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Reaktionen auf „Tagesschau“-Studio : Heiligsprechung in den Hauptnachrichten

  • Aktualisiert am

Freiheitsstatue oder Heiliger: Sven Plöger vor der Wetterkartensonne Bild: Tagesschau

Die Kosten! Das Breitbild! Der Heiligenschein des Wettermanns! Über Twitter tauschen sich die Zuschauer über das neue Nachrichtenstudio von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ aus.

          Was sind schon 23,8 Millionen Euro für ein neues Nachrichtenstudio - im Vergleich zu dem Geld, das der öffentlich-rechtliche Rundfunk für die Fußball-Übertragungsrechte ausgibt? Oder für „Wetten, dass..?“ und andere Unterhaltungsshows? Oder die BBC unlängst für ihr neues Studio? Am Samstagabend hat der NDR erstmals seine beiden abendlichen Nachrichtensendungen, die „Tagesschau“ und die „Tagesthemen“, aus einem neuen Studio gesendet, und über Twitter diskutieren die Zuschauer, ob sich die Ausgaben gelohnt haben, ob das Erste damit auf der Höhe der Zeit ist und ob das alles mit rechten Dingen zugeht.

          Die Komplimente überwiegen. Und der Stolz, schließlich hatte Thomas Roth das neue Studio den Zuschauern als deren Errungenschaft präsentiert: „Es ist Ihr neues Tagesschau-Studio“, hatte er gesagt. Und prompt eine Diskussion der glücklichen Eigner darüber entfacht, was man außerhalb der Sendezeiten so alles mit dieser Breitbildleinwand anstellen könnte: Filmabende mit Freunden zum Beispiel. Die Zuschauer jedenfalls sind froh, dass das Erste jetzt mit seinen Nachrichtensendungen in der Gegenwart angekommen ist. Wen stört schon, dass es andere Sender schon vorher hierher geschafft haben.

          Vergnügt hat das Publikum der Moment, als Sven Plöger, Wettermann in den „Tagesthemen“, sich so vor die Sonne auf der riesigen Wettergrafik stellte, dass ihre Strahlen wie ein Heiligenschein hinter seinem Kopf zu sehen waren.

          Die Leinwandbreite stellte die Redaktion vor neue Herausforderungen und ließ sie mitunter zu hemdsärmeligen Lösungen greifen. Um eine Aufnahme vom südkoreanischen Strand einsetzen zu können, ohne Inseln und Schiffe im Hintergrund abzuschneiden oder die Trauernden im Vordergrund unter die bläuliche Textbanderole rutschen zu lassen, hat die Grafik das Bild kurzerhand am rechten Rand verlängert. Ein Kritiker spricht von Manipulation, die Redaktion nennt es unter @tagesschau schlicht Bildbearbeitung.

          Laut Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell, soll es künftig nicht mehr vorkommen: „Bei der Bildbearbeitung gelten bei uns strenge journalistische Kriterien“. sagte er der F.A.Z., “das Foto vom Strand wurde inhaltlich nicht verfälscht. Dennoch haben wir beschlossen, solche Veränderungen künftig nicht mehr zuzulassen, damit kein Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Tagesschau aufkommt.“

          Ganz bestimmt bekommt die Redaktion die Probleme mit der neuen Größe rasch in den Griff. Zur Not ist ja alles bestens ausgeschildert.

          Die Stellungnahme des Chefredakteurs zum Vorwurf der Bildmanipulation erreichte die Redaktion nach der Veröffentlichung dieses Beitrags und wurde im Nachhinein ergänzt.

          Quelle: FAZ.NET/kue

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