27.11.2007 · Kein simpler Scheckbuchjournalismus: Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli verlangt jetzt nicht nur Geld, wenn sie zum Interview gebeten wird. Sie stellt auch ihre Antworten zur Wahl: ob sie künftig für die Freien Wähler kandidieren oder in die bayerische FDP eintreten werde, zum Beispiel.
Von Michael HanfeldDie Fürther Landrätin Gabriele Pauli betreibt eine ganz besondere Form der Medienschelte. Und sie scheint aus ihren einschlägigen Erfahrungen - denken wir an die Latex-Bilder in der „Park Avenue“ - lernen zu wollen. Sie mag nicht länger draufzahlen und verlangt für Interviews nun Geld: 30.000 Euro, um genau zu sein.
Davon schreibt das Magazin „Focus“, welches das unmoralische Angebot dankend ablehnte. Für 30.000 Euro, berichtet der Redakteur Michael Hilbig, hätte er nicht nur mit Gabriele Pauli sprechen, er hätte sich sogar, drei, vier, fünf Antworten aussuchen dürfen. Etwa, dass Gabriele Pauli sagen könnte, sie gedenke nach ihrem Austritt aus der CSU für die Freien Wähler zu kandidieren; oder, dass sie in die bayerische FDP eintrete. Auf dieses Entgegenkommen lautete das Angebot eines Herrn Melkers von der Firma MSE in Stein bei Nürnberg - ein All-inclusive- oder „All-you-can-Ask“-Angebot sozusagen.
Es sei ja nicht ihr Beruf, sich vor die Kameras zu stellen
Weil der „Focus“-Redakteur kaum glauben konnte, was man ihm antrug, suchte er sich bei Gabriele Pauli rückzuversichern. Er fragte bei ihr nach, ob der Agent aus Stein wirklich in ihrem Namen handele. Per SMS und Email ging die Bestätigung ein: Das Angebot war echt.
Und Gabriele Pauli steht dazu, ganz offensiv. Auf ihrer Webseite (www.gabriele-pauli.de) erklärt sie den Journalisten in direkter Anrede wortreich, warum sie Geld sehen will: „Viele Medien haben damit Millionenumsätze gemacht, meine politischen und privaten Handlungen und Meinungen darzustellen und zu kommentieren, mich ,rauf' und dann wieder ,runter' zu schreiben. Ich gönne Ihnen Ihren Gewinn.“ Doch sei es, um ihre „politische Arbei fortsetzen zu können“ nur „legitim, von denjenigen, die von meinem Engagement profitieren, einen Teil zu verlangen.“ Es sei nicht ihr „Beruf, mich vor die Kameras zu stellen, noch mein öffentlicher Auftrag.“ Sie lasse sich „nicht einbinden in Machtstrukturen, die den Regierenden dienen und nicht dem Volk.“
Mit dem CSU-Austritt auf „Vanity Fair“ gewartet
Doch ob das nun im Sinne des Volkes ist? Nennt man es nicht eher „Scheckbuchjournalismus“, den es - da kann der bayerische Journalistenverband die Posse noch so vehement kritisieren - schon lange gibt? Prominente kommen auf die tollsten Ideen und Saläre, um sich in Szene setzen zu lassen. Nur hat Gabriele Pauli, wie bei ihrem Latex-Auftritt, eines wiederum nicht verstanden: Wenn man sich schon für Geld ausstellt, sollte man wenigstens die zu erwartenden Antworten selbst bestimmen.
Ihren Austritt aus der CSU, schreibt der „Spiegel“, habe sie eigens um ein paar Tage verschoben, damit „Vanity Fair“ exklusiv darüber berichten konnte. Das Blatt habe ihr ein „unwiderstehliches finanzielles Angebot“ gemacht. Es wird hoffentlich das letzte gewesen sein, mit dem Gabriele Pauli in die Schlagzeilen drängt.