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Veröffentlicht: 20.03.2017, 10:33 Uhr

Der Amerikanische Wähler Sag mir, was du fährst, und ich sage dir, was du wählst

Das ist Politik in Bewegung: Bei Google will man herausgefunden haben, mit welcher Motorisierung Bürger für Trump oder Clinton stimmten.

von Adrian Lobe
© dpa Weiß man, wen er wählen wurde? Der Sohn von Ivanka Trump, Joseph Frederick Kushner, sitzt in einer Limousine.

Sozioökonomische Daten wie das Haushaltseinkommen oder Bildungsabschlüsse zu erheben war im analogen Zeitalter aufwendig. Man musste Stichproben nehmen, Befragungen durchführen und die Daten von Hand auswerten. Im digitalen Zeitalter ist das einfach und billig. Die Datenauswertung übernimmt die Maschine, und die Daten müssen nicht erhoben werden, weil die Menschen sie selbst abliefern.

Die Professorin Fei-Fei Li, Direktorin des Stanford Artificial Intelligence Lab und zurzeit Chefwissenschaftlerin von Google Cloud, hat eine neue Methode entwickelt, Trends zu erkennen. Statt an Türen zu klopfen oder Bürger telefonisch zu interviewen, fütterten die Wissenschaftler ein neuronales Netzwerk mit fünfzig Millionen Fotos aus Google Street View aus zweihundert Städten in den Vereinigten Staaten.

Ein Algorithmus, der Autos – Hersteller, Modell, Hubraum – erkennt

Der Algorithmus lernte, anhand bestimmter Vorgaben automatisch Fahrzeuge auf der Straße zu erkennen – insgesamt 22 Millionen. Das entspricht acht Prozent der in Amerika zugelassenen Fahrzeuge. Nachdem das Netzwerk mit den Daten gefüttert wurde, konnte der Algorithmus nicht nur die Fahrzeugklasse unterscheiden, sondern die Autos genau identifizieren – Hersteller, Modell, Hubraum, Preis, Baujahr. Der Algorithmus konnte sogar anhand der Rücklichter einen Honda Accord 2008 von einem Honda Accord 2007 unterscheiden. Mit den Daten offizieller Wahlergebnisse trainierten die Wissenschaftler das Modell, die identifizierten Fahrzeuge in einem bestimmten Gebiet mit Variablen wie Rasse, Bildungsgrad, Einkommen und Wählerpräferenzen abzugleichen.

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Das Ergebnis: Asiaten fahren eher Honda und Toyota, Afroamerikaner Chrysler, Buick und Oldsmobile, in überwiegend weißen Communities sind eher Volkswagen und Aston Martin anzutreffen. „Wir haben herausgefunden, dass, wenn man fünfzehn Minuten durch eine Stadt fährt und Limousinen und Pick-ups zählt, man verlässlich bestimmen kann, ob die Stadt republikanisch oder demokratisch gewählt hat“, schreiben die Autoren in ihrem Paper. „Gibt es mehr Limousinen, votierte die Stadt mit einer Wahrscheinlichkeit von 88 Prozent für die Demokraten, bei mehr Pick-ups zu 82 Prozent für die Republikaner“: Sag mir, was du fährst, und ich sage dir, was du wählst.

Google verfügt über mehr Daten als jede Statistikbehörde

Das Fahrzeug soll ein Bestimmungswert für den sozioökonomischen Status (des Eigentümers) sein, der wiederum das Wahlverhalten erklärt. Nur wählt, wer einen Pick-up fährt, nicht zwingend die Republikaner und sind Limousinenfahrer nicht automatisch bei den Demokraten zu verorten. Die Untersuchung ist so abgefasst, dass man den Eindruck bekommt, hier verwechsle jemand eine Korrelation mit einem Kausalzusammenhang. Das wäre nicht so wild, verfügte Google nicht über mehr Daten als jede Statistikbehörde: Alter, Beruf, Familienstand, Hobbys, private Vorlieben, Wahlabsichten.

Am 8. November 2016, dem Tag der Präsidentenwahl, registrierte die Suchmaschine von Google einen starken Zuwachs von Suchanfragen nach Donald Trump und konnte daraus die Prognose ableiten, dass es für den republikanischen Kandidaten gut aussehe. Die Demoskopen lagen sowohl beim Brexit als auch bei der Wahl in Amerika so weit daneben und seien schon so „2016“, dass man Wahlergebnisse besser mit einem Algorithmen-Scanner vorhersagt, so der unterschwellige Ton der Studie. Die Daten dafür aber hat – ein privater Konzern.

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