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Grüne und Pädophilie Die taz kippt einen Artikel

 ·  Am Sonntag sollte in der „taz“ ein brisanter Artikel über die Verbindung von Grünen zu Pädophilen in den eigenen politischen Reihen erscheinen. Wieso wirft ihn die Chefredakteurin einfach aus dem Blatt?

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Der Journalist und „taz“-Redakteur Christian Füller ist ein streitbarer Schreiber. Er widmet sich Bildungs- und Wissenschaftsthemen. Er bezieht dabei eine Position, die häufig zu kurz kommt: die der Kinder, über deren Köpfe hinweg auch die zurzeit wieder auf Volldampf laufende Schul- und Elterndebatte läuft. Bei Füller hingegen geht es um die Zumutungen, denen die Schüler ausgesetzt sind. Er tritt für die Schwächeren ein, für die Opfer.

Das tut er auch mit Verve und seit langem mit Blick auf die Pädophilen-Szene, nicht nur in der „taz“, auch beim „Spiegel“ und in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Füller hat ein Buch über den sexuellen Missbrauch von Kindern an der Odenwaldschule geschrieben und mit anderen vor Jahr und Tag dafür gesorgt, dass die „taz“ die Geschichte eines ihrer Mitgründer aufschrieb, der an der Odenwaldschule einschlägig vorbelastet war. Erstklassige Aufklärung war das, mutig, unbestechlich, in der „taz“.

„Falsche Kausalzusammenhänge“

Doch geht es um das Thema „Die Grünen und die Pädophilen“, ist damit offenbar Schluss. Für die Wochenendbeilage der Zeitung war dazu nämlich ein Artikel Füllers unter dem Titel „Befreites Menschenmaterial“ vorbereitet. Die These: „Pädophilie war in der grünen Ideologie angelegt.“ Kurz vor Redaktionsschluss schoss die Chefredakteurin Ines Pohl das Stück aus dem Blatt. Der Artikel enthalte falsche Tatsachenbehauptungen, lautete die Begründung. Dabei hatte der Text die Prüfung durch den Justitiar bestanden. Am Montag, in der Redaktionskonferenz, war von „falschen Tatsachenbehauptungen“ nicht mehr die Rede, dafür von „falschen Kausalzusammenhängen“. Mit dieser Formulierung lässt sich vieles angreifen, das einem einfach nicht in den Kram passt.

Die „Kausalzusammenhänge“, die Füller in seinem Artikel herstellt, sind diese: Er verweist auf das Zeugnis einer jungen Frau, die schildert, wie sie als Zehnjährige von ihrem Onkel missbraucht wurde und daraufhin von Mitgliedern der grünen „AG SchwuP“ (Schwule, Päderasten und Transsexuelle) öffentlich lächerlich gemacht wurde. Er verweist auf einen Text von Daniel Cohn-Bendit, der 1975 in einem Buch von sexuellen Handlungen mit Kindern (angeblich fiktional) schrieb. Er verweist auf zwei Kommunen, in denen sich unter dem Mantel sexueller Befreiung der sexuelle Missbrauch von Kindern verbarg.

Alles aufgeklärt?

Dass es um Einlassungen und Vorkommnisse von vorgestern gehe, lässt Füller nicht gelten. „Die Frage ist nicht, wie alt diese Papiere sind, sondern wie grüne Politiker derart drastische Missbrauchsschilderungen lesen konnten, ohne sich auf die Seite der Opfer zu stellen. Wieso wurde offene pädokriminelle Propaganda einfach hingenommen? Die Antwort ist kompliziert und doch sehr einfach: weil die Grünen Gläubige sind. Sie glauben an die Moral von der Bewahrung der Schöpfung, der ehrlichen Politik und an eine bessere, weil grüne Welt. Empathie gibt es bei den Grünen nur für die Opfer der anderen.“ „Die pädophile Indifferenz der Grünen“, heißt es an anderer Stelle, sei, „anders als vermutet, keine Politik ohne Opfer. Es gibt sie, nur wagen bislang nur wenige Betroffene zu sprechen.“

Hätte man das am Wochenende in der „Sonntaz“ gelesen, hätte das natürlich schlecht zu dem Jubelartikel gepasst, der ein paar Tage zuvor Aufmacher war. Dort ging es um eine Forschungsprojekt, das der Politologe Franz Walter auf Wunsch der Grünen über deren Verhältnis zur Pädophilen-Lobby in den Anfangsjahren der Partei begonnen hat. Gemeinsam mit seinem Koautor Stephan Klecha hat Walter erste Ergebnisse in dieser Zeitung (F.A.Z. vom 12. August) minutiös dargelegt: dass Daniel Cohn-Bendit „nicht der einzige Grüne“ gewesen sei, „der Sex mit Kindern phantastisch fand“; dass „die Forderung nach einer Entkriminalisierung von Pädophilie“ 1980 „Eingang in das Grundsatzprogramm der neuen Partei“ fand und dass die Pädophilen nicht nur auf die Grünen, sondern auch auf die FDP setzten.

Ein versuchter Schlussstrich

Diese Erkenntnis führte dazu, dass die Wiesbadener FDP-Politikerin Dagmar Döring wegen eines Textes von ihr aus dieser Zeit ihre Bundestagskandidatur zurückziehen musste. In der „taz“ war der Tenor eindeutig: „Aufgeklärt!“, hieß es da. Aufgeklärt im Sinne von: Bravo, setzen, Ende! Und so las sich auch der Kommentar von Stefan Reinecke auf dem Titel der „taz“. Gerade rechtzeitig, könnte man denken, um den Grünen Unbill im Wahlkampf zu ersparen. Wobei man nicht vergessen sollte, dass sich die Partei erst durch Veröffentlichungen in der Presse veranlasst sah, die Geschichte aufzugreifen. Nach der Salami-taktik nun ein Schlussstrich - wie ihn jemand wie Christian Füller nicht gelten lassen will: Die Konfrontation zwischen „den grünen Schreibtischtätern mit ihren Opfern“ stehe erst noch bevor. „Die Grünen befinden sich inmitten ihrer moralischen und programmatischen Kernschmelze.“

Wäre das „nur“ das Thema der Grünen, müsste es die „taz“ nicht erschüttern. Dort aber schlägt die Sache durch den Eingriff der Chefredakteurin Ines Pohl ein. Zu dem Vorgang, heißt es auf Anfrage dieser Zeitung von ihrem Büro, wolle sie sich nicht weiter äußern. Die Sache sei in der Redaktionskonferenz ausführlich und sachlich besprochen worden. Es handele sich um einen innerredaktionellen Vorgang, und das solle auch weiterhin so bleiben. Wie schrieb Ines Pohl noch am vergangenen Samstag in der „Zeitungsdebatte“ bei „Spiegel Online“? „Journalisten sind da, um aufzudecken, aufzuklären und so zu kontrollieren und über die Herrschenden zu wachen.“ Ob das bei der „taz“ auch gilt, wenn es um die Grünen und die Pädophilen geht?

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