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Historienspektakel „Rasputin“ bei Arte : Ein Heiligenschein für den obskuren Wunderheiler

Statuarisches Väterchen Rasputin: Gérard Depardieu als Denkmal seiner selbst Bild: Arte/Oleg Kuteinikov

Der Film ist wie ein Komplott: Der Neu-Russe Gérard Depardieu spielt Rasputin. Damit beschert er Wladimir Putin eine Paraderolle, verkörpert sie aber schlecht. Weit besser ist Fanny Ardant als Zarin Alexandra.

          In diesen Tagen kann ein opulent in Szene gesetztes Historienspektakel, das „Rasputin“ heißt, eine französisch-russische Koproduktion ist und, dies vor allem, Gérard Depardieu in der Titelrolle präsentiert, naturgemäß erst in zweiter Linie der Anlass für eine Fernsehkritik sein.

          Jochen Hieber

          Redakteur im Feuilleton.

          In erster Linie ist das Ereignis eine Angelegenheit für den politzirzensischen und klatschgesellschaftlichen Boulevard. Also wissen wir dank der „Bild“-Zeitung, der wir in diesem Fall uneingeschränkt vertrauen, welches Rasputin-Gespräch sich entspann, als Wladimir Putin und der gerade von ihm mit einem druckfrischen Pass versehene Neu-Russe Gérard Depardieu am Abend des 5. Januar in der Präsidentenresidenz der Schwarzmeer- und Olympiastadt Sotschi zusammentrafen. Das Rencontre ist einfach zu schön, um unwahr zu sein.

          O-Ton „Bild“: „,Gérard, bist du mit deiner Arbeit zufrieden?’, fragt Putin den per Charterflug angereisten Gast. ,Ja, Wladimir, nur leider hast du meinen Film Rasputin noch nicht gesehen’, erwidert Depardieu. Putin runzelt die Stirn. Alle Russen sollten den Film über den mysteriösen Zarenberater sehen, befindet er und blickt zu Oleg Dobrodejew, dem Chef der mächtigen Mediengesellschaft WGTRK. ,Spätestens im Mai läuft Rasputin landesweit im Staatsfernsehen’, verspricht Dobrodejew schnell.“

          Alles nur ein Werbetrick?

          Uns ereilt dieses Schicksal schon heute, am 18. Januar, Arte sendet den Film zur besten Abendzeit. Inszeniert hat ihn die auf Abenteuer-, Biopic- und Geschichtsdramen spezialisierte französische Regisseurin Josée Dayan. 1998 etwa drehte sie „Der Graf von Monte Christo“ als Vierteiler für das Fernsehen, im Jahr danach „Balzac - Ein Leben voller Leidenschaft“ als Zweiteiler und 2000 dann aufs Neue in vier Teilen „Les Misérables - Gefangene des Schicksals“.

          Sibirisches Panorama mit kleinem Rasputin (Gérard Depardieu)
          Sibirisches Panorama mit kleinem Rasputin (Gérard Depardieu) : Bild: Arte/Oleg Kuteinikov

          Ob als falscher Monte-Christo-Graf Edmond Dantès, ob als Pariser Romanfürst oder als Ex-Sträfling Jean Valjean: immer war Depardieu dabei der Star - und so ist er es nun eben auch als Wanderprediger und Wunderheiler Grigori Jefimowitsch Rasputin, der nach einigen Marienerscheinungen und rastlosen Pilgerreisen 1907 aus der sibirischen Weite an den Zarenhof von St. Petersburg kam, dort dem dreijährigen, an der Bluter-Krankheit leidenden Zarewitsch durch Handauflegen und Fürbitten das Leben bewahrte und darüber Herz wie Verstand der aus Hessen stammenden Kaiserin Alexandra gewann.

          In der „taz“ vom vergangenen Mittwoch hat der russisch-deutsche Schriftsteller und Schelmenromancier Wladimir Kaminer nun den Verdacht geäußert, die französische Flucht und die russische Einbürgerung des Schauspielers seien weniger den Querelen mit der Pariser Steuer- und Reichenpolitik von François Hollande geschuldet. Vielmehr glaubten viele Russen, „dass das alles ein Werbetrick für den Depardieufilm ist, in dem er den Rasputin spielt“.

          Der tapsige russische Priesterbär

          Gegen diesen Verdacht spricht zumindest nicht, dass, so „Bild“, die mächtige WGTRK - also die Allrussische staatliche Fernseh- und Radiogesellschaft - und deren Chef auf Putins Stirnrunzeln hin immerhin sofort mit einem Sendetermin herausrückten, wenn auch mit dem spätestmöglichen. Für den Verdacht spricht überdies, dass Depardieu für seine Darstellung Rasputins eines mit Gewissheit brauchen kann: Werbung.

          Denn er, der einst so große Mime, ist in dieser Rolle nur noch ein Schatten seiner selbst, ein schwerfälliger, tapsiger russischer Priesterbär mit Rauschebart und Erlösermiene , der mit Ausnahme einiger weniger Szenen - etwa der prophetischen Ansprache an die Bauern seines sibirischen Dorfes - überaus statuarisch wirkt.

          Szene eines Filmpaars III: In „Rasputin“ bleibt das Verhältnis zwischen Ardant und Depardieu merkwürdig berührungslos und keusch
          Szene eines Filmpaars III: In „Rasputin“ bleibt das Verhältnis zwischen Ardant und Depardieu merkwürdig berührungslos und keusch : Bild: Arte/ Oleg Kuteinikov

          Alles, was ein Rasputin-Schauspieler verkörpern sollte - Dämonie wie Charme, Bonhomie wie Abgefeimtheit, tiefe Frömmigkeit wie lasterhafte Ausschweifung -, wirkt bei Gérard Depardieu bloß wie eine Behauptung, die von anderen Figuren der Handlung, Anhängern wie Feinden, über ihn in die Welt gesetzt wird.

          Rasputin und Obelix

          Dass der historische Rasputin ein hagerer Mann war, Depardieu inzwischen aber beträchtlich in die Weite ging, fällt im Wortsinn noch am wenigsten ins Gewicht. Viel schlimmer ist, dass man hinter seinem Rasputin immer die andere Kultfigur zu sehen wähnt, die er seit geraumer Zeit verkörpert - den gutmütigen, tapsigen Obelix aus den Asterix-Filmen.

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