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„Hotel Zuhause“ bei RTL : Bitte spontan spaßig sein

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Trotz der unabsprechbaren Slapstick-Ader von Ralf Schmitz ist „Hotel Zuhause“ vor allem anstrengend. Bild: RTL / Frank W. Hempel

Warum sind Impro-Shows bloß so anstrengend? Die RTL-Comedyreihe „Hotel Zuhause“ ist nichts anderes als eine lauwarme Neuauflage der „Schillerstraße“.

          Das Haus, in dem die neue RTL-Comedyreihe „Hotel Zuhause“ spielt, hat zwei Eingänge. Manchmal klingelt es, und Ralf Schmitz geht nach vorn zur Tür, aber dann ist da keiner, weil der Gast hinten steht. Manchmal klingelt es und Ralf Schmitz geht nach hinten zur Tür, aber dann ist da keiner, weil der Gast vorn steht. Und manchmal wechselt der Gast, während Schmitz kopfschüttelnd von der einen zur anderen Tür geht, ebenfalls die Position, so dass wieder keiner da ist, wo er aufmacht.

          Das ist erstaunlich witzig. Vor allem im Vergleich zu dem, was sonst so passiert. Das vielleicht Lustigste an „Hotel Zuhause – Bitte stören!“ aber ist die Beschreibung von RTL. Der Sender nennt das Programm, das eine Neuauflage der „Schillerstraße“ von Sat.1 ist, bei der Komiker und Schauspieler wie Cordula Stratmann, Annette Frier, Martin Schneider und, ja: Ralf Schmitz von 2004 an jahrelang mit zeitweise großem Erfolg Szenen improvisierten, die „erste Impro-Sitcom im deutschen Fernsehen“. „Anders als bei anderen Impro-Sendungen“, erklärt RTL, bevölkerten hier „echte Sitcom-Charaktere das Set, die sich im Laufe der Sendung auch weiterentwickeln können“. Mit „weiterentwickeln“ muss der Sender die Möglichkeit meinen, dass einer, der sich gerade noch wie ein Hund verhielt, in der nächsten Szene vielleicht als Haushaltsgegenstand auftritt.

          Angestrengte Komik

          Die zu improvisierende Handlung hat einen Rahmen: Schmitz hat ein Haus geerbt, das er nun in ein Hotel verwandeln will. Bestimmt wird das Geschehen aber vor allem von den Regieanweisungen, die Spielleiter Michael Müller den Komikern aufs Ohr gibt: „Ralf: Deine Zunge will in Sinas Handtasche!“, „Frank und Anna: Zieht in einer Polonaise los, um Besorgungen für die Eröffnung zu machen!“, „Ralf: Lobe Frank nach jedem Handgriff mit zärtlichem Körperkontakt!“

          Das Ergebnis ist trotz des unbestreitbaren Slapstick-Talents von Ralf Schmitz exakt so lustig, wie es sich liest, und man könnte das natürlich wieder zum Anlass für lautes Wehklagen nehmen, dass irgendwo anders die Hoch-Zeit des Fernsehens angebrochen zu sein scheint mit komplexen Charakteren, fesselnden Handlungssträngen und relevanten, brillant geschriebenen Geschichten, während in Deutschland die Sender angebliche „Sitcoms“ entwickeln, deren Fallhöhe sich in den Zentimetern misst, die ein Charakter vom Sofa rutschen kann.

          Paradoxerweise ist das Problem der Show aber nicht ihre Anspruchslosigkeit, sondern ihre Angestrengtheit. Wenn die Komik schon so banal ist wie in „Hotel Zuhause“, ließe sie sich viel einfacher durch die Reduktion aufs Wesentliche produzieren.

          Leider nur ein bisschen Spaß

          Sat.1 zeigte das vor ein paar Wochen mit der neuen Show „Jetzt wird’s schräg“, die ein paar mehr oder weniger klassische Spiele des Improvisationstheaters verband, vor allem aber auf eine um 22,5 Grad gedrehte Bühne setzte. Gefilmt von entsprechend schräg gestellten Kameras, machte die Erdanziehungskraft den Darstellern zu schaffen. Auch sie mussten Handlungsanweisungen befolgen, vor allem aber rutschten sie herum und knallten gegen irgendwelche Gegenstände. Es reichte schon, einen Schrank zu öffnen, dessen Inhalt dann unvermeidlich auf den Menschen davor herauspurzelte, so was hört anscheinend nie auf, lustig zu sein.

          Entsprechend zeigte auch Pro Sieben in diesem Sommer eine Gameshow namens „Crash Games“, in der es fast ausschließlich darum geht, dass Kandidatenpaare in einem Parcours Aufgaben erledigen, die darauf angelegt sind, dass sie ihre Ungeschicklichkeit beweisen, lächerlich aussehen oder sich weh tun, was sichtbar billig und auf Tempo zusammengeschnitten ist, aber dankenswerterweise ohne jedes unnötige Drumherum auskommt: ein halbstündiges Schadenfreude-Kondensat. Peter Rütten, ehemaliger Chefautor der „Harald Schmidt Show“, kommentierte die Stürze bösartig aus dem Off.

          Die erste Folge von „Hotel Zuhause“ am Freitag endete damit, dass Roberto Blanco als Gast einzog und mit „Herr Weiß, kommen Sie rein!“ begrüßt wurde. Ein bisschen Spaß muss sein. Mehr anscheinend auch nicht.

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