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Harald Schmidt : Jetzt ist der Geist endlich ausgetrieben

  • -Aktualisiert am

Doch alles nicht so lustig: Harald Schmidt Bild: dpa

Dass Harald Schmidt in der Fernseh-Verbannung endet, sagt einiges über Deutschland aus. Wir mögen es eben gerne flach und harmonisch. Ein intellektueller Partisanenkämpfer wie er stört dabei nur.

          „Dirty Harry is back“, hieß es seit Jahren auf diversen Sendern, was immer auch beinhaltete, dass Dirty Harry zuvor weg war. Niemand aber hatte je ernsthaft geglaubt, dass Deutschlands rückhaltlosester Moderator das Fernsehen aufgeben würde, nur weil ihn der ein oder andere Programmchef, der zuvor geliebedienert hatte, wieder absetzte.

          Im Gegenteil: Harald Schmidt brauchte den Gegenwind, lief im Moment der Ablehnung zur großen Form auf. Legendär sind seine Witze über die ARD-Gremien oder über Sat.1, nachdem bekanntgeworden war, dass sie im Sinne der Quote auf den bösen Onkel verzichten würden. Diesmal aber scheint das Ende der „Harald Schmidt Show“ tatsächlich endgültig. Am 13. März 2014 läuft die letzte Ausgabe. Harald Schmidts offizieller Kommentar: „Okay.“

          Endgültig scheint es, weil die jüngste Phase schon so etwas war wie ein geisterhafter Nachruf auf sich selbst: Seit September 2012 sendete Harald Schmidt quasi ohne Publikum auf Sky Deutschland vor sich hin, nur für Abonnenten überhaupt sichtbar, aber auch von diesen bloß einen Bruchteil interessierend. Man hörte von Einschaltquoten unter der Messbarkeitsgrenze. Selbst das Studio bekam man offenbar nicht mehr problemlos gefüllt: In der letzten Woche erst erreichte uns eine Rundmail, in der händeringend Freikarten feilgeboten wurden.

          Noch einmal Playmobil-Nachbau

          Dabei ist der Chefzyniker des deutschen Fernsehens nicht wirklich schlechter geworden, nur vielleicht ein bisschen weniger angriffslustig, wenn die auf der Sky-Website einsehbaren Ausschnitte - gerne mit Olli Dittrich als Publikums-Leckerli - repräsentativ sein sollten. Weil Schmidt sich selbst, aber auch dem Sendekonzept eisern treu blieb, fehlte es tatsächlich irgendwann an Überraschendem: Noch einmal Playmobil-Nachbau, wieder die Promifotos, zum zwanzigsten Mal dieselben Gäste. Und doch tat es gut, zu wissen, dass er nicht aufgibt.

          Vielleicht ist das unverdient ruhmlose Ende des großen Harald-Schmidt-Experiments gar nicht die eigentliche Nachricht. Viel verwunderlicher scheint, dass er sich so lange hat halten können, denn tief im Innern ist Schmidt kein Sarkast, sondern schlicht ein Intellektueller. Der Zynismus war, um es mit Rainer Brüderle zu sagen, bloß sein Kampfanzug, um im Feindesgelände zu bestehen, einer massenkompatiblen Hochglanzwelt, in der alles Intellektuelle nicht nur verachtet, sondern unterdrückt wird.

          Schmidt, der Partisanenkämpfer, tat nichts lieber, als wilde Gedanken mit Sprengwirkung einzuschmuggeln: Goethe-Witze auf Sat.1, Liebeserklärungen ans Feuilleton, Rainald Goetz als Gast, das machte Schmidt zum Helden all jener, die eigentlich kein Fernsehen schauen.

          Vielleicht liegt es an dieser Lust der Durchbrechung, dass seine beste Zeit die bei Sat.1 war, wo die Show zunächst von 1995 bis 2003 lief und nach dem langen, unglücklichen Zwischenspiel bei der ARD von 2004 bis 2011 (davon die schwächste Phase jene, in der Schmidt seine Sendung mit Oliver Pocher teilte) noch einmal für ein Jahr von 2011 bis 2012.

          Die Position des Rufers in der Wüste hat Harald Schmidt am meisten behagt. Jetzt bleibt uns nur die Wüste. Da rettet uns nicht einmal Oliver Welke. Dass Harald Schmidt so ganz anders als der hochgeehrte David Letterman in der Verbannung endet, sagt einiges über Deutschland aus. Wir mögen es eben flach und harmonisch, und das ist alles andere als „okay“.

          Im jüngsten freigeschalteten Ausschnitt seiner Sendung sehen wir Harald Schmidt am Flügel sitzen. Er klimpert eine Komposition zur großen Koalition vor sich hin und sagt dann zum Publikum: „Ich schätze, sechzig bis siebzig Prozent haben noch nie einen Flügel gesehen, oder? Wie? Achtzig? Ach ja.“

          Quelle: F.A.Z.

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