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Gewalt in Fernsehserien Es war einmal eine Krimiserie in Amerika

 ·  Fernsehkritiker denken um: Nach dem Massaker von Sandy Hook ist die Darstellung von Gewalt nicht mehr selbstverständlich. Das bekommt die neue Serie „The Following“ mit Kevin Bacon zu spüren.

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© dapd Vergrößern In „The Following“ spielt Kevin Bacon (vorne) einen abgehalfterten Polizisten, der einen Killer jagt. Es ist eigentlich alles wie immer im Krimi. Und auch wieder nicht

Neu ist es nicht, was man in der Fox-Serie „The Following“ zu sehen bekommt: Ein alkoholkranker ehemaliger Polizist (Kevin Bacon, dem die Rolle des Ryan Hardy dank seiner fahrigen Erscheinung zumindest optisch gut steht) wird in den Dienst zurückberufen, weil ein Serienkiller (James Purefoy als arroganter Bösewicht Joe Carroll), den er zu fangen half, aus der Todeszelle entwischt ist. Doch kommt die Serie zu einer denkbar schwierigen Zeit: Darf man, so fragte die amerikanische Fernsehkritik, nur ein paar Wochen nach dem Massaker von Sandy Hook, einfach so zur Gewaltdarstellung in der Popkultur übergehen, als wäre nichts gewesen?

„The Following“ ist nicht nur äußerst brutal - unter anderen rammt sich in der Auftaktepisode eine hüllenlose Tätowierte ein Messer ins Auge, und eine ganze Gruppe von Gefängniswärtern liegt in Blutlachen. Die Serie spielt zudem mit der Verbreitung von Gewaltphantasien über das Internet: Der Killer, ein Literaturprofessor mit einem Faible für Edgar Allan Poe, hat eine titelgebende Gemeinde von Fans um sich versammelt, die sich wie Schläfer aus der heimeligen Vorstadt-Atmosphäre schälen, um es ihm gleichzutun.

Kritiker denken um

Dass die Gewaltorgien in „The Following“ von einem Dichter wie Poe inspiriert sind, der als ein Pionier der Kriminalgeschichte und Vorreiter des modernen Horrorgenres gilt, ist sicher eine beabsichtigte, womöglich sogar eine defensive Wendung des Serienschöpfers Kevin Williamson, der sich in diesem Genre unter anderem mit den Kinofilmen „Scream“ und „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ profiliert hat. Aber was als cleverer Psychothriller auftritt, ergötzt sich zu sehr an Grausamkeiten. Und wiewohl die amerikanische Fernsehkritik weit davon entfernt ist, die vielbeschworene kausale Verknüpfung von medialer und realer Gewalt zu befeuern, hat sich doch ein Unwohlsein im Hinblick auf zweckfreie Gewaltdarstellungen breitgemacht. Früher wäre das vielleicht einfach so durchgegangen. Doch die Kritiker denken um.

„Unsere Sehnsucht nach sichereren Gemeinden kann sich nicht in der Bestellung sonnigerer Fernsehprogramme erfüllen“, schrieb die „Washington Post“, welche die Serie nichtsdestotrotz als „abgedroschene Übung in Gewalt“ verriss. Die „New York Times“ bemerkte, „The Following“ habe zwar keine wesentlich schlimmeren Brutalitäten zu bieten als etablierte Krimiserienware wie „CSI“, trivialisiere diese aber auf unentschuldbare Weise.

Vorwand für Metzeleien

Der Versuch, dem Krimi einen vielschichtigen Rahmen zu geben, wie es vergleichbaren Serien wie „Dexter“ oder „Breaking Bad“ gelingt, wirkt hier bloß wie ein Vorwand für Metzeleien, die im Kino mit dem Begriff „torture porn“ belegt werden. Hämisch grinsend spielt der Killer Carroll seinem Widersacher in einer Szene die Schreie eines Opfers vor, mehrfach, und er kommt dabei scheußlicherweise cooler weg als Hardy, dessen lodernder Blick mit zusammengepressten Lippen bloß stereotyp ist. Dass der Polizist Hardy selbst den Mörder zu bewundern scheint, droht der Serie jede moralische Verankerung zu nehmen. „Ich habe selbst in seinen Vorlesungen gesessen“, sagt er in einer Szene, „er ist phantastisch. Er inspiriert Menschen. Das ist ein Geschenk.“

Interessantere Einfälle - Hardy trägt nach einem Kampf mit Carroll einen Herzschrittmacher, und er hatte eine Affäre mit Carrolls Frau - treten zumindest in der Auftaktepisode in den Hintergrund. Auch Carrolls „Schläfer“ und sein Wunsch, Hardy zu einem unwilligen „Kollaborateur“ zu machen, könnten faszinierender sein als detailreiche Greuel. Dass der Schockwert der ersten Folge der aufsehenerregenden Einführung einer neuen Serie in einen hartumkämpften Fernsehmarkt dient, mag man hoffen. Aber es steht zu befürchten, dass sich „The Following“ in der Illustration des Poeschen Satzes erschöpft, der Tod einer schönen Frau sei das poetischste Thema der Welt.

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