Home
http://www.faz.net/-gsb-6y0d2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Deutsches Weininstitut

Im Fernsehen: „Die Wanderhure“ Ich brauche eine Ausbildung

Die Wanderhure ist wieder da. Millionen von Zuschauern soll sie Sat.1 bescheren. Doch nur wer Alexandra Neldel als „Conan der Barbar“ sehen will, ist hier richtig.

© SAT.1 Vergrößern Nicht ohne mein Schwert: Wanderhure Marie (Alexandra Neldel) auf der Suche nach Opfern

Fast zehn Millionen Zuschauer können nicht irren? Sie können. Jedenfalls die 9,87 Millionen, die vor zwei Jahren „Die Wanderhure“ bei Sat.1 sahen und dafür sorgten, dass dies der (neben einem WDR-„Tatort“) erfolgreichste Fernsehfilm 2010 war, er erreichte einen Marktanteil von 31,3 Prozent. Die schiere Masse musste Sat.1 zu einer Fortsetzung verleiten. Sie läuft heute Abend und trägt den Titel „Die Rache der Wanderhure“. Teil drei ist schon in Planung.

Michael Hanfeld Folgen:  

Zehn Millionen Zuschauer abermals könnte der gebeutelte Sender Sat.1, der bei den jüngeren Sehern gerade unter die Marktanteilsgrenze von zehn Prozent gerutscht ist, sicherlich gut gebrauchen - zehn mal zehn. Die Freunde eines auch nur mit irgendeinem Anspruch behafteten Fernsehens sollten ihr Heil heute trotzdem auf irgendeinem anderen Kanal (nicht RTL) suchen oder sich fernsehfrei nehmen. Denn in diesem Film gibt es nichts, angefangen beim Titel, was nicht unfreiwillig komisch wäre. Wobei sich die Komik auf dem Niveau der Angela-ist-ein-Frosch-Witze eines Philipp Rösler abspielt.

Eine emanzipierte Frau

Marie (Alexandra Neldel), besagte „Wanderhure“, ist nun Burgherrin an der Seite des Michel Adler von Hohenstein (Bert Tischendorf). Und diesem macht sie in einer der ersten Szenen gleich klar, woran er ist - an einer emanzipierten Frau, die ganz und gar heutige Texte aufsagt. „Die Zeiten ändern sich, eine Frau braucht eine Ausbildung“, sagt Marie, da sie den Gatten beim Schwertkampf bezwingt - eine coming-of-middle-age-story sozusagen. Ihre Freundin raunt Maries Töchterchen derweil ins Ohr: „Siehst du, wie dein Vater gezähmt wird?“ Den Gezähmten ruft gleichwohl der Kampf („Ich will nicht, dass du gehst.“ „Ich muss, es ist Krieg.“), in den bald aber schon auch die „Wanderhure“ verstrickt ist, zwischen allen - das sind in diesem Fall drei - Fronten, und gejagt vom Großinquisitor des Papstes (Julian Weigend), einem hysterisch kreischenden Mann mit Ledermaske, der mit Marie noch eine heiße Rechnung offen hat und sie entweder „besitzen“ oder gerichtet sehen will.

Mehr zum Thema

„Der Körper dieser Frau ist eine offene Pforte zur Hölle“, will der Inquisitor dem gutmütigen König Sigismund (Götz Otto) weismachen. Der aber hört doch lieber auf die Einflüsterungen der attraktiven und stets wohlgeschminkten Äbtissin Isabelle de Melancourt (Esther Schweins), die sich dafür am Ende auf sehr spezielle Weise erkenntlich zeigt.

So geht es hin und her, über Stock und Stein, durch Wald und Flur („Wo finde ich das Lager der Königlichen?“ „Immer dem Geruch der abgehackten Arme nach!“), durch Federbetten und über Heuböden. Maries geliebter Michel bekommt einen Kopfschuss ab, verliert sein Gedächtnis, wendet sich einer anderen zu, währenddessen wird die Gattin beinahe erhängt, dann aber zur Jeanne d’Arc und Stifterin des großen Religionsfriedens. Den komplottschmiedenden Papstübling derweil richtet ein Bataillon bogenschießender Nonnen.

Wieder unterwegs: Die Rache der Wanderhure ist sicher © dpa Vergrößern Wieder unterwegs: Nichts ist so gewiss wie die Rache der Wanderhure

Das ist natürlich der reine Nonsens, schlecht gespielt dazu, die größte Mühe der Schauspieler dürfte darin bestanden haben, bei den ihnen aufgegebenen Sentenzen nicht loszuprusten, von einer Regie (Hansjörg Thurn) möchte man bei diesem fünf Millionen Euro teuren Werk nicht sprechen. Dem Autorenehepaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath, deren „Wanderhuren“-Reihe sich millionenfach verkauft und die mit dem Buch „Die Kastellanin“ die Vorlage geliefert haben, hat indes gefallen, was sie von dem Film gesehen haben: „Unsere Augen wurden immer größer. Wir sahen Bilder von einer ungeheuren Wucht und so emotional, dass Iny die Tränen kamen und es mir kalt den Rücken hinunterlief.“ Bei diesem Fernsehfilm kann es einem allerdings auch aus anderen Gründen kalt den Rücken runterlaufen.

Die Rache der Wanderhure, 20.15 Uhr, bei Sat.1

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.02.2012, 16:14 Uhr

Uli Hoeneß macht einen fatalen Spielzug

Von Jochen Hieber

Für „hervorragende Verdienste“ um den Freistaat und das Volk wird der Bayerische Verdienstorden verliehen. Uli Hoeneß erhielt ihn 2002. Jetzt schickt er ihn zurück. Das zeugt von wenig Sachkenntnis und ist symbolisch fatal. Mehr 78 80