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Gaddafis Tod Ein fatales Bild

 ·  Die Videos von Gaddafis Tötung werden uns noch eine Weile begleiten. Manche Medien versetzt der tote Gaddafi in einen Taumel. Journalistisch souverän ist das nicht.

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Mussolini kopfüber, Hussein am Strang, Ceauşescu zusammengesackt: Wenige Bilder bleiben so haften wie die von toten Tyrannen. Es ist die Macht im Moment der absoluten Ohnmacht, ein mysterium tremendum. Erst recht, wenn die Öffentlichkeit – nach Botho Strauß – „kriecht wie die Wanderratte durch die Leitungsrohre“, bleibt kein Despotentod ohne Bilder.

Seit vorgestern haben wir in unserem Bildgedächtnis eine neue Ikone: den toten Muammar al Gaddafi. Soll man die Bilder des Toten zeigen? Die Devise schien zu sein: Aber ja. Man zeigt, wenn man hat. Dabei gab es durchaus Unterschiede. Die ARD beschränkte sich auf den noch lebenden Gaddafi, zeigte aber online ein Bild, dass ihn wohl tot zeigt. Und ging der Frage nach, ob Gaddafi im Gefecht getötet oder gelyncht wurde. CNN spielte die Bilder aus Sirte derweil rauf und runter. Von dem zunächst vorhandenen Handy-Video konnte der amerikanische Nachrichtensender gar nicht genug bekommen. Der kurze Film lief wieder und wieder, erst im Vorder-, dann im Hintergrund, während die stets wie Models zurechtgemachten Moderatorinnen die Meldungen ordneten. Die BBC warnte, während das Video lief, die Zuschauer immerhin davor, die Bilder könnten verstörend wirken.

Absurder Wettbewerb um die Fotos einer Leiche

Die französische Nachrichtenagentur AFP machte sich über die Frage, was man zeigen und soll und was nicht, gar keine Gedanken. Für sie war das Bild eine Trophäe. In einer reißerisch verfassten Pressemitteilung brüstete sich die Agentur damit, die ersten Aufnahmen des toten Gaddafi um die Welt geschickt zu haben. „Weltweiter Scoop“ war die Meldung betitelt, in der ein AFP-Fotograf beschreibt, wie er es geschafft hatte, ein Bild des toten Gaddafi von einem Handy abzufotografieren. Dabei war noch gar nicht sicher, dass der Diktator zu diesem Zeitpunkt schon tot war, beziehungsweise es war fraglich, wann und auf welche Weise er zu Tode gekommen war.

Für AFP aber war das keine Frage der Abwägung, sondern ein großartiger Marketing-Moment. „Dieser Scoop“, sagte der Informationsdirektor Philippe Massonet, „steht für die ununterbrochene Präsenz der AFP seit Februar in Libyen, unsere umfangreichen Anstrengungen und den Mut der Journalisten der Agentur.“ Der Agenturchef Emmanuel Hoog setzt noch einen drauf: „Diese Leistung“, sagte er, „krönt Monate der Beharrlichkeit und des Durchhaltevermögens der AFP-Journalisten in diesem Teil der Welt, wie auch anderswo. Ich beglückwünsche sämtliche Mitarbeiter der Agentur, die diesen Erfolg ermöglicht haben, und zolle ihnen meine Anerkennung.“

Gebannt von der Macht der Bilder

Dass man die Angelegenheit „professionell“ sehen kann, mag man verstehen, doch lässt der Jubel von AFP jegliche journalistische Distanz vermissen. Er passt nahtlos zur Selbstgewissheit des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, der sich als Befreier Libyens feiern lässt, und klingt wie ein Nachhall auf Angela Merkels „Freude“ über den Tod Usama Bin Ladins.

Fotografen und Kameraleute bannen etwas auf Film – und wir schauen gebannt zu. Doch wäre zu wünschen, dass wenigstens die Medien über die Macht der Bilder erhaben sind. Am Tag der Tötung Muammar al Gaddafis waren das einige nicht. Nicht nur die Kämpfer des libyschen Übergangsrats in Sirte haben Freudentänze aufgeführt, einige Medien und Journalisten haben sich ohne Zögern eingereiht. Sie geben ein fatales Bild ab.

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