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Gruner+Jahr-Vorstand Julia Jäkel : Wir haben zwölf Jahre lang Kraft und Kapital investiert

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„Ich bin hier, um für Gruner + Jahr die richtigen Entscheidungen zu treffen“: Julia Jäkel Bild: Brauer Photos

Gruner+Jahr stellt die „Financial Times“ ein. Wir fragen das Vorstandsmitglied Julia Jäkel, ob es keine Alternative gab und ob dies das Ende des Qualitätsjournalismus in ihrem Hause ist.

          Der Vorstand von Gruner + Jahr hat beschlossen, die „Financial Times Deutschland“ einzustellen, „Impulse“ und „Börse Online“ zu verkaufen und allein mit „Capital“ weiterzumachen. Warum?

          Der Vorstand von Gruner + Jahr hat in der Tat beschlossen, die „Financial Times Deutschland“ und ihren Digitalauftritt einzustellen. Für „Impulse“ und „Börse Online“ prüfen wir derzeit einen Verkauf oder die Fortführung mit einem Management- Buyout. „Capital“ wollen wir weiterbetreiben, auch die Corporate-Publishing-Tochter „Facts and Figures“. Die wirtschaftlichen Aussichten der „FTD“ sind angesichts der schwierigen Situation, in der sich Tageszeitungen und das gesamte Wirtschaftssegment befinden, so, dass wir eine Fortführung dieser Zeitung nicht mehr darstellen können. Wir haben insgesamt, über zwölf Jahre hinweg, erhebliche Kraft und Kapital - über 250 Millionen Euro - investiert, es aber zu keinem Zeitpunkt geschafft, schwarze Zahlen zu schreiben. Wir sehen keine Chance, dass uns ein Turnaround in absehbarer Zeit gelingen würde, im Gegenteil, es fehlt mit Blick auf die kommenden Jahre eine realistische Perspektive. Diese Entscheidung trifft der Vorstand in seiner Verantwortung für das ganze Haus Gruner + Jahr.

          Der Aufsichtsrat mit den beiden Gesellschaftern Bertelsmann und der Jahr-Familie hat dem Vorstandsbeschluss zugestimmt. Können Sie uns sagen, ob das einstimmig erfolgte?

          Der Aufsichtsrat hat unserem Beschluss zugestimmt, zum Stimmverhalten der Gesellschafter äußern wir uns nicht. Ich kann Ihnen aber sagen, dass unsere beiden Gesellschafter durch die Situation sehr berührt sind und beide sehr genau wissen, welche Dimension diese Entscheidung hat. Und beide finden sie dennoch richtig.

          Wie viele Mitarbeiter werden ihre Stelle verlieren?

          Es werden leider mehr als dreihundert sein.

          Journalistisch ist die „FTD“ nicht gescheitert, sie genießt hohes Ansehen. Sie gehörten zum Gründungsteam des Blattes. Es kann Ihnen nicht leichtfallen, es einzustellen. Wie erklären Sie sich, dass es die „FTD“ nicht vermochte, in all den Jahren wirtschaftlich erfolgreich zu sein?

          Das stimmt, ich war von Tag eins der „Financial Times Deutschland“ an dabei, fünf Jahre lang. Auch deshalb ist diese Entscheidung für mich eine sehr emotionale und schwierige. Die „Financial Times Deutschland“ ist ein herausragendes, journalistisch hervorragend gemachtes Blatt. Die „FTD“, recherchestark, klar, frisch und meinungsstark, hat den Wirtschaftsjournalismus in Deutschland verändert. Aber nachrichtengetriebene Medien stehen durch die Digitalisierung zweifelsohne unter großem Druck, das gilt insbesondere für Wirtschaftstitel. Die „FTD“ ist zu einem Zeitpunkt - dem Beginn der New Economy - gegründet worden, als man von rosigen Zeiten träumte. Seither hat sich die wirtschaftliche Situation fundamental verändert.

          Mehr als dreihundert Mitarbeiter der „FTD“ verlieren ihre Stelle. Das Titelblatt vom 23. November zeigt mit bitterer Ironie an, wohin die Reise geht Bilderstrecke
          Mehr als dreihundert Mitarbeiter der „FTD“ verlieren ihre Stelle. Das Titelblatt vom 23. November zeigt mit bitterer Ironie an, wohin die Reise geht :

          Gab es keine Alternative? Sie haben bis zuletzt geprüft. Wie wäre es mit einer „FTD“ als Online-Medium gewesen?

          Wir haben das seit langer Zeit intensiv geprüft, genauer seit Anfang des Jahres, seit September bin ich im Vorstand. Es ging um zwei Modelle. Einmal eine Mischung aus verschlankter, gedruckter Tageszeitung und einem digitalen Paid-Angebot. Dazu hätten die Anzeigenrückgänge des Printproduktes digital kompensiert werden müssen. Gleichzeitig hätten wir eine ähnlich große Redaktionsstärke gebraucht wie heute, auch Druck und Logistik wären unverzichtbar. Das ist wirtschaftlich nicht darstellbar. Bei einer rein digitalen Lösung wäre es nicht anders. Beides bedürfte großer Investitionen, die wir für nicht vertretbar halten.

          Es heißt, es habe bis zuletzt Interessenten für die „FTD“ gegeben.

          Das ist wahr, wir haben bis Donnerstag mit einem potentiellen Investor gesprochen, der uns ein ernsthaftes Angebot gemacht hat. Allerdings konnten wir dem dort dargestellten Fortführungsszenario weder konzeptionell noch wirtschaftlich folgen.

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