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Veröffentlicht: 18.02.2013, 17:00 Uhr

Gerichtsdrama auf Sat.1 Schauspielerfernsehen vom Feinsten

Sat.1 sendet heute Abend eine kluge Eigenproduktion: „Im Alleingang - Elemente des Zweifels“ ist ein veritables Gerichtsdrama. Der Film zeigt zugleich, wie man Figuren hervorragend in Szene setzen kann.

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© Sat.1 Die Nacht ist durchzecht, die letzten Schnäpse sind getrunken, für letzte Zigaretten aber muss noch Zeit sein: Margit Actis (Rebecca Immanuel, links) und Maria Schwadorf (Stefanie Stappenbeck) haben dabei Entscheidendes zu besprechen.

Actis. Dieser Mann hat keinen Vornamen. Nicht einmal seine Frau hätte dafür Verwendung. Denn ihr Mann ist weniger ein Charakter als ein Zustand. Er ist die personifizierte Dominanz, das Überlegenheitsgefühl auf zwei Beinen: als Anwalt - beinahe - ungeschlagen und mit Schlag bei den Frauen, seine Trophäensammlung ist groß.

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So erschüttert es diesen Actis auch nur für einen Augenblick, dass er wegen Vergewaltigung angezeigt worden ist. Er weiß, dass das nicht stimmt, die Zuschauer wissen es auch und ebenfalls die von ihm zu seiner Verteidigung engagierte Kollegin Maria Schwadorf, die er einst in seiner Kanzlei und als Geliebte hatte, nach einem Unfall, der sie in den Rollstuhl zwingt, aber verstieß. Im Nu ist Actis draußen, nicht aber der Berliner Justizsenator Ertel, der die Kindergärtnerin Vivian Altmann tatsächlich sexuell missbraucht hat. Actis vertritt im anstehenden Prozess nun Ertel, Maria Schwadorf übernimmt das Mandat für die Misshandelte, deren sexuelle Vorlieben den Fall erst diffizil machen. Vivian Altmann steht auf „harten“ Sex, mit dem Justizsenator war sie zu einem entsprechenden Stelldichein im Hotel verabredet, nur ging der dann zu weit. Viel zu weit. Wo ist die Grenze? Die ist erreicht, sobald eine Frau „halt“ sagt, hören wir am Ende von der Zeugin, deren Aussage im Gerichtssaal die Wende bringt.

Ein unwiderstehlicher Fiesling

Aus dieser Konstellation könnte sich nun ein konventionelles Gerichtsdrama entwickeln, wie wir es in den amerikanischen Fernsehserien allabendlich sehen. Der Film „Im Alleingang - Elemente des Zweifels“ aber hat sich mehr vorgenommen. Das Buch von Hardi Sturm und die Regie von Jan Ruzicka geben jeder einzelnen Figur Raum und den Beziehungen der Protagonisten untereinander Zeit, sich zu entwickeln. Da haben wir die Rivalität zwischen den Anwälten Actis und Schwadorf, das Opfer, das bald auch noch mit dem Assistenten seiner Verteidigerin anbändelt, den jämmerlichen Angeklagten, dessen gedemütigte Ehefrau und schließlich - an entscheidender Stelle - Margit Actis, die ihren Mann seit geraumer Zeit schon überwachen lässt und deshalb ein Beweismittel in Händen hält, das die entscheidende Wendung bringen könnte - wenn sie es denn einsetzte. Doch soll sie sich dazu ausgerechnet von der Opponentin ihres Mannes überreden lassen, die wenig stolz darauf sein kann, dessen Macht-Charme einst auch erlegen zu sein?

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Neunzig Minuten Schauspielerfernsehen gibt es heute Abend bei Sat.1 zu sehen. Hannes Jaenicke schlüpft in die Rolle des unwiderstehlichen Fieslings wie in einen Maßanzug, Stefanie Stappenbeck als Maria Schwadorf und mehr noch Rebecca Immanuel als Margit Actis stehen dem nicht nach, Alice Dwyer als Vivian Altmann nicht zu vergessen. Und dann ist „Im Alleingang - Elemente des Zweifels“ eben auch noch ein veritables Gerichtsdrama sowie ein Lehrbeispiel dafür, wie man Räume und in diesem Figuren derart in Szene setzen kann, dass man von jeder einzelnen Rolle schon vor dem ersten Dialog einen klaren Eindruck bekommt. Dafür sorgt die Kamera von Gunnar Fuß.

Sehr viel bessere, selbstproduzierte Filme hat Sat.1 so schnell nicht im Programm. Es war ein Glücksfall, dass die erste Geschichte mit den beiden Anwälten (“Im Alleingang - Stunde der Krähen“) vor einem Jahr so gut ankam und den Sender veranlasste, eine Fortsetzung in Auftrag zu geben. Den dritten Teil haben wir schon vor Augen. Der Anwalt Actis kündigt seiner Widersacherin den nächsten Countdown schließlich auch schon an.

Glosse

133 827 693,80 Euro

Von Michael Hanfeld

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