23.11.2012 · Gruner+Jahr stellt die „Financial Times“ ein. Wir fragen das Vorstandsmitglied Julia Jäkel, ob es keine Alternative gab und ob dies das Ende des Qualitätsjournalismus in ihrem Hause ist.
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Keiner der verantwortlichen Herrschaften scheint sich je dem britischen
'Guardian' gewidmet zu haben. Das Blatt ist aus meiner Sicht das einzig
unangepasste Presseerzeugnis Europas. Dort werden die Dinge beim Namen
genannt, waehrend andere nur von einander abschreiben. Dabei bleiben die
Briten stets auf dem Teppich, sie meiden reisserische Toene und Pauschalurteile.
Die Pleite der deutschen FT ist ein Beispiel fuer mangelnde
Selbstkritik und Lernunfaehigkeit in Deutschland, ausserdem fuer
fehlende Leidenschaft am Journalismus. Wer Meinungsfuehrerschaft
anstrebt, muss Ungewoehnliches tuen und eigene Akzente setzen -statt
sich damit zu begnuegen, bloss der Ableger einer anderen Zeitung zu sein.
Die Koepfe von Gruner waehlten das falsche Vorbild und merkten es nicht
einmal.
das Investment von Verstand und Können mehr geholfen hätte...
war eben die wirtschaftskundige Klientel, die solche Blätter theoretisch kaufen sollte, und eine eher wirtschaftsunkundige aber dafür ideologisch gefestigte Autorenschaft. Interessant finde ich viel eher, daß so eine Publikation 12 Jahre lang rot fahren kann, ohne den Stecker gezogen zu bekommen. Daraus entnehmen ich, Zeitungen werden in Deutschland offenbar nicht nach wirtschaftlichen Kriterien, sondern von den Verlagshäusern mit anderen Zielen geführt. Wunderbar...
... wie eine Marionette?"
Ja.
Vielleicht sollten sich die Nieten in Nadelstreifen einmal überlegen, ob es sinnvoll ist eine Niete im Kostümchen in den Vorstand zu berufen, wenn sie es fünf Jahre federführend versucht hat ein Blatt rentabel zu gestalten, aber kläglich gescheitert ist.
Sehr aufschlußreich - über Frau Jäckel!
"Sehe ich aus wie eine Marionette?" ... "Dazu
gehören Rahmenbedingungen, die Gesellschafter stellen."
Frau Jäckel ist die Umsetzerin von Liz Mohns Gnaden. Von ihr ist
kein unternehmerisches Handeln zu erwarten. Sie übersetzt und
führt durch. Wird ja gut bezahlt. Denken und Entscheiden muß
es am Ende ohnehin die Geldgeberin, insbeondere DIESE. Frau Jäckel
sitzt aus, daß der Spuk bald zuende geht. Dann widmet sie sich
wieder ihrem Steckenpferd: operativer Aufbau der Postillien Essen,
Wohnen, Familie. Öffentlich rühmt sie sich ja selbst seit
Jahren dieser Stärke. Unterstützt vom Jugend-Forscht Team, das
"Sportsgeist" hat, das "Großes vorhat" und das
"auf Angriff schaltet".
Na wenn sich das nicht nach Pfeifen im Wald und Singen im Keller
anhört. Aber solange Familie Wickert und Familie Mohn gut
miteinander auskommen, wirds schon weitergehen.
Übrigens war die FT nie wirklkich guter Journalismus. Aber was
juckt das Bertelsmann, die können eben nur RTL - qualitativ
hochwertigen Schrott.
zwölf Jahre lang Kraft und Kapital investiert
blöd nur wenn die potentiellen Leser nicht auf dämliche Werbemails einsteigen, simple Werbemittel nicht attraktiv sind um ein Probe-Abo zu zeichnen..
Qualitätsjournalismus? Wie definiert denn das G+J
Sorry, aber den Stern und Spiegel mit Qualitätsjournalismus in Verbindung zu bringen ist schon Sprengstoff. Zum einen wissen gerade auch bei diesen Blättern die wenigsten Journalisten in D noch Berichterstattung von Kommentaren zu trennen, zum anderen werden kritische aber sachliche Kommentare der Leser einfach unterdrückt, wenn sie nicht in die Artikelbotschaft passen, die man rüberbringen will. Bei kleinsten Vorkommnissen in Politik und Wirtschaft werden sofort Verallgemeinerung und äußerst abwegige Systemschwächen ausgemacht und gegen Unternehmen die eine gewisse Konkurrenzsituation im Onlinezeitalter darstellen wird offiziell zu Felde gezogen, obwohl man deren Gratisangebote auch selber gern in Anspruch nimmt. Es ist eben auch eine gewisse Objektivität abhanden gekommen. Viele Beitrage werden mehr als Attacke wahrgenommen, eine Bildzeitung auf Hochglanzpapier eben. Wenn ich sie nicht gelegentlich im Flieger in die Hände bekommen würde, würde ich sie gar nicht mehr kennen.
