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Google-Sprecher Ralf Bremer : Wir nennen es Sponsoring-Vertrag

  • Aktualisiert am

Angebote wie die Wahlkreiskarte von Google liegen bei Datenjournalisten im Trend Bild: Google

Google tastet sich in Deutschland an den Journalismus heran. Den ersten Ansatz zeigt die Seite google.de/wahlen. Wir wollen wissen, wie die Inhalte zustande kommen, wer redigiert und wer wem was bezahlt.

          Ende August, drei Wochen vor der Bundestagswahl, lud Google Deutschland Journalisten, Wahlkämpfer und Interessierte nach Berlin ein. Der Informationsabend galt der Wahlseite des Unternehmens, die für die Bundestagswahl als Forum für Wähler und Politiker konzipiert wurde. Ralf Bremer von Google stellte Protagonisten des Projekts vor. Er sprach mit dem Journalisten Tilo Jung über dessen Interviewformat „Jung und Naiv“, mit Vertretern des Vereins „Politik Digital“ über ihre Arbeit für die Seite und er stellte die Kunstfigur „OskarX“ vor, die mit einem politischen Rätselspiel an der Seite mitwirkt.

          Die Diskussion mit dem Publikum über den Vortrag von Julius van de Laar, der Erfahrungen als Wahlkämpfer für Barack Obama schilderte, verdeckte, worum es Google an diesem Abend im Besonderen ging. Seit dieser Woche bietet das Unternehmen eine Karte an, in der Nutzer per Postleitzahl Wahlkreise und sämtliche Kandidaten für die Bundestagswahl finden können. Am Wahlabend sollen ebenso detailliert die Wahlergebnisse präsentiert werden. Google versteht sein Angebot als eine Plattform für Dialog. Wir haben nachgefragt, ob es sich nicht tatsächlich um Journalismus handelt, für den das Unternehmen klassische Verlagsaufgaben übernimmt. (stsch)

          Herr Bremer, zur Bundestagswahl bietet Google in Deutschland erstmals eine eigene Internetseite an. Auf ihr findet sich eine Wahlkreiskarte, mit der sich die rund 3500 Direktkandidaten finden lassen. Wie ist die Idee entstanden und wie kompliziert war die Umsetzung?

          Die Idee dazu stammt von „Politik Digital“. Mitarbeiter von dort fragten uns, ob wir das Projekt „Dein Kandidat“, unterstützen würden. Nach unserer Kenntnis gab es so etwas noch nicht. Wir haben uns die Idee angesehen und mit dem Entwicklerteam gesprochen, das bei Google die Wahlinitiativen betreut.

          Sie haben ein internationales Team, das die Technik aller Wahl-Seiten betreut.

          Ja. Die Entwickler sitzen in New York, Washington, einige auch in Zürich. Sie haben Wahl-Seiten in mehr als zwanzig Ländern umgesetzt.

          Wie viele Leute arbeiten an der Karte? Das Projekt erfordert zu weiten Teilen auch Handarbeit.

          Ich würde schätzen, bei „Politik Digital“ waren drei bis vier Personen damit beschäftigt. Bei uns haben zwei Teams ungefähr ein halbes Jahr an der Umsetzung der Karte gearbeitet.

          Ralf Bremer ist seit drei Jahren Sprecher von Google Deutschland in Berlin
          Ralf Bremer ist seit drei Jahren Sprecher von Google Deutschland in Berlin : Bild: Google

          Wie arbeiten Sie mit dem Bundeswahlleiter zusammen? Sie planen, am Wahlabend auch die Ergebnisse aufzuführen.

          Wir sind auf den Bundeswahlleiter zugegangen, wie es viele andere Informationsanbieter wahrscheinlich auch tun. Der Bundeswahlleiter bietet eine technische Schnittstelle, letztlich eine Datei per Download, an. Wir haben uns für den Zugang zu den Daten wie viele Informationsdienstleister registriert.

          Jan Leidecker, ein Kandidat für die Linke in Hannover, fragte bei der Pressevorführung der Karte, ob sein privates „Google Plus“- Profil ungefragt in der Karte aufgeführt werden müsse. Steffen Wenzel, der Geschäftsführer von „Politik Digital“ sagte, dass es sich um ein Angebot von Google handelt, „Google Plus“ also im Mittelpunkt stehe. Was regelt die Vereinbarung zwischen Google und „Politik Digital“ in dieser Hinsicht?

          Wir müssen darauf achten, dass wir bei unseren Angeboten Informationen zeigen, die wir verifizieren können. „Google Plus“-Seiten sind letztlich nichts anderes als eine Art Internetseite der betreffenden Person im Netz. Zusätzlich wird die eigene Internetseite der Kandidaten verlinkt. Bei den Parteien bekommt man im übrigen auch deren Facebook-, Twitter- oder Youtube-Profile angezeigt.

          Übernimmt Google für die redaktionelle Arbeit von „Politik Digital“ klassische Verlagsaufgaben, also Finanzierung, Vertrieb und technische Umsetzungen?

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