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Hacker erobern PBS-Website Wir sind die Zensoren

31.05.2011 ·  Vergangene Woche zeigte der amerikanische Fernsehsender PBS eine Dokumentation über den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning. Aus Protest gegen eine aus ihrer Sicht unfaire Darstellung schlugen anonyme Hacker nun zurück.

Von Detlef Borchers
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Eine Hackergruppe im Umfeld der Anonymous-Szene, die unter dem Namen „Lulzsec“ oder „Lulz Boat“ agiert, hat in der Nacht zu Sonntag die Internetpräsenz des amerikanischen Senders PBS angegriffen. In den aktuellen Nachrichtenüberblick des öffentlich-rechtlichen Senders fügten die Hacker eine Geschichte ein, derzufolge der ermordete Rapper Tupac in Neuseeland lebe und Schafe züchte. Auf einer anderen Website veröffentlichten sie Namen und Passworte von zweihundert PBS-Angestellten und die Namen von 1500 Journalisten und Medienorganisationen, die die Presseerklärungen von PBS abonniert haben. Etliche PBS-Websites wurden durch einen Vorschalter ersetzt: „Free Bradley Manning! Fuck Frontline!“

Anlass der Aktion war „Wikisecrets“, ein Dokumentarfilm über den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning, den PBS vergangenen Donnerstag ausgestrahlt hatte. Im Film wird Manning als verunsicherter junger Mann dargestellt, der als Homosexueller große Probleme hatte, sich in der Armee zu behaupten. Überdies gibt es Einblicke in Mannings Jugend und eine gescheiterte Beziehung zu einem Mann, dazu Ausschnitte aus dem Internet-Chat von Manning mit dem Hacker, der Manning im April 2010 den Behörden meldete. Auch Wikileaks-Chef Julian Assange wurde für den Film interviewt, fand sich aber nicht korrekt wiedergegeben. Der Dokumentarfilm sei feindselig und gebe die Arbeit von Wikileaks verfälscht wieder, beschwerte sich Assange noch vor der Ausstrahlung.

Verwahrlosung der Sitten

„Wir haben ,Wikisecrets' gesehen und sind nicht gerade beeindruckt. Wir haben uns entschlossen, mit unserem Lulz Boat zu den Servern von PBS zu segeln und diese etwas zu benutzen,“ meldete Lulzsec via Twitter. Aus „erzieherischen Gründen“ sperrte die Gruppe den Film. „So viel zur Meinungsfreiheit, Leute“, war eine der ersten kritischen Reaktionen. „Wenn ,Wikisecrets' Zensur ausübt, sind wir die Gegenzensur“, kam als Antwort von einem nicht identifizierbaren Twitter-Teilnehmer. Das Twitter-Konto, das allgemein Julian Assange zugerechnet wird, reagierte mit Verweisen auf die Tupac-Nachrichten und einem Link auf eine Meldung des kriminologischen Instituts der Universität Michigan. Dieses hatte 360 Zeitungsausschnitte vom November 2010 bis Februar 2011 ausgewertet und festgestellt, dass Assange durchweg als „Folk Devil“ (Anti-Establishment-Teufel) charakterisiert wurde.

Der Angriff auf PBS ist nicht die erste Aktion gegen eine Medien-Website. Zuvor hatte Lulzsec den Server des Senders Fox heimgesucht und die Nutzernamen von etwa vierhundert Mitarbeitern samt Passwörtern veröffentlicht. Nach der Aktion hatte Lulzsec betont, man zähle nicht zu Anonymous, teile aber deren Ziele und Ethik. Der Satz „All your base are belong to Lulzsec“, mit dem die Hacker ihren Server-Besuch illustrierten, ist eine Anspielung auf das Computerspiel „Zero Wings“. Der Satz mit seinem absonderlichen Englisch wird gern zitiert, wenn auf die Verwahrlosung der Sprache im Internet angespielt werden soll. Dass er nun für eine Aktion benutzt wird, in der eine Gruppe über die Berichterstattung eines Senders richtet, passt zur Verwahrlosung der Sitten derer, die die Meinungsfreiheit Andersdenkender „ansegeln“.

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