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Kommentar : Domplatte putzen

Silvester in Köln: Menschen zünden Feuerwerkskörper auf der Domplatte Bild: dpa

Niemand will Fremdenhassern und Rechtsextremen in die Hände spielen. Doch die Angst davor treibt ARD und ZDF zu Eiertänzen in der Berichterstattung über die Silvesternacht in Köln.

          Der WDR hat nach eigenem Dafürhalten nichts falsch gemacht. Schon am 2.Januar habe man auf seiner Website im Internet über die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht am Kölner Bahnhof berichtet, noch vor einer diese bestätigenden Mitteilung der Polizei. Die hatte tags zuvor, an Neujahr, noch irreführend von einem „ruhigen“ Abend berichtet. Das ZDF hat etwas falsch gemacht, meint hingegen der stellvertretende Chefredakteur Elmar Theveßen. Sich noch in der „heute“-Sendung am Montag mit dem Thema nicht zu befassen, sei angesichts der Nachrichtenlage ein Versäumnis gewesen.

          Am Dienstag nun wollten die Sender es mit ihren Sondersendungen besser machen und die „Anatomie der Silvesternacht“ beleuchten, wie es in der ARD hieß. Sehr weit sind sie dabei nicht gekommen, und das lag nicht am Zeitverzug, den man den Medien allenthalben vorwerfen kann. Es ist vielmehr die aufklärerische Haltung, in die sich im ZDF besonders gerne Claus Kleber im „heute journal“ wirft, die dann doch zu nichts anderem führt, als sich mit den markigen Worten von Politikern abspeisen zu lassen, die von der Bestrafung der Täter mit aller zu Gebote stehenden Härte des Gesetzes reden und von der Polizei Aufklärung fordern, die diese eine Woche nach den Übergriffen, da kein Täter identifiziert ist, schwerlich leisten kann. Bei den Berichten schwingt jedoch vor allem ein Misstrauen gegenüber dem Publikum mit, das die von Opfern und Zeugen übereinstimmende Beschreibung der Täter – aus dem nordafrikanischen oder arabischen Raum stammend – in einen falschen Zusammenhang bringen könnte.

          Das führt beim Radiosender HR info zum Beispiel dazu, dass ein ehemaliger Nordafrika-Korrespondent aus seinem früheren Berichtsgebiet lauter Phänomene aufzählt, die denen von Köln gleichen, sich aber im nächsten Atemzug abmüht, mit Blick auf die gesellschaftliche Stellung von Frauen und Männern jedweden „kulturellen“ Zusammenhang wegzureden. Den Grund für solche Eiertänze sieht man wohl: Niemand will Fremdenhassern und Rechtsextremen in die Hände spielen. Doch leider geschieht auch an einem solchen Abend genau das, indem (in der ARD) von einem vermeintlichen Experten schließlich gar Zweifel an dem geäußert werden, wovon Opfer und Zeugen berichten. In Angela Merkels Diktion nennt man so etwas: „nicht hilfreich“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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