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Hamas-Kinderfernsehen : „Wir wollen die Juden auslöschen“

Farfour, die Hass-Mickymaus der Hamas Bild: AP

„Farfour“, die Mickymaus von „al Aqsa“, darf - fürs Erste - nicht weiter Hass verbreiten. Nur Tage nachdem ein israelischer Informationsdienst über einen antisemitischen Ausfall berichtet hatte, wurde die Sendung gestoppt.

          „Farfour“, die Mickymaus der islamischen Hamas im eigenen Fernsehprogramm „al Aqsa“, darf - fürs Erste - nicht weiter Hass verbreiten. Nur Tage nachdem ein israelischer Informationsdienst darüber berichtet hatte, wie die Kindersendung „Ruwad al-Ghad“ (Pioniere der Zukunft) mit „Farfour“ zum Kampf für Israels Ende aufruft, teilte der palästinensische Informationsminister Barguti mit, man müsse „vorsichtig mit der Jugend“ sein. Man dürfe sie „nicht missbrauchen und nicht zu Hetze sowie Völkerverachtung erziehen“.

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Zugleich aber leugnete Barguti, die Sendung verboten zu haben. „Al Aqsa“ selbst habe die Sendung aus dem Programm genommen, teilte er der palästinensischen Nachrichtenagentur „Maan“ mit. Die Hamas gab am Donnerstag bekannt, es werde nun eine andere, weitere Folge der Sendung vorbereitet.

          Wurde das Quäken richtig übersetzt?

          Barguti, der zu den Unabhängigen in der mehrheitlich von der Hamas geführten palästinensischen Einheitsregierung gehört, sagte weiter, wenn er stets dazu aufrufe, dass die Presse „neutral und glaubwürdig“ sein müsse, dann richte sich das nicht nur an die eigenen Medien, sondern zum Beispiel auch an die amerikanische Presse. Von der verlange er, dass sie „das Leiden des palästinensischen Volkes und die Verletzung der Menschenrechte durch die israelische Besatzung“ sorgfältig und wahrheitsgemäß ans Licht bringe. Barguti wirft auch vielen in der israelischen Presse antipalästinensische Hetze vor.

          Tatsächlich gibt es Streit, ob das Quäken von „Farfour“ in der Hamas-Sendung richtig übersetzt wurde. Arabische Mitarbeiter beklagten, dass nicht gesagt worden sei: „Wir wollen die Juden auslöschen“, sondern:“Die Juden schießen auf uns.“ Der Leiter des israelischen Mediendienstes aber nannte die Übersetzung korrekt. Das ergebe sich schon aus dem Kontext. Im „Pionier-Programm“ der Hamas unterhalten sich - nach der israelischen Übersetzung - ein junges Mädchen mit Kopftuch und eine Figur mit Mickymaus-Maske mit anrufenden Kindern: „Sanabel, was willst du zum Wohl der Al-Aqsa-Moschee tun?“ Eine Kinderstimme antwortet: „Wir wollen kämpfen.“ - „Und was sonst?“, fragt Farfour weiter. Mehrere Mädchen antworten einstimmig: „Die Juden auslöschen“ und „Märtyrer“ werden.

          Barguti will nach eigenen Angaben die Presse- und Meinungsfreiheit wahren, so wie es in der palästinensischen Verfassung stehe. Aber wer gegen die Regeln verstoße, müsse sich dafür auch verantworten. „Al Aqsa“ sendet aus dem Gaza-Streifen, wo die Hamas stark und unangefochten ist. Barguti operiert in Ramallah im Westjordanland. Das Ende der bisherigen „Farfour“-Serie sei in Kooperation mit „al Aqsa“ entschieden worden, sagte Barguti. Der Programmdirektor des Fernsehsenders Ayesch meinte nur: „Es gibt eine Entscheidung der Manager, nicht über diese Angelegenheit zu sprechen.“

          Quelle: F.A.Z. vom 11.05.2007

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