12.08.2010 · Den einen geht es um das Recht auf Privatsphäre und eine realistische Chance, Einspruch gegen Aufnahmen einzulegen. Google hält dagegen, die Frist von vier Wochen sei ausreichend und man wolle den Dienst noch in diesem Jahr in Deutschland starten.
Von Friederike HauptDer Protest gegen die Pläne von Google, noch in diesem Jahr zwanzig deutsche Städte in seinem Dienst Street View zu zeigen, nimmt zu. Nachdem das Unternehmen am Dienstag bekanntgegeben hatte, die größten Städte des Landes mit 360-Grad-Ansichten aller Straßen zu zeigen, hatten schon Datenschutzfachleute das Vorhaben scharf kritisiert. Dabei stand zum einen die Einführung des Dienstes selbst im Mittelpunkt; zum anderen wurden auch die Möglichkeiten, der Abbildung des eigenen Hauses im Internet zu widersprechen, als nicht ausreichend bemängelt. Google hat angekündigt, dass Bewohner der betroffenen Orte von nächster Woche an über die Internetseite www.google.de/streetview beantragen können, dass ihr Haus bei Google Street View unkenntlich gemacht wird. Allerdings setzt das Unternehmen dafür eine Frist von achtundzwanzig Tagen.
Dies erscheint nicht nur Datenschützern, sondern auch Mieter- und Vermieterverbänden als unzulässig. Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund nennt die Vorgehensweise von Google „überfallartig“: „Die Vier-Wochen-Frist ist viel zu kurz. Viele Menschen wissen noch gar nicht, was Street View ist, andere sind derzeit im Urlaub“, sagte er dieser Zeitung. Es gehe um das Recht auf Privatsphäre: „Es ist mein gutes Recht, zu sagen, dass ich meine Wohnzimmervorhänge nicht im Internet sehen will.“ Dem Argument, dass auch Passanten Häuser von außen fotografieren können, halten die Kritiker entgegen, dass Google seine Aufnahmen aus 2,90 Meter Höhe und systematisch gemacht hat: Monatelang fuhren Autos mit Kameras für das Unternehmen durch deutsche Straßen und fotografierten.
Eine Hotline wäre hilfreich
Auch der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, verlangt mehr Aufklärung von Google: „Es muss eine realistische Chance geben zu widersprechen. Das ist während der Sommerferienzeit wohl kaum der Fall“, sagte er dieser Zeitung. Eine Hotline - gerade für Ältere ohne Internetzugang - fände er hilfreich. Klärungsbedürftig sei außerdem, was mit den Daten passiere, die im Rahmen des Widerspruchsverfahrens von Google erhoben werden. Name und Anschrift müssen dort angegeben werden.
Google-Sprecher Stefan Keuchel sieht die skeptische Haltung vieler Deutscher „historisch bedingt“. Die Verkündung der Frist während der Ferien sei „kein besonders günstiger Zeitpunkt“ gewesen. Vier Wochen seien aber ausreichend. Außerdem wolle man eben noch in diesem Jahr den Dienst in Deutschland starten; das sei schon seit Monaten bekannt. Neben dem Abmeldeformular, das Google zur Verfügung stellen will, kann man sich schon jetzt und auch nach Ablauf der vier Wochen per E-Mail und Post (streetview-deutschland@google.com oder Google Germany GmbH, Betr.: Street View, ABC-Straße 19, 20354 Hamburg) an den Konzern wenden. Dieser beteuert, die Häuser der Unwilligen dann unkenntlich zu machen. Kritiker befürchten Fehler: Immer noch sieht man auf Street-View-Bildern aus anderen Ländern erkennbare Personen, obwohl das nicht sein dürfte; im Juli meldete „Google Watch Blog“ außerdem, dass Bilder aus dem deutschen Marl in der dreidimensionalen Darstellung einer niederländischen Stadt aufgetaucht seien.
Unterdessen verzeichnet eine Weltkarte hohe Zugriffszahlen, auf der das Analyse-Unternehmen „Aqute Intelligence“ zeigt, in welchen Ländern Klagen gegen Google Street View laufen. Mehr als die Hälfte davon kommen aus Europa; der Anlass ist bei den meisten die Tatsache, dass Google kürzlich zugab, mit seinen Street-View-Autos auch 600 Gigabyte persönlicher Daten aus Wifi-Netzen gelesen zu haben. Auch wehren sich Menschen in anderen Ländern schon dagegen, dass ihre Häuser und sie selbst gezeigt werden.
Nach Fristablauf lex google?
fritz Teich (fazfazfaz123)
- 12.08.2010, 14:05 Uhr
Einspruch fast noch schlimmer?
Jan Matthias (JanMatthias)
- 12.08.2010, 14:57 Uhr
Was genau ist das Problem?
Jens Uhlenbrock (jens_uhlenbrock)
- 12.08.2010, 15:23 Uhr
Street View nutzt das Eigentum Aller gewerblich
otto morgenroth (aurora2)
- 12.08.2010, 15:50 Uhr
Anregung für Bürgermeister
Jan Matthias (JanMatthias)
- 12.08.2010, 16:39 Uhr