02.04.2008 · Seit einem Jahr versteckt sich die russische Journalistin Elena Tregubowa in London. Vor ihrer Haustür in Moskau explodierte 2004 eine Bombe, kurz nachdem ihr Buch „Mutanten des Kreml“ erschienen war. Jetzt wurde entschieden, ob England sie als politischen Flüchtling anerkennt.
Seit einem Jahr versteckt sich die russische Journalistin Elena Tregubowa in London. Vor ihrer Haustür in Moskau explodierte 2004 eine Bombe, kurz nachdem ihr Buch „Mutanten des Kreml“ erschienen war. Jetzt wurde entschieden, ob England sie als politischen Flüchtling anerkennt.
Frau Tregubowa, Sie haben Nachricht vom englischen Innenministerium erhalten?
Ja, jetzt ist es offiziell: Das Innenministerium hat mich als politischen Flüchtling anerkannt. Großbritannien gewährt mir Asyl. In meinem Pass gibt es nun den Vermerk, dass ich unter die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 falle. Das ist in der Geschichte der erste Fall, dass Großbritannien einen russischen Staatsbürger als Flüchtling anerkennt.
Wie lange haben Sie darauf gewartet?
Die Entscheidung, nicht mehr nach Russland zurückzukehren, habe ich im Januar des vergangenen Jahres getroffen. Ich habe mich an einen Anwalt gewandt, unterschrieben habe ich den Antrag auf Asyl am 23. April. Daran erinnere ich mich deshalb so genau, weil es der Tag war, an dem Jelzin starb.
Sind Sie immer noch bedroht?
Ich stehe, seit ich hier bin, unter dem Schutz von Scotland Yard. Näheres will ich dazu nicht sagen. Aber es ist sicherlich aufschlussreich, dass der englische Außenminister David Miliband vor wenigen Tagen den Bericht seines Ministeriums veröffentlicht hat, wonach Russland in Bezug auf Demokratie und Menschenrechte auf der gleichen Stufe mit Iran und Irak steht. Keine Redefreiheit, keine freien Medien, keine freien Wahlen.
Das klingt nicht so, als ob Sie hofften, in näherer Zukunft nach Russland zurückzukehren.
Natürlich nicht - so lange der Vandale Putin dort regiert.
Mit Dimitrij Medwedew hat Russland einen neuen Präsidenten erhalten . . .
Dazu erzählt man sich einen guten Witz. Putin geht mit Medwedew ins Restaurant. Sagt zum Kellner: „Ich hätte gerne das Steak.“ Fragt der Kellner: „Und was ist mit dem Gemüse?“ Antwortet Putin: „Mr. Medwedew nimmt auch ein Steak.“ Die Situation hat sich nicht verändert, oder wenn, nur verschlechtert. Russland wird weiter versuchen, über seine Ölressourcen Druck auf andere Länder auszuüben.
Mit Blick auf Ihr tägliches Leben: Was ändert es für Sie, als Flüchtling anerkannt worden zu sein?
Ganz praktisch? Erst einmal nicht viel. Ich kann reisen, wenn ich möchte. Der sicherste Ort für mich ist, das glaube ich, zurzeit England. Aber ich bin erleichtert. Ich bin dankbar und auch stolz auf diese Regierung hier, die mich nicht irgendeinem Konflikt geopfert hat. Als bekannt wurde, dass Lugowoi nicht nach England ausgeliefert wird . . .
Andrej Lugowoi wurde von den englischen Behörden als Hauptverdächtiger im Mordfall Litwinenko bezeichnet . . .
Richtig. Russland weigert sich, ihn auszuliefern. Ich hatte Angst, England könnte mich für ihn austauschen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind zerrüttet genug, ich habe befürchtet, dass die britische Regierung sich gegen mich entscheidet. Etwa so: Um noch mehr Konflikte zu vermeiden, schicken wir Elena Tregubowa zurück nach Moskau. Sie haben es nicht getan. Sie können sich nicht vorstellen, wie glücklich ich jetzt bin.
Trotzdem müssen Sie weiter untertauchen?
Ich kenne die Leute vom Kreml. Ich weiß, wie rachsüchtig sie sind. Aber zu wissen, dass ich nicht ausgeliefert werde, ist viel wert. England hat mir mit der Entscheidung ein neues Zuhause gegeben, wo ich bleiben kann.
Als Ihr Buch „Die Mutanten des Kreml“ erschien, wurde es von Kritikern sehr gelobt. Kommen Sie überhaupt noch zum Arbeiten?
Ich schreibe wieder ein Buch. Mehr will ich dazu nicht sagen.
Meine volle Bewunderung
Werner Hannappel (Brooce)
- 02.04.2008, 17:36 Uhr
Russland wird weiter versuchen, durch die Energierohstoffe Druck auszuüben
Peter Müller (Henrico)
- 02.04.2008, 18:18 Uhr
Rule Britannia
Gabor von Zoltan (Putinras)
- 03.04.2008, 15:38 Uhr