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Honecker-Porträt im Fernsehen : Kleiner Putsch in der Schorfheide

Erkennen Sie diese Herren? Nein? Macht nichts. Ganz links, das soll der Honecker (Thomas Reisinger) sein, bleibt rechts für Walter Ulbricht (Peter Gröger) Bild: MDR/Andreas Lander

Der MDR zeigte ein Honecker-Porträt zum Jahrestag von Ulbrichts Sturz. Mit jeder Menge Bühnendonner und Zeitkolorit wird der Tag dramatisch überhöht - das hat uns wirklich gerade noch gefehlt.

          Früher, vor doch schon einiger Zeit, hatte die MDR-Serie „Geschichte Mitteldeutschlands“ ein klares Konzept. Es ging um Persönlichkeiten und historisch einschneidende Ereignisse oder Legenden mit eindeutigem Bezug zu dieser Region. Um Bach und Goethe, Heinrich I., um die Wartburg und ihre Studenten, Carl Zeiss oder die Weimarer Republik. Inzwischen, im vierzehnten Jahr ihres Bestehens, wirkt die Auswahl der flott Porträtierten einigermaßen bemüht, vor allem der erste Teil der neuen Staffel: „Erich Honecker - Der Weg zur Macht“, der an diesem Sonntag lief. Der Film begann und endete zwar weder in Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt, aber „Spuren hinterlassen“ hat der Saarländer dort natürlich auch.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Und weil es zudem noch der gefühlt zweihundertste Streifen zu Honecker ist, gibt es zu Beginn jede Menge Bühnendonner - Gewehre werden durchgeladen, aber es fällt natürlich kein Schuss -, damit der Zuschauer glaubt, hier werde nun die ganz andere Honecker-Saga erzählt. Der Tag, um den sich alles dreht, ist ein Sonntag im April 1971 - es ist die Entmachtung Walter Ulbrichts, der Alterseigensinn entwickelt hatte und darum weg sollte, worum er im Mai dann selbst bitten musste.

          Eine putzige Vaterfigur und ein ewiger Kronprinz

          Im Film (Buch: Christian Schulz, der gemeinsam mit Pepe Pippig auch Regie führte) wird dieser Tag dramatisch überhöht als einer, „der die Zukunft der DDR verändern wird“. Wieso, bleibt blass, sieht man einmal davon ab, dass an der Tür des Staats- und Parteichefs nun ein anderer Name stand, womit wohl niemand, der einigermaßen bei Verstande war, allzu viel Hoffnung verband. Blass bleibt auch der gesamte historische Kontext dieser Diktatur, deren zweifelhafte Führungsriege das Land schließlich so zugrunde gerichtet hatte, dass Honecker und seiner SED der eine Teil des Volkes davonlief und der andere sie stürzte. Aber darum geht es hier nicht.

          Zum Vergleich: der echte Erich

          Hauptpersonen sind Ulbricht - ein echter Mitteldeutscher, putzig „die wohlwollende Vaterfigur“ genannt -, und Honecker, der „ewige Kronprinz“, der schon allzu lange, oho, „um den Platz an der Sonne“ kämpfte. Erich Honecker schreibt mit denen, die wie er um diesen Platz buhlen, nach Moskau, was ein Zeitzeuge als ungeheuerliche Tat und der frühere ZDF-Korrespondent Joachim Jauer als „großen Verrat“ apostrophiert. Jedoch war es nur die übliche Tour. Und als Moskau „grünes Licht“ gibt, werden die Telefone gekappt in der Schorfheide (Brandenburg), und der alte Mann hat seine Schuldigkeit getan.

          Dramaturgische Nebelkerzen

          Dazwischen gibt es Szenen mit Zeitkolorit, die harte Linie gegen die Beat- und Popmusik, die junge Ostdeutsche zunehmend den Kampfliedern vorzogen, das furchtbare 11. Plenum - etwas weit hergeholt, denn daran waren alle beteiligt, die sozialistischen Anstand und Sitte in Gefahr sahen -, mit darauffolgendem Kultur-Kahlschlag, und natürlich die „Männerfreundschaft“ des Sowjetchefs Leonid Breschnew und Erich Honeckers. Zwei leidenschaftliche Jäger, so ist zu erfahren, nur werden sie beide als die Repräsentanten der sozialistischen Stagnation in die Geschichte eingehen. Doch das spielt schon wieder in ganz anderen Filmen, nicht in diesem. Die geistige Welt des Saarländers, im scharfen Klassenkampf der Vorkriegszeit geschult und stalinistischer Härte verpflichtet, bleibt dem Zuschauer verborgen. Die Kunstfigur mit Honecker als Hardliner und Ulbricht als Möchtegern-Reformer geht nicht auf.

          Verzichtbar war dieser Fünfundvierzig-Minuten-Streifen inklusive der nachgespielten Szenen. Die ARD sollte bald, auch wegen der gerade wieder lautstark beklagten Unwissenheit der Jugend in geschichtlichen Dingen, den hervorragenden Honecker-Film von Eric Friedler wiederholen, der aufklärt, statt mit dramaturgischen Nebelkerzen zu verklären.

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