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Gastbeitrag von Julia Klöckner Neue digitale Wege für ARD und ZDF

Brauchen ARD und ZDF, um junge Zuseher zu erreichen, einen Jugendkanal? Nicht unbedingt, es könnte auch anders gehen. Mit mehr Einsatz im Internet vor allem.

© dpa Vergrößern Julia Klöckner ist CDU-Landes- und -Fraktionsvorsitzende in Rheinland-Pfalz

Welchem Auftrag soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig gerecht werden? Die Länder und die Rundfunkanstalten diskutieren heftig darüber. Es geht um Zuständigkeiten, Machbarkeiten, Einfluss und Wettbewerb - und die Rechtfertigung von Gebührengeldern. Erklärtes Ziel aller: den Auftrag präzisieren, die Akzeptanz beim Zuschauer steigern. Und das vor dem Hintergrund der Kostenbremse. Deshalb wird schnell klar: Viel ist nicht immer gut, schon gar nicht sparsam. Deshalb rücken die zahlreichen Digitalkanäle von ARD und ZDF ins Visier. Weniger müssen es werden, das ist klar.

Doch welche legt man unter welcher Führung zusammen? Die Fragen sind vielfältig: Kann ein öffentlich-rechtlicher Jugendkanal die Attraktivität bei Jugendlichen steigern und den gefürchteten „Generationenabriss“ verhindern? Wird ZDFneo ein zweites junges Vollprogramm? Ist es sinnvoll, „tagesschau24“ mit Phoenix zu fusionieren? Noch werden die kontroversen Positionen zwischen den Beteiligten ausgelotet. Bis Herbst sollen ARD und ZDF den Ländern ein gemeinsames Konzept vorlegen. Diese wollen dann darüber diskutieren und entscheiden. Die Zeit drängt.

Internet setzt ARD und ZDF unter Druck

Bevor aber ein falscher Eindruck entsteht: Ich bin ein Fan des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. ARD, ZDF oder das Deutschlandradio haben eine große Bedeutung für unsere Gesellschaft. Sie fördern die individuelle und öffentliche Meinungsbildung und leisten einen zentralen Beitrag zur Erfüllung der demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse unserer Gesellschaft.

Sich ausdrücklich zur verfassungsrechtlichen Bestands- und Entwicklungsgarantie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu bekennen ist nicht selbstverständlich, aber wichtig. Denn die Zeiten haben sich massiv verändert. ARD und ZDF besetzen schon lange nicht mehr allein die Zahlen der Fernbedienung. Durch eine neue Generation von Fernsehgeräten, die Internet und Fernsehen mit einem Gerät ermöglichen (Connected-TV), wird das audiovisuelle Angebot vielfältiger, werden Konkurrenz und der Druck noch größer.

Aus meiner Sicht braucht der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland eine klare Akzentuierung und Zuordnung. Der ehemalige ZDF-Intendant Markus Schächter hat das Bild vom Leuchtturm in Anspruch genommen. Es bedarf publizistischer Alleinstellungsmerkmale, um in einer konvergenten Medienwelt erkennbar zu bleiben: Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten müssen für die Menschen ein objektiver, verlässlicher, glaubwürdiger und informativer Partner im großen Meer der Informationen sein. Sie müssen strahlen, hervorstechen. Sie müssen gesellschaftlichen Mehrwert bieten und einen Markenkern herausarbeiten. Und das ohne steigende Gebührengelder! Eine Profilschärfung und die Besinnung auf den Auftrag sowie die Kernkompetenzen auf allen Verbreitungswegen sind unabdingbar.

ARD und ZDF sollten sich als Partner wahrnehmen

Die Hauptprogramme von ARD und ZDF müssen als zentrales Integrationselement erhalten bleiben. Das geht nur mit echten Vollprogrammen. In der Hauptsendezeit müssen Information, Kultur, Bildung und Unterhaltung daher in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen. Sparten- und Digitalkanäle sowie Dritte Programme sollten die Hauptprogramme im Idealfall sinnvoll ergänzen.

Die Besinnung auf den Auftrag führt für mich daher zwangsläufig auch zu einer Diskussion über die Anzahl der Digitalkanäle und die Zuordnung der Spartenkanäle. ARD und ZDF sollten sich mehr als Partner wahrnehmen. Die Sender müssen inhaltliche Schwerpunkte setzen, vor allem im Bereich ihrer Kernkompetenzen. Nicht ein Nebeneinander macht die Qualität besser, sondern die Konzentrierung.

Erste „Baustelle“: Sollte aus ZDFkultur und EinsPlus tatsächlich ein öffentlich-rechtlicher Jugendkanal nach dem Vorbild des „Kika“ entstehen, erscheint hier eine Zusammenarbeit von ARD und ZDF sinnvoll. Zwar scheinen die Diskussionen darüber schon sehr weit vorangeschritten. Gleichwohl will ich zumindest eine zweite Option vorschlagen. Ziel muss es sein, zielgruppengerecht und internetaffin auf die medialen Bedürfnisse von jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren einzugehen. Anstelle eines eigenen Senders für Jugendliche könnte daher auch eine abendliche „Jugendkanal“-Schiene ab 20 Uhr im „Kika“ integriert werden.

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