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„Hart, aber fair“ in der FAZ.NET Frühkritik : Brüssel liegt auch in Bayern

  • -Aktualisiert am

„Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg Bild: dapd

Ist uns Europa zu fremd, zu fern? „Hart, aber fair“ machte sich über den Heimatbegriff Gedanken. Auch wenn Frank Plasberg nicht darüber reden wollte: Tatsächlich dachten alle nur an Geld.

          „Zu fremd, zu fern – macht uns Europa heimatlos?“ So lautete das Thema bei Frank Plasberg – und war als Ansatz durchaus vielversprechend. Die Sendung reagierte auf jene Entwicklung, die mittlerweile einige europäische Nationalstaaten in ihrer Existenz bedroht. Ob Schotten, Südtiroler oder Katalanen, in Europa ist mit der Krise wieder der Separatismus neu erwacht. Es gibt ernsthafte Bemühungen, die mittlerweile als Fesseln empfundenen Nationalstaaten hinter sich zu lassen.

          Der als Gast wegen seines Buches vom unabhängigen Bayern eingeladene ehemalige Chefredakteur des Bayernkurier, Wilfried Scharnagl, ist gewissermaßen die kabarettistische Version dieses europäischen Phänomens. Das ist keineswegs despektierlich gemeint. Aber außer Scharnagl und den kläglichen Resten der Bayernpartei gibt es niemanden im Freistaat, der ernsthaft an einen Austritt aus dem deutschen Staatsverbund denkt. Allein Uli Hoeneß wird das schon zu verhindern wissen: Die Bundesliga ist der Bayernliga einstweilen noch vorzuziehen. Die diversen Borussen aus dem Westen des Landes sind für Hoeneß unverzichtbar; wobei der Witz natürlich ist, dass in diesen Borussen das alte Preußen bis heute begrifflich überlebt hat.

          Scharnagl kann zwar auf den Bund verzichten, aber der ungleich wichtigere Hoeneß keineswegs auf seine Preußen. So scheitert der bayerische Unabhängigkeitsgedanke dieses Mal nicht an einem klammen König, sondern an einen um seine Einnahmen besorgten Fußballverein.

          Wer liest noch Fichte oder Herder?

          Aber hier findet man auch den Kern des Problems, das an diesem Montag Abend bisweilen gestreift worden ist. Kurt Beck, der gerade in Rheinland-Pfalz seine letzten Runden als Ministerpräsident dreht, stellte diesen neu erwachten Separatismus in den historischen Kontext. Er sollte nämlich noch vor wenigen Jahrzehnten mit Gewalt durchgesetzt werden, so Beck. Terry Reintke, die Sprecherin der Grünen Europäischen Jugend, sprach dann auch vom „Europa der Regionen“ als Zukunftsperspektive.

          Der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff nahm diese Anmerkung kritisch auf. Er hält dieses von den deutschen Bundesländern in früheren Jahrzehnten erfundene Modell für „brandgefährlich“. Es bilde heute den Humus für eine Wiederbelebung des Nationalismus in Europa. Aber ist das eine Widerlegung der durchaus klugen Beobachtung von Beck?

          Plasberg wollte ausdrücklich über ein Thema nicht reden: Über Geld. Und wunderte sich dann, das man am Ende immer wieder genau dort gelandet ist. Das ist kein Zufall, sondern für den derzeitigen Stand des europäischen Einigungsprozesses paradigmatisch. Früher war der Separatismus – in der Tradition Fichtes und Herders – ein Kind kultureller Identität gewesen. Die Sprache, die Religion und die Brauchtumspflege bestimmten seine Motive. Heute spielt das alles kaum noch eine Rolle. In Europa wird ähnlich wie bei Scharnagl argumentiert, nur gibt es in anderen Regionen zumeist keinen Uli Hoeneß. Prosperierende Regionen wollen die Lasten der ärmeren Vettern in ihren Nationalstaaten loswerden. Sie sehen unter dem Dach der Europäischen Union die beste Möglichkeit, sich diese Unabhängigkeit sogar leisten zu können.

          In Europa ist mittlerweile fast jeder der Überzeugung, dass es auf den eigenen Beitrag etwa in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik nicht mehr ankäme. Das wird im Ernstfall schon jemand anders regeln. In den vergangenen Jahrzehnten riefen Europäer dann in Washington an. Dieser Separatismus ist also ganz und gar utilitaristisch. Jeder denkt an sich selbst und so ist an alle gedacht.

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