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Grimme-Preis : Was ist los mit Böhmermann?

  • Aktualisiert am

Im Januar bekam Jan Böhmermann den Deutschen Fernsehpreis. Da konnte er noch guter Dinge sein. Der Verleihung des Grimme-Preises will er jetzt lieber fernbleiben. Bild: dpa

Heute Abend sollte Jan Böhmermann in Marl den Grimme-Preis in Empfang nehmen. Jetzt hat er seine Teilnahme abgesagt. Ist das einer seiner Fakes? Warum bat er das Bundeskanzleramt um Hilfe? Und wieso meldet sich das ZDF bei der Türkei?

          Ist das wieder ein Fake oder meint er es ernst? Der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann hat seine Teilnahme an der Grimme-Preis-Verleihung am Freitagabend in Marl abgesagt. Das Grimme-Institut bestätigte das auf Anfrage. „Ich fühle mich erschüttert in allem, an das ich je geglaubt habe“, postete Böhmermann auf Facebook. „Mein Team von der Bildundtonfabrik und ich bitten um Verständnis, dass wir heute Abend nicht in Marl feiern können.“

          Böhmermann sollte den Preis für seine Satire rund um den Mittelfinger des griechischen Ex-Finanzministers Giannis Varoufakis bekommen. Zurzeit ermittelt jedoch die Mainzer Staatsanwaltschaft gegen ihn und gegen Verantwortliche im ZDF wegen des mit „Schmähkritik“ betitelten Gedichts, das Böhmermann in der vorletzten Ausgabe seiner Show „Neo Magazin Royale“ vorgetragen hatte. Der Mainzer Staatsanwaltschaft liegen mehr als zwanzig Anzeigen wegen Beleidigung vor. Das ZDF hatte den Beitrag aus der Wiederholung der Sendung herausgeschnitten und aus der Mediathek gelöscht.

          Böhmermann bat Altmaier um Hilfe

          Böhmermann selbst hatte sich in der Angelegenheit offenbar direkt an Kanzleramtsminister Peter Altmaier gewendet, wie der „Spiegel“ berichtet. „Ich möchte gerne in einem Land leben, in dem das Erkunden der Grenze der Satire erlaubt, gewünscht und Gegenstand einer zivilgesellschaftlichen Debatte sein kann“, schrieb Böhmermann demzufolge in einer privaten Twitter-Nachricht an Altmaier. Er bitte nicht um Hilfe in seinem Fall, sondern um „Berücksichtigung meines künstlerischen Ansatzes und meiner Position, auch wenn er streitbar ist.“ Altmaier habe geschrieben, er werde sich melden, was dann aber ausblieb. Stattdessen telefonierte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu, da zu befürchten war, dass die Türkei ein Strafverfahren wegen Beleidigung verlangen könnte.

          Böhmermann wird der Sache mittlerweile von dem Medienanwalt Christian Schertz vertreten, der dem „Spiegel“ zufolge Kritik an der Bundesregierung übt. „Besonders schwierig finden wir, dass die Kanzlerin sich bereits öffentlich mit einer rechtlichen Bewertung geäußert hat und das Auswärtige Amt Gutachten anfertigen lässt.“ Man solle hier „die Grundsätze der Gewaltenteilung beachten.“

          ZDF-Intendant entschuldigt sich

          Der Intendant des ZDF, Thomas Bellut, hat in der Sache Böhmermann unterdessen, wie der Sender mitteilt, schon am vergangenen Montag mit dem türkischen Botschafter in Berlin telefoniert. Bellut habe „sein Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, dass der Beitrag Gefühle von Zuschauerinnen und Zuschauern verletzt hat".

          Die Leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller von der ermittelnden Mainzer Staatsanwaltschaft teilte derweil mit, bisher liege weder eine Ermächtigung der Bundesregierung noch ein Strafverlangen der Türkei vor, was für ein Verfahren nach Paragraph 103 Strafgesetzbuch, der die Beleidigung ausländischer Staatsorgane sanktioniert, notwendig wäre. Die entsprechenden Schritte seien „nicht zeitnah zu erwarten", sagte die Staatsanwältin Keller. Vor dem ZDF-Studio in Istanbul hatten türkische Kritiker des Gedichts demonstriert und das Gebäude mit Eiern beworfen.

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