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Gunter Sachs bei Beckmann Brigitte Bardot war gar nicht so schrill

11.03.2008 ·  Gunter Sachs gilt als der ewige Playboy. Bei „Beckmann“ präsentiert er sich jedoch als Frauenversteher, nicht als Womanizer. Und er verrät, wie er die Bilder von Andy Warhol zum Schnäppchenpreis bekam.

Von Swantje Karich
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Der Fotograf, Galerist, Kunstsammler und Lebenskünstler Gunter Sachs wird für immer der deutsche Playboy der sechziger Jahre sein. Auch wenn er bei Beckmann gestern Abend klarstellte, dass er von seinen fünfundsiebzig Lebensjahren nur acht in dieser Freiheit verbrachte, von 1960 an bis 1968. Überhaupt: Ex-Ehefrau Brigitte Bardot hält er im Vergleich zu Paris Hilton für nicht besonders „schrill“. Bescheinigt ihr aber ein doch sehr fröhliches Leben. Britney Spears entlockt ihm keinerlei Kommentar. Frauen dieser Generation scheinen sein Interesse nicht zu wecken, da kann auch Beckmanns wiederholte Nachfrage nichts ausrichten.

Was soll ein Mann da auch erzählen, der jetzt schon seit vierzig Jahren mit seiner großen Liebe Mirja verheiratet ist? Er kann wohl wirklich nur eine Video-Liebesbotschaft seiner Ehefrau einblenden lassen. Gunter Sachs spricht schlicht von einer „Farce“: Es habe anscheinend keinen Nachfolger für ihn gegeben „und dann habe eben ich Wache geschoben“. „Das Spektakel ist nicht mein Fall. Ich habe viel stiller gelebt, als die Leute denken.“ Doch er bleibt wohl die Projektionsfläche träumender Nostalgiker. Sicherlich nicht der unpassendste Job: „Man liebte eben so lang man liebte, und dann ging man wieder seines Weges.“

Noch heute ohne Helm

Gunter Sachs gibt sich überraschend frei von jedem Narzissmus. Ihm bleibt nur zu sagen: „Ich fahre auch heute noch ohne Helm, mit Helm ist es langweilig, man hört nicht die Geräusche.“ Sehen so die Reste der Revolution der sechziger Jahre aus - was ist mit der Kunst? Beckmann ist auf diesem Gebiet kein Fachmann, und wir erfahren wenig. Dabei ist Sachs' Sammlung einzigartig. Sie ist zurzeit im Museum für bildende Kunst in Leipzig zu sehen: „Die Kunst ist weiblich.“ Die Millionen-Dollar-Werke der amerikanischen Pop-Art habe er als Wohnzimmercouch, als Badewanne genutzt, sagt Sachs, „es war sehr gemütlich in unserer Wohnung“.

Er spricht von seinem Kult-Pop-Art-Appartement im Palace-Hotel in St. Moritz, das als begehbares Kunstwerk in der Ausstellung in Leipzig nachgebaut ist: Dazu gehört eine von Roy Lichtenstein entworfene Badewanne, ein Tisch in Form einer Hand des italienischen Bildhauers César. Und endlich ahnt der Zuschauer, wie sich Gunter Sachs wohl damals gefühlt haben muss. Als Sachs 1969 in das Appartement einzieht, lässt er Tom Wesselman, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Arman, César, Yves Klein und Allen Jones die Räume gestalten. Warhol brachte Porträts von Sachs und dessen damaliger Frau Brigitte Bardot mit, Lichtenstein sorgte für den Bettüberwurf.

Fünf Frauen aus Wachs

Sachs holt Warhol 1972 in seine Hamburger Galerie an der Milchstraße. Seine europaweit erste Ausstellung zieht viele Besucher an, verkaufen lässt sich jedoch kein einziges Bild: Verlegen klebt Sachs selbst rote Punkte unter die Bilder und erwirbt für sich einen Großteil der Kunstwerke, darunter „Superman“ für 20.000 Mark. Als er sich im Jahr 2004 von dem Warhol-Gemälde trennt, bekommt er das Tausendfache. Das erste Bild, das Sachs kauft, ist ein Druck von Eugène Delacroix.

80.000 Mark habe man in seiner Jugend für einen Renoir ausgegeben, sagt Sachs: „Der Kunstmarkt heute ist aber völlig überzüchtet, obwohl ich still sein muss, ich will ja auch noch ran.“ Das für Sachs persönlich bedeutsamste Kunstwerk schuf der Franzose Jean Fautrier. Ein Vertreter des Informel und wie Sachs Liebhaber der Frauen: „Ich habe ihn einmal in seiner Wohnung besucht, der war eine Type; man kam bei ihm rein, er lebte mit vier, fünf Frauen, die eine blätterte in einer Zeitung, die andere saß am Klavier, doch alle waren aus Wachs.“

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Feuilleton.

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