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Selfie-Ausstellung : Hier knips’ ich mich, ich kann nicht anders

Affe am Drücker: ein indonesischer Makake entdeckt die Magie des Selfie Bild: Caters News Agency

Ich fotografiere mich, also bin ich, ist das Motto von Milliarden. Eine Düsseldorfer Ausstellung weist auf ein verborgenes, unabsichtliches Riesen-Selfie hin.

          Angela Merkel tut es und lässt Flüchtlinge Selfies mit ihr schießen. Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger feierten per Knutsch-Selfie den Gewinn der Weltmeisterschaft. Kim Kardashian setzt auf Selfies ihren Hintern in Szene. James Franco füttert mit ihnen seine Fans in sozialen Netzwerken, Papst Franziskus posiert mit Gläubigen, Barack Obama konnte sich auf der Trauerfeier für Nelson Mandela ein Selfie mit David Cameron und Helle Thorning-Schmidt nicht verkneifen. Und jugendliche Internetnutzer wie John Quirke schrecken selbst vor Selfies in Auschwitz nicht zurück.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Selfies sind einfach überall. Spätestens seit Ellen DeGeneres auf der Oscar-Verleihung 2014 einen Pulk Hollywoodstars zum Gruppenselfie versammelte - das geschickte Productplacement für einen Handyhersteller zwang sogar Twitter kurzzeitig in die Knie - gibt es wohl kaum jemanden, der nicht weiß, wie das heißt und geht und was man für eine Welle machen kann mit dem, was Abermillionen unentwegt tun: Selbstporträts mit dem Smartphone knipsen und sie möglichst sofort online stellen.

          „Ich fotografiere, ich dokumentiere - also bin ich“, konstatiert die Ausstellung „Ego Update - Die Zukunft der digitalen Identität“, die im NRW-Forum Düsseldorf künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Phänomen präsentiert. Löst die massenweise Selbstinszenierung auf Armeslänge Descartes’ „Ich denke, also bin ich“, ab? Dass die ichstiftende Reflexion sich auf Benutzeroberflächen verlagert, darin will die erste kuratorische Arbeit von Alain Bieber als künstlerischem Leiter des Forums kein Krisenphänomen sehen, im Gegenteil.

          Bitte nicht aufbewahren!

          Ihr merkt man die Begeisterung dafür an, dass mit dem Selfie in der sonst von Retrowellen durchspülten Populärkultur etwas Neues entstanden ist: ein fotografisches Selbstbild, das anders ist als das, welches mit Kamerablick in den Spiegel, mit dem Selbstauslöser oder einem auf das eigene Gesicht gerichteten Fotoapparat entsteht. Zum Selfie gehört die Spiegelung im Display, die schräge Perspektive, der Arm im Bild. Es ist nicht zum Aufbewahren gedacht, sondern vor allem zum Verschicken, Posten, Kommentieren, Liken; es zeigt ein Individuum im digitalen Fluss.

          „Das Selfie ist das erste Kunstwerk des Netzwerkzeitalters“, schreibt der Medienphilosoph Daniel Rubinstein im Katalog zur Ausstellung, der mehr ein Reader zum Stand der Diskussion ist, und Jerry Saltz, Kunstkritiker der „New York Times“, frohlockt: „Selfies haben ihre eigene strukturelle Anatomie. Für die Kunst ist das ein riesiges Ereignis.“ Dabei ist das gemeine Selfie so wenig als Kunstwerk gedacht wie andere Amateuraufnahmen. Sie sind vielmehr banale Statusmeldungen eines Ichs mit und ohne „Duckface“, das, so lautet ein Deutungsansatz, sich medial maximal exhibitioniert. Zum Beispiel, wenn Jugendliche Nacktfotos tauschen.

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