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Heidenreich gegen das ZDF Der Kampf fängt gerade erst an!

Der Intendant des ZDF legt mir nahe, nach meiner Kritik an seinem Sender mit meiner Büchersendung doch besser aufzuhören. Ich denke gar nicht daran. Die Sendung ist wichtig. Eine Antwort von Elke Heidenreich.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb Vergrößern Kein freiwilliger Abgang: Elke Heidenreich schlägt zurück

Inzwischen ist seit der Gala des Grauens, der Verweigerung des Geehrten und der Explosion der Beobachterin in der F.A.Z. eine gute Woche vergangen (siehe auch: Elke Heidenreich: Reich-Ranickis gerechter Zorn). Gestern wurde die gelassene Diskussion zwischen Reich-Ranicki und Gottschalk ausgestrahlt, die zwar total überflüssig war, aber gezeigt hat, dass der Alte unbeugsam bleibt und der Junge überschätzt wird.

Reich-Ranicki fordert Brecht am frühen Abend, wir lächeln milde und empfehlen ihm ein gutes Buch, vom Fernsehen hat er nur noch wenig Ahnung, aber sein Gespür dafür, dass es weitgehend unter Niveau ist, ist richtig.

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Es muss brennen

Das ganze Theater hat etwas genützt: es hat eine längst fällige Debatte ausgelöst. Ich komme in diesen Minuten von der Buchmesse, wo hunderte von Autoren, Lesern, Buchhändlern, Verlegern, Journalisten bestätigten: wir können es auch nicht mehr ertragen. Endlich beschwert sich mal jemand. Endlich bewegt sich mal etwas.

Ob sich wirklich etwas bewegen wird, ist noch die Frage. Ich werde gescholten wegen des zu aggressiven Tons meiner Kritik. Ich gebe zu, das war scharf, aber es war auch nötig, denn wo keine Funken fliegen, brennt nichts. Jetzt brennt es. Es sind viele, die nicht noch eine Kochsendung, nicht noch ein Quiz, nicht noch eine Prominentenshow sehen wollen. Nein, nicht Brecht am frühen Abend. Aber mal Unterhaltungsshows getrost um 22 Uhr und ein etwas anspruchsvolleres Unterhaltungsprogramm zur prime time. Ach, Loriot, wo sind Sie?

Die Quoten hinterfragen

Es gibt gute Unterhaltung. Es gibt Möglichkeiten, dieses Fernsehen zu verändern und zwar nicht in Richtung der Privaten. Nicht unter-, sondern bitte überbieten. Man kann es jetzt angehen. Alles ist derzeit festzementiert für die Ewigkeit, und es ist nicht einzusehen, warum das so sein muss. Wer untersucht bitte, ob es Faulheit, Inkompetenz, Angst oder Dummheit ist? Dann kann man handeln, wie bei den Bankern.

Die kleine Büchersendung „Lesen!“, die Autoren, Verlagen, Buchhandlungen, Lesern nützt und so viele Menschen ans Lesen bringt, fand anfangs um 22.15 Uhr am Dienstag statt. Sie wurde verlegt auf 22.30 Uhr am Freitag. Da kollidiert sie mit „aspekte“, mit dem „Politbarometer“, mit den Talkshows. Das Versprechen war: wir verlegen zurück, wenn es nicht klappt. Es klappte nicht, und es wurde nicht zurückverlegt. Die Sendung gewann alle Preise von Grimme bis Bambi, aber die Zuschauer stöhnten: Freitags ist schlecht und es ist viel zu spät. Die ARD mutet Denis Scheck für seine Literatursendung eine Zeit um 23.30 Uhr zu. Klar, verschiebt uns in die Nacht und sagt dann: komisch, die Quoten sind niedrig. Man sollte im übrigen Quoten endlich mal kompetent hinterfragen.

Man arbeitet an etwas, das man gern vergisst

Seit einem Jahr bitte ich darum, das Versprechen einzulösen oder, noch besser, einen anderen, früheren Termin zu finden. Bis zum Jahresende 2008 sollte das erledigt sein. Es ist nichts geschehen, immer heißt es nur „wir arbeiten dran“. An was, wie, wann, wo? Und wer eigentlich? Der Intendant antwortet nicht auf Nachfragen, der Programmdirektor vertröstet, der Kulturchef schlägt 23 Uhr vor (prima, ist ja auch früher als 22.15 Uhr, oder? Wer möchte ihm eine Uhr schenken?) und die Redakteurin, mit der ich seit sechs Jahren so gut zusammenarbeite und die samt Team mein einziger Trost in dieser Misere ist, wird gar nicht gefragt. Wir können nicht planen, können keine Gäste einladen, es gibt keine Termine, die wir mit der Kölner Oper, in der wir aufzeichnen, fixieren könnten.

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