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Im Fernsehen: „Die Bombe“ Und die Welt wird vernichtet? So ist es

29.07.2009 ·  Seit die Atombomben nicht mehr zwischen zwei feindlichen Blöcken verteilt sind, ist die Lage unübersichtlich, aber kaum weniger bedrohlich: Claus Kleber und Angela Andersen beleuchten in ihrem Film „Die Bombe“ um 22.45 im ZDF die globale atomare Bedrohung mit spektakulären Recherchen.

Von Michael Hanfeld
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Es ist ein Countdown der anderen Art: Kinder aus aller Welt zählen von zehn bis eins herunter. Dazwischen steigen Raketen in den Himmel und Pilzwolken, wie sie bei einem Atombombenabwurf entstehen. Darum geht es in der Dokumentation von Angela Andersen und Claus Kleber - um „Die Bombe“, um die atomare Bedrohung, die aus den Schlagzeilen verschwunden, aber seit dem Ende des Kalten Krieges angestiegen ist. Die Doktrin der Abschreckung besagte, dass, wer einen Atomkrieg beginnt, als Zweiter stirbt. „Todsicher“, wie Kleber sagt. Eine perverse Logik kollektiver Selbstvernichtung verbarg sich dahinter, die englische Abkürzung dieser Gefechtslage drückt es aus: „Mutually Assured Destruction“. Es ist „MAD“, also verrückt.

Doch war und ist dies eine Verrücktheit, die auf einer Ratio gründet, so dass Henry Kissinger, wie er im Interview mit Kleber sagt, zu Zeiten des Kalten Krieges keine schlaflosen Nächte hatte. Jetzt hat er sie, denn jetzt verfügt ein Dutzend Länder über die Bombe. Ein hinfälliger Staat wie Pakistan, der im Nu eine Taliban-Revolte erleben könnte, hat sie, ein Potentat wie Mahmut Ahmadineschad will sie. Denn die Bombe verheißt Macht, Prestige und Einfluss, wie Mohammed el Baradei, der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, sagt. Da hilft nur internationale Abrüstung, mit der die Großmächte beginnen müssen, wollen sie den Staaten, die nach der Bombe gieren, plausibel machen, es sei besser, auf sie zu verzichten.

Sicher vor wem?

Claus Kleber und Angela Andersen haben eine Weltreise unternommen, um den Zuschauern derlei Zusammenhänge vor Augen zu führen. Und es ist ziemlich spektakulär, dass sie die amerikanische Atomwaffenzentrale in Malmstrom, Montana, ebenso - von innen - zu sehen bekamen wie den russischen Atomstützpunkt bei der Stadt Mirny, was übersetzt „friedlich“ bedeutet. In Islamabad besucht Kleber derweil die Gemeinde der Roten Moschee, deren Führer vor zwei Jahren die Scharia ausgerufen und deren Studenten sich eine dreitägige Schlacht mit Sicherheitskräften geliefert hatten. Das war für die Taliban eine Probe aufs Exempel, eine Machtprobe, die sie wahrscheinlich jederzeit und an jedem Ort in Pakistan wiederholen könnten. Der ehemalige Geheimdienstchef Hamid Gul ist dennoch überzeugt, dass die pakistanischen Atombomben „sicher“ sind. Die Frage ist nur, vor wem.

Gul unterhält zu den Taliban beste Beziehungen, bei einem Umsturz, meint er, werde sich die Nation nicht spalten, die Menschen seien sich einig im Kampf gegen den Westen, gegen die Vereinigten Staaten und gegen Europa. An diesem Punkt, das macht der Film von Claus Kleber und Angela Andersen klar, erscheint auch der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan in einem anderen Licht. Da geht es nicht nur um das Verdikt des einstigen Verteidigungsministers Peter Struck, dass die Freiheit Deutschlands auch am Hindukusch verteidigt werde. Es geht um noch mehr.

Der Weg ins Nichts

Wirklich begriffen hat die atomare Bedrohung, das sehen wir im ersten Teil der beeindruckenden Recherche, nur die Stadt New York. Deren Polizei unternimmt alles, um einen Anschlag mit einer sogenannten Dirty Bomb zu verhindern, eine Miniatombombe, die man im Rucksack transportieren kann. In Malmstrom in Montana sitzen die Kommandosoldaten derweil in ihrem zwanzig Meter unter der Erde gelegenen Bunker angeschnallt auf ihren Plätzen. Die Detonation gegnerischer Atomsprengköpfe würde sie sonst aus den Sitzen reißen. „Sie müssen aber noch funktionieren, bevor sie sterben“, sagt Kleber. Mit Detailbeobachtungen wie diesen macht er den Wahnsinn mit Methode begreiflich.

Die Auftritte seiner Gesprächspartner stehen für sich: der pakistanische Geheimdienstler wirkt wie Dr. Seltsam, der die Bombe liebt. Mohammed el Baradei aber, der im Auftrag der Vereinten Nationen die atomare Gefahr verringern soll, hat resigniert. „Es kann überall passieren“, sagt er. „Ich versuche, nicht immer an die Gefahr zu denken, sonst kann man nicht leben.“ Gehe es weiter wie bisher, führe der Weg der Menschheit „ins große Nichts“. „Und die Welt wird vernichtet?“, fragt Kleber. „Absolutely“, sagt el Baradei.

Die dreiteilige Dokumentation „Die Bombe“ beginnt heute um 22.45 Uhr im ZDF, Teil zwei und drei laufen am 30. Juli und am 2. August.

Quelle: F.A.Z.
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