller Laster Anfang

  • -Aktualisiert am

Der Anwalt William Travers (James Purefoy, li.) und der stets genervte Polizist Mark Wenborn (Charlie Creed-Miles) haben mehr miteinander zu tun, als ihnen lieb ist Bild: Travers Productions/ITV/Des Willie

Arte profiliert sich als Seriensender: Der britische Fünfteiler „Injustice“ nährt das Misstrauen in den Menschen. Ein gelungenes Spiel mit Geheimnissen und Gegensätzen.

          Er ist ein Mann fast ohne Eigenschaften. Der Polizist Mark Wenborn ist einfach nur genervt von seiner Frau, seinem Baby, seinen Kollegen, Vorgesetzten, von den Verdächtigen, Zeugen und Opfern, mit denen er es täglich zu tun bekommt. Aber trotzdem, oder gerade deshalb, gehen seine Ermittlungsarbeiten erstaunlich gut voran. Ihm wohnt das Talent inne, ganz ohne Ambitionen und zuweilen auch ohne Regeltreue Ziele zu erreichen. Er denkt augenscheinlich über nichts tiefgründig nach, die Schlussfolgerungen ergeben sich aber trotzdem.

          Die Hauptrolle spielt der von Charlie Creed-Miles verkörperte Wenborn in „Injustice“ allerdings nicht. Er fällt nur besonders auf, weil er zu allen anderen Figuren der fünfteiligen Miniserie einen radikalen Gegenentwurf darstellt. Denn in der Welt, die Drehbuchautor Anthony Horowitz beschreibt, geht es fast ausschließlich um Interessen und Konflikte, innere wie äußere, die aus ihnen erwachsen, die in Verbrechen und Lügen münden und Reue und Rache zur Folge haben.

          Ein Unterschied, der leicht verschwimmt

          Betroffen davon sind alle, insbesondere aber der Anwalt William Travers (James Purefoy), der mit seiner Frau Jane (Dervla Kirwan) gerade erst die Balance im Leben zurückgewonnen hat. Mit ihr wohnt er im ruhigen Ipswich, nahe Englands Ostküste, weit weg von London, wo er zur Legende wurde, wo ihm aber auch Schreckliches widerfuhr, so dass er sich für die Provinz entschied, Mandate in Mordfällen konsequent ablehnt und lange Spaziergänge mit dem Hund am Strand unternimmt, manchmal mitten in der Nacht. Die zu Beginn ausbleibenden Antworten auf all die Fragen, die sich zwangsläufig stellen, sind das, was Regisseur Colm McCarthy neben dem englischen Landleben in Szene setzt, wenn die eigentliche Geschichte beginnt. Denn Travers wird nach London zurückkehren, auch gegen den Widerstand seiner Frau, die gute Gründe dafür hat, diese Entscheidung mittreffen zu dürfen, und es wird für Travers nicht nur eine Rückkehr sein, sondern gleichsam auch wieder eine Flucht.

          „Injustice“ ist ein gelungenes Spiel mit Geheimnissen und Gegensätzen. Sie liegen schon im Kontrast der Londoner Glasfassaden zu hölzernen Strandhütten, in dem Widerspruch zwischen Williams Beruf als Anwalt und Janes Tätigkeit als Lehrerin im Jugendknast und selbst in gegensätzlichen persönlichen Vorlieben. William hat ein intuitives Verständnis für das Recht, seine Frau ein Faible für Literatur. Die Widersprüche und Anziehungskräfte, die der Film zeigt, die sich nicht von selbst ergeben, sondern geschickt inszeniert sind, ohne aufdringlich zu wirken, bereiten wirkungsvoll darauf vor, worum es den Filmemachern letztlich geht.

          Der eigentliche Konflikt liegt nämlich im Unterschied von Recht und Unrecht und verschwimmt allzu leicht, wenn es um konkrete Personen geht. Im Resultat ist nämlich kaum noch zwischen Tätern und Opfern zu unterscheiden. Der Name der Serie fasst es abstrakt: Unrecht. Für die Protagonisten geht es aber um Schuld und Mitschuld. Dass all das bei Arte behandelt wird, soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei „Injustice“ um mitreißende Unterhaltung handelt.

          Injustice beginnt an diesem Donnerstag um 20.15 Uhr bei Arte.

          Quelle: F.A.Z.

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