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Veröffentlicht: 31.08.2015, 15:55 Uhr

„Hart aber fair“ WDR rudert und rudert zurück

Beim WDR geht es drunter und drüber: Zunächst wurde die Ausgabe der Talkshow von Frank Plasberg zur Geschlechterdebatte aus der Mediathek entfernt. Jetzt geht sie wieder online.

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© WDR/Klaus Görgen Etwas grobklotzig geht es bei Plasberg mitunter zu, manchmal auch polemisch. Aber reicht das, eine Sendung verschwinden zu lassen?

Langsam kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass beim WDR Satire nicht Bestandteil des Programms, sondern Maxime allen Handelns ist: Die Ausgabe der Talkshow „Hart aber fair“ vom 2. März dieses Jahres, in der es um das Thema Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter ging, wird nun nämlich wieder in die Mediathek des Senders eingestellt. Angesichts der Programmbeschwerden von Frauenverbänden und Gleichstellungsbeauftragten und einer entsprechenden Empfehlung des Rundfunkrats war die Sendung erst kürzlich aus der Mediathek entfernt worden. Mit der Begründung, dass sie für anhaltende Kritik gesorgt habe.

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„Die Sendung aus der Mediathek zu nehmen, war eine Entscheidung der Programmverantwortlichen, der eine lange, selbstkritische Diskussion der Sendung vorausging“, sagte jetzt der WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn, der die Streichung zuvor veranlasst und verteidigt hatte. „Dass daraus der Vorwurf der Zensur und Selbstzensur abgeleitet würde oder der Eindruck, wir seien vor Lobbygruppen eingeknickt, hatte ich mir nicht vorstellen können. Die heftigen Reaktionen zeigen im Rückblick, dass die Entscheidung nicht richtig war.“

Kein schnörkelloser Krampf

Die „Unabhängigkeit unserer Arbeit“, so Schönenborn weiter, „ist für uns das höchste Gut. Auch wenn der Vorwurf der Zensur oder Selbstzensur absolut unangemessen ist: Schon wenn der Anschein entsteht, diese Unabhängigkeit sei beeinträchtigt, belastet das unsere Arbeit. Deshalb habe ich entschieden, dass die Sendung wieder in die Mediathek und auf die Homepage der Sendung gestellt wird.“

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Sonia Mikich, Chefredakteurin Fernsehen im WDR, ergänzt, das „Gender-Thema“ sei ihr „politisch und persönlich wichtig“. Gleichzeitig mache sie „die öffentliche Reaktion auf den Fehler, die Sendung aus der Mediathek herauszunehmen, betroffen. Ein Krampf ist so entstanden, den wir jetzt schnörkellos beseitigen wollen – im Interesse der öffentlichen Meinungsbildung.“

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Als schnörkellos wird man das Verhalten des Senders in dieser Frage wohl kaum bezeichnen können. Er wirkt vielmehr willenlos und getrieben: Getrieben zuerst von der Kritik an der Sendung, dann von der Kritik an der Streichung der Sendung aus der Mediathek. In der kommenden Woche soll Frank Plasberg die Geschlechterdebatte in seiner Sendung abermals führen, sogar fast in der Originalbesetzung.

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