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Guido Knopps ZDF-Abschied Es ging nur noch um Vernichtung

Zum Abschluss seines Wirkens für das ZDF entfacht Guido Knopp den „Weltenbrand“. Der Erste Weltkrieg erscheint in Farbe und wird von allen Seiten beleuchtet.

© Sylwia Mucha/ZDF Die deutschen Linien: Mit den Schlachten von 1914 beginnt im ZDF der „Weltenbrand“

Man muss nun doch mal ein gutes Wort für Guido Knopp einlegen. Beginnen wir mit dem Technischen dieser Produktion. Sie verwendet viel zeitgenössisches Filmmaterial. Aber man staunt: Waren das nicht diese Schwarzweißaufnahmen in unserer Jugend, mit den grotesk abgehackten Bewegungen wie in den lustigen Stummfilmen, nur trauriger? Mit dem Computer kann man diese Aufnahmen so bearbeiten, dass sie die Straßen- und Kampfszenen des Jahres 1914 in fließenden Bewegungen zeigen. Das ist das eine. Zum andern aber wurden diese Filme wirklich vollendet nachkoloriert, von Hand, wie das Programmheft mitteilt. Und so rückt alles sehr nahe, was um Weltalter von uns getrennt schien. Unheimlich.

Lorenz Jäger Folgen:

Loben aber muss man Guido Knopp - und den Historiker Sönke Neitzel, der als sein Berater tätig war - auch noch für ein Zweites. Deutschland war nämlich 1914 nur ein Akteur unter mehreren; und wenn der „normale“ History-Film dräuend den deutschen Generalstab, den Kaiser und den Reichskanzler und die Dicke Berta ins Bild setzt, die allein und bloß aus Weltmachtgelüst einen Weltbrand anzetteln, so wird es diesmal doch klar, dass auch etwa Frankreich der Kriegsausbruch insofern willkommen war, als man alte Rechnungen - die Niederlage 1871, den Verlust des Elsass und Lothringens - hoffte begleichen zu können.

Hitler und Bernard Montgomery

Und schließlich: Die Konzeption der Reihe „Weltenbrand“ läuft darauf hinaus, beide großen Kriege, den ersten und den zweiten, in ihrem Zusammenhang darzustellen: Die Folgeprobleme von 1914 bis 1918 waren es, die zu 1939 bis 1945 führten. An sich nicht gerade eine historiographische Neuigkeit, aber im deutschen Fernsehen schon etwas ungewöhnlich. Nur die erzählende Stimme von Christian „The voice“ Brückner mutet den Zuschauer aus Knopps zahllosen Hitler-Produktionen vertraut an, auch wenn er diesmal sein bewährtes Unheilspathos etwas sparsamer einsetzt.

Guido Knopp © Daniel Reinhardt/dpa Vergrößern Geschichtserzähler: Guido Knopp ist von nun an ZDF-Pensionär

Der erste Teil verfolgt, naturgemäß, wie man bei Knopp sagen möchte, den Krieg an zwei Figuren, die dann auch für den zweiten entscheidend wurden: an Hitler, der als Soldat im Westen diente und von dem sein Biograph Ian Kershaw in dem Film sagt, in dieser Zeit habe seine Entmenschlichung begonnen; und an Bernard Montgomery, der für die Briten nach Frankreich zog. „Monty“ hatte bis dahin nur in Indien Kampferfahrung gesammelt, gegen afghanische Stammeskrieger an der Grenze. Als das Gemetzel in Europa begann, war auch er begeistert, aber er hatte, wie sein Biograph mitteilt, noch Vorstellungen, die aus der Napoleonischen Zeit stammen mochten. Den ganz unromantischen technischen Krieg sah auch er nicht voraus. Eine Verwundung machte ihn taktisch vorsichtiger.

Eine Million Männer gefallen

Als Deutschland sich im Sommer in dem Zweifrontenkrieg wiederfand, den es immer gefürchtet hatte, versuchte man, die Entscheidung im Westen schnell herbeizuführen, und nahm einen Bruch des Völkerrechts in Kauf: Durch Belgien hindurch wollte man Frankreich von Norden her schlagen, da die Befestigungen im Westen sehr stark waren. In Belgien gab es die ersten Kriegsverbrechen. Diese wiederum brachten Großbritannien zur Kriegserklärung an Deutschland. Das Bild des Kinderhände abhackenden „Hunnen“ in der Propaganda war geboren. Danach, so legt Sönke Neitzel überzeugend dar, war ein Ende des Krieges auf politischem Weg nicht mehr denkbar. Der Westen hatte einen Feind gefunden, mit dem nicht mehr zu verhandeln, der nur noch zu vernichten war.

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Nur die legendäre Kriegsweihnacht 1914, als Briten und Deutsche für ein paar Tage einen Waffenstillstand hielten, gab für einen Moment den Blick in eine andere Sphäre frei. Eine Million Männer war zu diesem Zeitpunkt gefallen, entscheidend vorangekommen war bislang keine Seite, auch wenn die Franzosen das „Wunder an der Marne“ für sich verbuchen konnten und damit der Vormarsch nach Paris, achtzehn Kilometer von der Front entfernt, aufgehalten war.

Weltenbrand, Teil 1: Sündenfall läuft am Dienstag, 18. September, um 20.15 Uhr im ZDF.

Quelle: F.A.Z.

 
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