Medien brauchen nicht nur Kunden, sondern Fans
Macintosh, iPod, iPhone, iPad "..revolutionized the
industry..." was Benutzerfreundlichkeit und breite Beteiligung an
Inhalten betrifft.
Unveräußerlich für Medien die Qualität der
Information. Eigene Recherche mit Korrespondenten, sachkundiges
Gegenlesen der Beiträge, ordnungspolitisch und ethisch fundierte
Kommentare, Plattform für gesellschaftlichen Diskurs in allen Bereichen.
Wer wie die F.A.Z. solches Niveau halten, kontinuierlich verbessern und
technisch erneuern kann, darf sich angesichts ernster Bedrohung solcher
Qualität auf genügend zahlungsbereite Fans verlassen.
So wie BILD Fans hat und behalten wird.
Das Trauerspiel imitierten Kommerzfernsehens von ARD und ZDF dagegen,
könnte auf DLF und Arte reduziert werden.
Als nächstes ist wohl der Stern dran
Aus aktuellem Anlass fällt der Blick auf den Stern. Die FR hat es vorgemacht und der Stern dürfte ein weiterer Kandidat sein, dem das Prinzip "Missionieren kommt vor Informieren" wirtschaftliche Probleme machen wird. Ich halte das aus informationshygienischen Gründen sogar für wünschenswert.
Die FTD macht es sich zu einfach, wenn sie die Schuld an ihrem Scheitern allein externen Faktoren (die Konkurrenz durch das Internet, die Finanzkrise, etc. pp.) zuschiebt. Bei der FTD stimme das journalistische Konzept einfach nicht. Zu keinem Zeitpunkt hat es die FTD vermocht, das hohe journalistische Niveau ihres britischen Mutterblattes "Financial Times" zu erreichen. Stattdessen kam mir die FTD zunehmend vor wie der erweiterte Wirtschaftsteil der "taz". Das konnte auf die Dauer nicht gutgehen.
Definition von Qualitätsjournalismus
"Entschuldigen Sie bitte: Wir haben den „Stern“, wir
haben „Geo“, wir haben „Brigitte“, um nur einige
Titel zu nennen, und wir sind am „Spiegel“ beteiligt. Schon
weit vor der Gründung der „FTD“ galt Gruner+Jahr immer
als das Haus von hervorragendem Journalismus. Wir sind der
Zeitschriftenverlag mit den meisten starken Marken in Deutschland, um
die uns alle Verlage beneiden."
Wie lächerlich ist das denn? Stern, Geo und Brigitte als Beispiele
für Qualitätsjournalismus?
Da verstehe ich aber was anderes unter Qualitätsjournalismus.....
Die FTD hätte man retten können. Es fehlte nur der Mut und
Können im Vorstand. Eine Abkehr von Print wäre zumindest ein
Versuch wert gewesen.
Wie lässt sich der Untergang aufhalten?
Die Situation ist mehr als traurig. Wo gibt es denn in der
Bundesrepublik noch Qualitätsjournalismus?
Viele Gazetten verkörpern mittlerweile nur den unkritischen
Niederschlag von Systemspielern. Die Öffentlich-Rechtlichen sind
vollends zu Verkündigungsapparaten der Staatslenker mutiert.
Online offenbaren z.B. Zeit und Spiegel ihre zeitgeistunkritische, naive
Linkslastigkeit. Rechtsaußen (JF) und linksaußen (taz) geht
es ebenfalls plump daher. Stern ist natürlich nicht ernst zu
nehmen, genauso wie die anderen Illustrierten. Nur die FAZ behauptet
sich noch als Fels in der Brandung.
Der Rest scheint mehr oder weniger befehlstreu die Meinungen der
Geldgeber abzubilden.
Ist denn nur die Gratiskultur an diesem Niedergang schuld?
Ich hätte mir von den FAZ-Autoren gewünscht, an der einen oder
anderen Stelle auch mal nachzuhaken. So wirkt das Interview in vielen
Dingen doch recht oberflächlich. Auf die Position des Betriebsrates
wird nicht weiter eingegangen. In Sachen Vermischung von Werbung und
redaktionellem Beitrag darf Frau Jäkel "Dieser Vorwurf ist
absurd" antworten, ohne dezidiert auf entsprechende Vorgänge
im Haus G+J angesprochen zu werden.
Das ist mir dann doch zu wenig.
Ich habe mein FTD-Abo gekündigt, weil mir das Blatt wirtschaftsfeindlich und Kapitalismus-feindlich vorkam. Eine nicht nur äußerlich rote Wirtschaftszeitung mit reißerischen Schlagzeilen geht nicht. Das marktwirtschaftliche System hat bei uns genug Feinde. Und anstatt Banken-Bashing die roten Ideologien bekämpfen, wäre besser gewesen. Bin nicht der Einzige mit dieser Meinung.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 24.11.2012 17:24 UhrIch habe die FTD unregelmäßig in Internet gelesen. Ich fand sie politisch auf dem Niveau
der Frankfurter Rundschau, links-grüner Mainstream eben.