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Google Contributor : Werbefrei gegen Gebühr

Ein Ort für Innovationen: Google Bild: AP

Mit Googles neuem Dienst Contributor lässt sich Werbung ausblenden - gegen Gebühr. Google schlägt damit gleich drei Fliegen. Können sich die Verlage von dem Modell etwas abschauen?

          Man muss wirklich sagen, dass Google nicht nur propagiert, anderen stets voraus zu sein und sich das scheinbar Unmögliche vorzunehmen. In dem Konzern denkt man wirklich immer genau den Schritt weiter, vor dem alle anderen zurückschrecken. Und handelt danach. So probiert Google in den Vereinigten Staaten jetzt ein Angebot namens „Contributor“ aus, von dem man zunächst denken könnte, es mache das eigene Geschäft kaputt: Gegen eine schmale Gebühr von einem bis drei Dollar pro Monat, deren exakte Höhe der Nutzer selbst bestimmen kann, werden zunächst zehn Websites angeboten, auf denen, wenn man auf sie zugreift, die von Google normalerweise eingespielte Werbung nicht mehr erscheint. Stattdessen gibt es graue Flächen oder Danke-schön-dass-Sie-ein-Contributor-sind-Botschaften zu sehen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Damit schlägt Google drei Fliegen mit einer Klappe: Es trägt der Werbemüdigkeit von Internetnutzern Rechnung, wappnet sich gegen Werbeblocker-Dienste wie Adblock-Plus, die ihrerseits Reklame ausschalten, und wirkt der im Netz herrschenden Gratismentalität entgegen. Vor allem mit Blick auf die Werbeblocker ist das ein kluger Schachzug. Die machen nämlich ein ziemlich undurchsichtiges Geschäft: Sie schalten Werbung aus, doch lassen sie auch welche durch – von Firmen, die sie dafür bezahlen. Klassische Schutzgelderpressung könnte man das nennen. Für die Inhaltebieter – in Amerika sind zum Beispiel „Mashable“, „Science Daily“ und „The Onion“ dabei – hat das neue Google-Abo Vor- wie Nachteile. Werbeeinnahmen gehen flöten, doch dafür kommt etwas Geld durch die Abogebühr herein, die Google genauso verteilt wie bei seinem Werbedienst Ad Sense: Zwei Drittel der Einnahmen gehen an den Inhalteanbieter, ein Drittel behält Google. Die Ausschüttung der Gebühr erfolgt jedoch in ganz kleinen Stücken – bezahlt wird nach der Zahl der Seitenaufrufe.

          Ob das etwas ist, mit dem sich die klassischen Verlage anfreunden können, ist die Frage. Für Google ist es angeblich ein Nullsummenspiel: ein Minus bei Werbung, ausgeglichen durch die Abogebühr. Für die Inhalteanbieter könnte die Rechnung anders aussehen. Die sind in der ganzen Welt dabei, eigene Abosysteme auszuprobieren. Den Stein der Weisen hat noch niemand gefunden, doch weiß jeder, dass man seine Inhalte nicht ewig und drei Tage kostenlos anbieten kann. Man muss sowohl Reichweite haben als auch Erlöse aus Werbung und Abogebühr (es sei denn, man wird zwangsweise von allen finanziert, etwa durch den Rundfunkbeitrag). Google, der Umsatzweltmeister der Online-Werbung, probiert das jetzt aus. Vor allen anderen. Mal wieder.

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