Schluss mit den Klagen über die Berliner S-Bahn, kaputte Straßen und einen Flughafen, der nicht fertig wird: Gestern zeichnete Google die Hauptstadt für die exzellente Anbindung ihrer Wirtschaft an die Verkehrswege der Zukunft aus, und die verlaufen bekanntlich im Internet. Ein Staatssekretär in der Senatsverwaltung nahm den „eTown Award“ entgegen, den zu tragen die Stadt berechtigt ist, weil der „eTown-Index“ es so sagt. Und der wiederum, teilt uns Google mit, setzt sich zusammen „aus dem Business Model Monitor Digital (BM²D)-Index“ und dem „Google AdWords-Index“. Ah ja. Der „BM²D-Index“ bilde die „Internetaffinität“ ab und werde vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ermittelt, basierend auf „Umfragewerten aus dem IW-Zukunftspanel“.
Einfacher gesagt: Irgendwelche Daten vom IW in Köln plus Nutzerzahlen von Googles Online-Marketing-Plattform „AdWords“, die Anzeigen immer so hübsch passend zum Suchbegriff zusammenstellt, sagen: Berlin ist ein Innovationszentrum, ganz gleich, ob und wie man dort leibhaftig vom Fleck kommt. Denn in der Hauptstadt verlagern laut „eTown-Index“ Unternehmen ihr Geschäft schneller ins Netz, inklusive Marketing und Vertrieb, als anderswo, das heißt zumindest schneller als anderswo im Postleitzahlenbereich 1.
Denn Google hat für jeden der zehn deutschen Postleitzahlenzonen eine Stadt zur „eTown“ gekürt, und siehe da, Berlin hat die Nase vorn im Vergleich zu Potsdam, Rostock und Stralsund. Donnerwetter. Darüber sollte man nicht schmunzeln, denn im Postleitzahlenbereich 8 hat sich Erding gegen München durchgesetzt. Leipzig, Delmenhorst, Gießen, Mülheim an der Ruhr, Mainz, Speyer, Offenburg und Nürnberg sind die anderen „digitalen Leuchttürme“. Damit sie weiter leuchten, bietet Google, der digitale Freund der Wirtschaft, der in Amerika im ersten Quartal dieses Jahres fünf Millionen Dollar für Lobbyismus und damit mehr als Apple, Facebook, Amazon und Microsoft zusammen ausgegeben hat und an der Berliner Humboldt-Universität ein „Institut für Internet und Gesellschaft“ finanziert, in den prämierten Städten Workshops speziell für kleine und mittelständische Unternehmen an. Dort sollen sie lernen, das Internet optimal zu nutzen. Zum Beispiel mit - Googles „AdWords“. So geht es zu in der „eTown“ an der Spree.