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Horrorserie auf ZDFneo : Da kann nur Yoga helfen

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In einer schwierigen Mission unterwegs: Paul (Iain De Caestecker), der Held von „The Fades“ Bild: BBC/Dean Rogers/ZDF

Eine exzellente Horrorserie: In der ersten Staffel von „The Fades“ feiert der Zombie ein schlaues Comeback. Aus Angst und Schrecken erwächst das Porträt einer britischen Kleinstadtjugend.

          Wer glaubte, Vampire seien nicht totzukriegen, darf jetzt über den Zombie staunen: In Scharen drängen lebende Leichen auf die Bildschirme. So ist jede Untoten-Serie ihr eigener Kommentar, und Kreativität bemisst sich mittlerweile nicht mehr an Plots oder Konstellationen - alles schon da gewesen, alles schon ausgeweidet -, sondern an kleinen Verschiebungen im Grundmuster.

          In „The Fades“ (Die Verblichenen), einer exzellenten, von der BBC produzierten Horrorserie, wäre dies das Ausbleiben moralischer Gewissheiten in Anbetracht von Jenseits und Tod. Normalerweise gilt: Die Hölle ist zu voll, oder ein faustischer Wissenschaftler züchtet das falsche Virus - schon drängelt es aus dem Orkus heran. „The Fades“ zeigt die Toten einfach als Festsitzende am ontologischen Terminal, und weil die perfideste Idee des Fegefeuers dann doch ein fortgesetztes Erdendasein ist, laufen manche sehr unmanierlich aus dem Ruder.

          Schützenhilfe von einem Ghost Buster

          Der Held, der gegen die metaphysisch Unbehausten antritt, ist Paul (Iain De Caestecker), ein hübscher Siebzehnjähriger, Marke mürrischer Britpop-Sänger; Scheidungskind, genervt von der sich wie viele untere Mittelschichtler mühsam durchschleppenden Mutter und geplagt von grausigen Träumen. Da regnet es Asche, und Leichen türmen sich - das sind, wir ahnen es, Visionen vom kommenden Weltende. Und so braut sich jenes Schicksal zusammen, das von Odysseus bis Harry Potter noch jeden Pfundskerl ins Mark erschüttert hat: das Auserwähltsein.

          Weil nun aber erstens „dumm sein und Arbeit haben“ (Gottfried Benn) das Glück bedeutet - und eben nicht Zombiearmeen in die Flucht schlagen - und weil zweitens jeder richtige Heros gar keine Lust verspürt, ein solcher zu sein, schauen wir Paul in den ersten Folgen beim Kampf mit dem Fatum zu. Er bekommt Schützenhilfe von einem granteligen Ghost Buster (Johnny Harris), der seinem Novizen gleich zu Beginn erklärt: „Das wird noch ungemütlich werden. Ich empfehl dir: Lern Yoga.“ Weitere Gefährten des Weltenretters sind: seine Schwester (Lily Loveless), eine wunderbar schnoddrige Highschoolzicke, deren Freundin (Sophie Wu), das Girl mit existentialistischer Sensibilität und der sie kontrastierenden kecken Kurzhaarfrisur, sowie - unverzichtbar - der beste Kumpel.

          Mit fein austarierter Dialektik

          Allein wegen Mac (Daniel Kaluuya) ist „The Fades“ ein Vergnügen: medienversessener Picaro, feuert er in einem fort Zitattiraden ab. „Hast du denn alles, was du weißt, aus Filmen?“, fragt ihn Paul einmal. „Nein“, antwortet dieser Popkulturjunkie, der in puncto semiotische Wildheit noch Slavoj Zizek verblüffen würde: „Das Fernsehen hat in letzter Zeit einige wichtige Beiträge geleistet. Und dann ist da noch das dornige Thema der Internetpornographie.“ Wer heute mit Spukgestalten hantiert, braucht einen, der die Intertextualitäten des Genres formuliert. Gerade durch Macs Anspielungstalent (in der deutschen Synchronisation klingt er leider wie ein Internatsjunge vom Bodensee), entsteht Spielraum für das tatsächliche Drama.

          Der Innovationsballast ist weg, das Format ist nicht mehr gezwungen, sich über die Vorgänger hinwegzusetzen, daraus ergibt sich viel dramaturgische und erzählerische Freiheit. Und die wird glänzend genutzt für das Porträt einer Kleinstadtjugend mit fein austarierter Dialektik: Je ängstlicher, klüger und empfindsamer der Heranwachsende ist, umso schwerer und dunkler wird seine Mission.

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