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Fußball-Doku „Die Spielerberater“ Streiflicht statt Scheinwerfer

 ·  Die Dokumentationen des Grimme-Preisträgers Klaus Stern sind handwerklich ohne Fehl und Tadel. Pures Handwerk aber reicht nicht, um den Spielerberatern im Fußball auf die Schliche zu kommen.

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Die Ukraine blieb auf der Strecke, als an diesem Dienstag zwischen Frankreich, England und dem Gastgeber die letzten beiden Teilnehmer am Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft ermittelt wurden. Danach galt es in der ARD erst einmal, die nächste Ausgabe von „Waldis Club“ auszusitzen, einer angesichts oder vielleicht auch wegen ihres höchst bescheidenen Niveaus ziemlich erfolgreichen Late Night - bis zu vier Millionen Zuschauer kann sie jeweils auf sich vereinen.

Eine Viertelstunde nach Mitternacht gab es dann noch einmal Fußball - eine Dokumentation des Grimme-Preisträgers Klaus Stern mit dem Titel „Die Spielerberater“. Sie ist handwerklich ohne Fehl und Tadel, zeigt aber, dass gerade diesem Thema mit filmischem Handwerk allein nicht beizukommen ist.

Klaus Stern ist ein Spezialist für unkommentierte Authentizität. Ob zuletzt „Henners Traum - Das größte Tourismus-Projekt Europas“ (2008) oder „Versicherungsvertreter - Die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker“ (2011): Sterns Methode besteht darin, seine jeweiligen Protagonisten, die ihre Aktivitäten vorzugsweise im schillernden Bereich zwischen Genie, Erfindungsreichtum, Hochstapelei und Dilettantismus betreiben, mit der Kamera eine geraume Zeit lang zu begleiten.

Es zählt nur, was sich zeigt

Die einzige, aber wesentliche Aktivität des Autors Stern besteht danach im Schneiden des so gewonnenen Materials. Ein Urteil über die von ihm porträtierten Personen maßt er sich nicht an, eine über die subjektive Sicht seiner Protagonisten hinausgehende Analyse ihrer Tätigkeiten unterlässt er programmatisch. Was einzig zählt, ist, was sich zeigt.

Dieses Mal ist Sterns authentische Hauptfigur der Kölner Spielervermittler Jörg Neblung. Weil er es selbst ins Mikrofon spricht, erfährt man von ihm, dass er einst Manager des 2009 durch Suizid aus dem Leben geschiedenen Torwarts Robert Enke war und dass ihm dieser tragische Tod geschäftlich geschadet hat: Er musste in der Folge seine Firma „Sportsnetwork“ erheblich verkleinern.

Zwei seiner jetzigen Klienten waren bereit, ebenfalls vor Sterns Kamera zu treten: Stefan Ortega, der junge Torwart des Drittligisten Arminia Bielefeld, und, durchaus prominenter, der siebenmalige Nationaltorwart Timo Hildebrand, der zwischenzeitlich arbeitslos war, mit Neblungs Hilfe aber erst jüngst seinen Vertrag mit Schalke 04 um zwei Jahre verlängerte.

Des Filmemachers Höflichkeit

Es ist dem Filmemacher anzurechnen, dass er überhaupt Mitspieler für sein jüngstes Projekt gefunden hat. Denn die Grundregel in der nicht sonderlich beleumundeten Branche der Spielervermittler lautet, dass ihr Wirken eben explizit nicht vor Kameras und Mikrofonen stattfindet. Neblung ist die schiere Ausnahme, aber schon das erfahren wir nicht. Nichts, aber auch gar nichts erfahren wir über das Metier selbst.

Dass der Deutsche Fußball-Bund weit mehr als vierhundert Spielerberater lizenziert hat, dass sich Familienangehörige von Spielern sowie Rechtsanwälte aber auch ohne Lizenz in diesem finanziell lukrativen Haifischbecken der Ablösesummen und Profiverträge tummeln dürfen: kein Wort davon.

Und wer - von Roger Wittmann über Michael Becker bis zu Harun Arslan, dem Manager etwa von Joachim Löw - in der Branche wirklich den Ton angibt: auch darüber schweigt des Filmemachers Höflichkeit. Seine Doku bietet ein Streiflicht, wo ein Scheinwerfer nötig wäre.

„Die Spielerberater“ laufen am Mittwoch, 20. Juni, um 0.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1951, Redakteur im Feuilleton.

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