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Umstrittener Kika-Film : „Züge einer Hetzkampagne“

Seine Frau soll Kopftuch tragen. Und wenn sie nicht will? Szene aus der Kika-Reportage „Malvina, Diaa und die Liebe“ Bild: Kika Kinderkanal

Der Hessische Rundfunk weist die Kritik an dem Kika-Film „Malvina, Diaa und die Liebe“ zurück. Im Rundfunkrat gibt es nur Lob – und der Intendant setzt ein Schreiben auf, in dem von einer „diffamierenden Debatte“ die Rede ist.

          Der Hessische Rundfunk hat sich mit der Kritik an dem für den Kinderkanal Kika produzierten Film „Malvina, Diaa und die Liebe“ beschäftigt und ist zu dem Urteil gelangt, dass diese unberechtigt sei. Das geht aus einem Schreiben des Intendanten Manfred Krupp ebenso hervor wie aus der Diskussion im Rundfunkrat.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Im Programmausschuss Fernsehen des Rundfunkrats habe es eine zweistündige Diskussion über den Film gegeben, sagte dessen Vorsitzender Rolf Müller im Gespräch mit dieser Zeitung, die Zustimmung zu dem Stück sei einmütig gewesen. „Unisono“ sei die Qualität des Beitrags hervorgehoben und der Vorwurf vermeintlicher Manipulation zurückgewiesen worden. Die Redaktion habe man zu ihrer Arbeit beglückwünscht. Entsprechend würden drei individuelle Beschwerden von Zuschauern beantwortet sowie die dreihundert Eingaben von Unterzeichnern einer Petition, die sich gegen den Film gewendet hatte.

          Beziehung „weder idealisiert noch unmöglich dargestellt“

          Diese war, veröffentlicht auf einer Internetseite mit dem Namen „Patriot Petition“, mit insgesamt 11600 Unterschriften beim HR-Intendanten (und beim MDR) eingegangen. In einem ausführlichen Schreiben hatte Manfred Krupp die Eingabe beantwortet. Dreihundert der Angeschriebenen gaben sich mit seiner Antwort jedoch nicht zufrieden, sie erhalten, wie Rolf Müller sagte, nun noch einmal eine Reaktion aus dem Rundfunkrat.

          In seinem Schreiben formuliert der HR-Intendant einen Standpunkt, wie ihn zuvor schon die Programmdirektorin Gabriele Holzner vertreten hatte. Der Film habe sich an die älteste Zielgruppe des Kinderkanals Kika gewendet. Er zeige die „Liebesbeziehung zweier junger Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und ihr Ringen um Kompromisse, um Grenzen und um ihren Weg im Leben“. Konservative Wertvorstellungen würden „grundsätzlich“ als Standpunkte des aus Syrien stammenden jungen Mannes namens Diaa gekennzeichnet. Die sechzehnjährige Malvina vertrete „ihre Weltsicht und ihre Standpunkte, etwa wenn sie deutlich macht, dass weder eine Konversion zum Islam noch das Tragen eines Kopftuches für sie in Frage kommen“. Die „kulturellen Unterschiede auch im Frauenbild“ würden sehr früh thematisiert. Auch im Gespräch mit den Eltern des Mädchens werde „offen diskutiert“, „in welchem Maße Malvina sich an die kulturellen Vorstellungen des Anderen anpassen soll oder nicht“. Die Beziehung der jungen Leute werde „weder idealisiert noch unmöglich dargestellt“.

          Die Untersuchung einer Medienwissenschaftlerin habe „ergeben, dass die Zielgruppe den Film eher als Warnung rezipiert, und nicht, wie vielfach behauptet, als ,beschönigende Verherrlichung einer Beziehung zu einem Moslem‘.“ Das Alter des syrischen Mannes habe man zunächst falsch angegeben (17 statt 19 Jahre). Dafür habe man sich entschuldigt. Die Kritik an dem Film, schreibt der HR-Intendant, habe „in sozialen Netzwerken zu einer kontroversen, mitunter diffamierenden Debatte“ geführt. Diese habe „Züge einer Hetzkampagne“ angenommen. Der junge Mann aus Syrien habe Drohungen von rechtsextremen wie islamistischen Gruppen erhalten, man habe die Sicherheitsbehörden eingeschaltet.

          Der umstrittene Film war am 26. November des vergangenen Jahres im Kika gelaufen. Aufgegriffen wurde er – unter anderem von einem AfD-Politiker – Anfang Januar, kurz nach dem Mord, den ein afghanischer Flüchtling an seiner ehemaligen Freundin im rheinland-pfälzischen Kandel begangen haben soll. Kritik zog der Film, der die Beziehung zwischen dem jungen Mädchen und ihrem Freund unkommentiert darstellt, aber nicht nur in extremer Form auf sich, sondern allein deshalb, weil zu sehen ist, welche Abstriche (keine kurzen Kleider mehr, kein Schweinefleisch) das junge Mädchen ihrem Freund zuliebe macht.

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