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ARD-Krimi „Harter Brocken“ : Harz, aber herzlich

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Stellen sich aufeinander ein: Aljoscha Stadelmann und Julia Koschitz. Bild: ARD Degeto/Volker Roloff

Wilde Schusswechsel auf der Durchreise in romantischer Waldkulisse und ein Polizist, der gerne Speckstein-Figuren schnitzt: Der Krimi „Harter Brocken“ rollt das Genre beiseite. Ein ungetrübtes Vergnügen.

          St. Andreasberg, im Harz, unterhalb des Brockens. Ein bärtiger Dorfsheriff namens Frank Koops (Aljoscha Stadelmann) schiebt (s)eine ruhige Kugel. Gleich in den ersten Minuten gibt es wilde Schusswechsel vor dunkel romantisch aufgeladener Waldkulisse zu sehen. Jedem seine Knarre. Ein verbrecherisches Pärchen (Anna Schudt und Christoph Bach) strandet auf der Suche nach dreist entwendeten 1,4 Millionen Euro schwer verwundet mit dem Wohnmobil auf dem Campingplatz. Waffen sind omnipräsent. Alle Mitspieler haben den Finger am Abzug. Mehrere lassen Blut.

          „Sind Sie abergläubisch?“

          Verschlafen dagegen Tourismus und Folklore. Kurz vor der Walpurgisnacht ziehen maskierte Gruppen müde durch den Ort, besetzen das grundsolide Hotel. Bis zum Hexensabbat werden die wohl nicht mehr durchhalten. Besen werden nur zum Reinigen der Straße benutzt. Wanderer und eine Schutzhütte bilden die übrige Kulisse und zwei hochverschuldete Brüder spielen eine wichtige Rolle. Patrick (Hinnerk Schönemann) scheint benebelt wie der Berg; Marco (Godehard Giese) wittert das große Geschäft.

          Als dann auch noch die durchreisende LKA-Beamtin Miriam Nohé (Julia Koschitz) nachts auf der Landstraße von derselben Schlammlawine vom Weg abgedrängt wird, die mit Vanessa Riemann (Anna Drexler) die erste Tote dieses Films freigibt, ist die Sechserbande komplett, die sich in diesem Film belauert. Während der Zuschauer Bescheid weiß, halten sich die Gegner in Schach und setzen Pointen: „Sind Sie abergläubisch?“ „Nein, das soll Unglück bringen.“

          Der Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt und der Regisseur Stephan Wagner liefern mit „Harter Brocken“ ein verspieltes Stück ab, das nicht nur das Krimi-Genre bedient. Die Musikgestaltung von Ali N. Askin ist besonders gelungen. Wer sich schon immer über Streicherteppiche und sentimental klimpernde Klaviere in Fernsehfilmen aufgeregt hat, kann hier hören, wie es auch anders geht. Der Schnitt von Susanne Odelitz und insbesondere die Parallelmontagen sind große Klasse. Das Szenenbild von Söhnke Noé und das Kostümbild von Sylvia Risa, die dem Film eine erdfarbene Anmutung verleihen, wirken überall durchdacht. Auch die Bildgestaltung von Thomas Benesch sitzt. Nicht zu vergessen das Casting.

          Aljoscha Stadelmann als vermeintlich bärbeißiger, alerter Lokalpolizist, der aus Specksteinen Figuren schnitzt, einen wandelnden Vertreter der „Oral History“ abgibt und auf dem Schießstand nie etwas zustande bringt, ist das Gegenteil eines Dorfdeppen. Julia Koschitz ist als blitzgescheite Kollegin mit eindeutigen Absichten eine Wucht. Sehenswert allein beider Körpersprache in einer Szene, in der sie auf dem Revier beim Rotwein den Fall der toten Vanessa rekapitulieren und im Hintergrund leise „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin läuft. Wohnt Koops allein? Nein, mit seiner Mutter. Kleiner Scherz und Filmzitat („Psycho“) am Rande, natürlich wohnt er allein. Mit den Frauen, das hat sich nicht ergeben. Wer will, kann noch reihenweise Zitate finden. Muss aber nicht. „Harter Brocken“ ist ein ungetrübtes Vergnügen. Mehr kann man von einem Samstagabendkrimi nicht erwarten. Oder doch: Frank Koops in Serie wäre noch besser.

          Harter Brocken, an diesem Samstag um 20.15 Uhr im Ersten.

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